Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Übergewichtig, aber wohlauf: Der Rockenhausener Affe ist zurück

Als Namenloser gegangen, als Udo zurückgekehrt: Nach neun Wochen ist der Bartaffe wieder da.
Als Namenloser gegangen, als Udo zurückgekehrt: Nach neun Wochen ist der Bartaffe wieder da.

Nach neun Wochen ist der Ausreißversuch vorbei. Der Bartaffe aus dem Rockenhausener Tierpark ist am frühen Donnerstagmorgen in Teschenmoschel dingfest gemacht worden. Es war nicht seine erste Flucht. Einen Namen hat das Tier jetzt auch endlich.

Die Erleichterung steht Andreas Spieß ins Gesicht geschrieben. Ganz entspannt plaudert der Betreiber des Tierparks Donnersberg über seinen Schützling. Ernährt habe sich der Makake, der Ende Juli aus seinem Gehege entkommen war, offenbar ausreichend: Statt der zuvor gut fünf wiege er mittlerweile annähernd sieben Kilogramm (Spieß: „Seine Bikini-Figur hat er verloren“). Nein, im Fell des Affen haben sich keine Hinweise darauf verfangen, wo das Tier in den knapp neun Wochen denn so abgeblieben ist und was es erlebt hat. Noch befinde sich der gewesene Freigänger in Quarantäne, eine erste Entwurmung habe er hinter sich gebracht, nach der zweiten dürfe er am Freitag wieder zu seinen fünf Artgenossen. Oh ja, natürlich habe er diese gleich erkannt und freue sich merklich darauf, wieder zu ihnen zurückzukehren. Und vor allem: „Das Tier ist wohlauf.“

Telefon klingelt pausenlos

Fragen gibt es jede Menge zu beantworten für Tierparkbetreiber Spieß. Denn das Interesse an dem kleinen Äffchen, das ursprünglich aus Zentral-Indien stammt und jetzt in der Nordpfalz zu Hause ist, ist ungebremst. Spieß’ Telefon klingelt quasi unaufhörlich.

Zwei Monate lang hat der Bartaffe alle Verfolger genarrt, Spieß hatte zwischenzeitlich die Bevölkerung aufgerufen, das Tier in Garagen zu locken und einzusperren, und sogar eine Belohnung in Aussicht gestellt. Und es mit einer riesigen, transportablen Falle selbst probiert. Alles ergebnislos, der Affe tauchte zwar immer mal auf – auch in den Landkreisen Kusel und Kaiserslautern –, ließ sich aber nicht übertölpeln.

Zuletzt im Serengeti-Park

Bis zum frühen Donnerstagmorgen. Gegen 6 Uhr schnappte die Fuchsfalle zu, die Spieß am Abend zuvor in Teschenmoschel aufgestellt hatte: auf dem Balkon von Familie Schulz, die den Affen angefüttert und schon drei Tage Besuch von ihm bekommen hatte. Am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr habe ihr siebenjähriger Sohn durchs Fenster den Makaken erstmals entdeckt. Baff erstaunt habe es nur zu einem „Guckt mal!“ gereicht, berichtet Nina Schulz. „Das Wort Affe hat er gar nicht mehr rausgekriegt.“ Und da saß er, der Bartaffe: auf einem Baumstumpf.

An den Folgetagen habe der vielfach Gesuchte immer öfter vorbeigeschaut, sei stets zutraulicher geworden. Am Dienstagabend habe Andreas Spieß Bananen vorbeigebracht, an denen sich der Affe auch bedient habe. Einigen abgeknabberten Bambus sowie ein irritiert dreinschauendes Eichhörnchen später, wie Schulz berichtet, kam dann die Falle auf dem Balkon zum Einsatz.

Sie ist eine ganze Nummer kleiner als jene, mit der Spieß zuvor auf Affenjagd gegangen war. „Dass der überhaupt da reingelaufen ist ...“, wundert sich der Tierparkchef. „Der musste sich ja fast bücken.“ Den Tipp mit der Fuchsfalle hatte Spieß vom Serengeti-Park (bei Hannover) erhalten – von dort waren der Bartaffe und fünf Artgenossen erst im Juni nach Rockenhausen übergesiedelt.

Bei jedem Anruf Angst

Nach wenigen Wochen hatte sich dann der kleinste und jüngste des Sextetts dazu entschlossen, die Nordpfalz auf eigene Faust zu erkunden. Dabei hatte der Vierjährige die Rockenhausener Stadtdächer ebenso kennengelernt wie eine Mirabellenplantage bei Bisterschied. Aus der Bevölkerung gab es immer wieder Hinweise, bis zu 30-mal pro Woche meldete sich die Polizei beim Tierpark mit neuen Infos. Gefährlich sei der kleine Affe für niemanden gewesen, unterstreicht Andreas Spieß, der sich zwei Monate lang Tag für Tag auf die Suche gemacht hat. „Jetzt bin ich einfach froh. Bei jedem Anruf der Polizei hatte man Angst, dass ihm vielleicht etwas passiert sein könnte“, sagt er. Und es war höchste Zeit: Noch bis 8. Oktober hatte ihm das Veterinäramt eingeräumt, berichtet Spieß, dann hätte eine Fachfirma versuchen müssen, den Affen einzufangen; Kostenpunkt: etwa 6000 Euro, schätzt Andreas Spieß.

Es war übrigens nicht der erste Ausflug des vierjährigen Affen, den die Kinder von Familie Schulz auf den Namen Udo getauft haben – ein Name, den Spieß nun beibehalten wird, wenngleich Bartaffen normalerweise eher asiatische Namen bekommen, wie er berichtet. Auch im Serengeti-Park sei Udo mal getürmt: Dort habe seine Flucht gar ein halbes Jahr gedauert.

Udo auf einem Baum im Garten bei Familie Schulz.
Udo auf einem Baum im Garten bei Familie Schulz.
In Teschenmoschel auf dem Balkon.
In Teschenmoschel auf dem Balkon.
x