Kirchheimbolanden
Aufatmen in Kibo: Stiftung wird Erhalt der Paulskirche sichern
Die evangelische Landeskirche will und muss sich in Rheinland-Pfalz von zahlreichen Kirchen, Gemeindezentren und Pfarrhäusern trennen. Diese angestrebte Entwicklung ist schon seit einiger Zeit klar – in der Pfalz könnten bis 2030 rund 30 Prozent der Gebäude davon betroffen sein. Zu hoch sind die Unterhaltungskosten vieler Bauwerke bei gleichzeitigem Mitgliederschwund.
Und so begannen auch die Verantwortlichen der Kirchengemeinden am Donnersberg, sorgenvoll auf die örtlichen Gebäude zu blicken – allen voran auf die Paulskirche in Kirchheimbolanden. Ende 2024 gründete sich daher ein Arbeitskreis, um alternative Nutzungsformen für die Kirche zu erarbeiten und so deren Erhalt zu sichern. Zunächst ohne Erfolg: Die Landeskirche verkündete, die Paulskirche nicht mehr tragen zu können, da diese umfassend saniert werden muss – eine finanziell deutlich zu hohe Hürde aus Sicht der Institution. Eine Lösung musste also schnellstens her, damit das imposante barocke Bauwerk erhalten bleiben kann.
Stifter: „Möchte Stadt etwas zurückgeben“
Nun können Kirchengemeinde, Stadt und Bevölkerung aber aufatmen: Die langfristige Zukunft der Paulskirche dürfte gesichert sein, wie die Verantwortlichen im Rahmen einer Pressekonferenz verkünden. Stadtbürgermeister Marc Muchow erläutert: „Wir wollten keine kurzfristige Lösung für den Erhalt der Paulskirche, sondern eine zukunfts- und tragfähige.“ Und die sieht so aus: Die Paulskirche soll in eine privatrechtliche Stiftung überführt werden. Das bedeutet, dass die Stadt einen langfristigen Mietvertrag mit der Kirche abschließen wird und die Paulskirche dann pachtet.
Die privatrechtliche Stiftung wird von drei Stiftern gegründet: Stadt, Kirchengemeinde am Donnersberg sowie von den beiden Kirchheimbolander Bürgern Bernd Hofmann und seiner Frau Dorothee. Die Rolle des bekannten Unternehmers ist entscheidend, denn Hofmann wird die Stiftung großzügig finanziell unterstützen.
Wieso er das tut, erläutert der 82-Jährige im Rahmen der Pressekonferenz: „Meine Frau und ich sind sehr verbunden mit der Stadt. 1990/91 habe ich das Schloss gekauft, umgebaut und restauriert. Jetzt habe ich mich von dem Schloss getrennt, es gehört seit ein paar Wochen nicht mehr mir. Ich möchte Kibo aber weiter etwas zurückgeben, wir müssen die schönen Dinge hier vor Ort pflegen.“ Und dazu zählt aus Hofmanns Sicht allen voran auch die Paulskirche, das Gotteshaus, in dem er selbst konfirmiert worden ist. Dieses faszinierende Bauwerk mitsamt seiner imposanten Mozartorgel müsse erhalten werden, wie der Geschäftsmann anfügt. „Ich bin überzeugt, dass wir es mit dieser Gruppe an Leuten schaffen, die Kirche gut zu restaurieren und dann auch wieder ganzjährig zu nutzen“, betont Bernd Hofmann.
Denn auch hierin liegt eine Krux des Projekts: Protestantische Gottesdienste finden mittlerweile fast ausschließlich in der Peterskirche statt. Die Paulskirche wurde daher zuletzt immer weniger genutzt. Das soll sich bald wieder ändern. Bürgermeister Muchow sagt: „Die Kirche soll für Veranstaltungen genutzt werden. Kirchliche, musikalische, aber auch private Veranstaltungen sind denkbar, sie müssen nur inhaltlich zusammenpassen.“ Ziel ist es, mit der Paulskirche eine Art Kulturzentrum für die Pfalz zu schaffen.
Stadtrat und Kirchengemeinde schon zugestimmt
Dass es letztlich überhaupt zu den Plänen der privatrechtlichen Stiftung kam, ist laut Erich Morschhäuser einer Reihe von glücklichen Fügungen zu verdanken. Morschhäuser, der gemeinsam mit Bezirkskantorin Ulrike Heubeck das Leitungsgremium der evangelischen Kirchengemeinde am Donnersberg bildet, erzählt: „Detlof von Borries ist bei dem Thema Stiftungen sehr bewandert und hat uns seine Hilfe zugesichert. Wir mussten dann aber noch einen Kooperationspartner suchen.“ Auch Rechtsanwalt Torsten Steinhaus, der unweit der Kirche wohnt, stieg bei dem Projekt ein. Er unterstützte die Verantwortlichen rechtlich, beriet sie bei formellen Dingen. Und dann folgte irgendwann das entscheidende Treffen zwischen Erich Morschhäuser und Bernd Hofmann – in Morschhäusers Küche bei Kaffee und Kuchen. „Daraus ist dann eine große Sache geworden. Wir sind wirklich froh und glücklich, dass in kurzer Zeit zustande kam, wovon wir vor anderthalb Jahren nur träumen konnten“, so der Presbyter der Kirchengemeinde.
Zeitnah soll nun ein Gesamtkonzept für das Kirchengebäude ausgearbeitet sowie Restaurationspläne für die Orgel erarbeitet werden. In den kommenden Tagen soll schon der Notartermin stattfinden, um die nötigen Verträge zu unterzeichnen. Dann wollen sich die Verantwortlichen mit den entsprechenden Fachleuten an einen Tisch setzen und prüfen, welche Schritte im Zuge der Kirchensanierung am dringendsten sind.
Wie großzügig die finanzielle Unterstützung ist, möchte Bernd Hofmann nicht verraten. „Über Geld spricht man nicht“, sagt er lächelnd. Nur so viel: „Wie hoch die Summe genau sein wird, wissen wir noch nicht. 500.000 Euro werden jedenfalls nicht reichen. Was investiert werden muss, das wird investiert.“ Stadtrat und Presbyterium haben das Vorhaben mit großer Begeisterung bereits abgesegnet, lediglich die finale Zustimmung der Landeskirche steht noch aus. Sobald alle Formalitäten erledigt sind, soll die Umsetzung schnell beginnen. Denn – da sind sich alle Verantwortlichen einig: Die Zeit drängt.