Interview Tapinoma magnum: Worauf zu achten ist
Herr Pfeifer, Anfang Juni wurde bekannt, dass sich die Große Drüsenameise großflächig in Bobenheim-Roxheim breitagemacht hat. Gab es seitdem weitere Sichtungen?
Nachdem bekannt wurde, dass sich die Ameise ausbreitet, haben sich rund ein Dutzend besorgter Bürger gemeldet, die das Insekt auf ihrem privaten Grundstück vermuten. In der Hälfte der Fälle konnten wir Entwarnung geben, in den übrigen handelte es sich tatsächlich um die Tapinoma magnum oder um die vernachlässigte Ameise. Mit dieser Art hat der Ort bereits seit Jahren zu kämpfen. Es ist natürlich positiv, dass die Bewohner zunächst klären, ob es sich wirklich um diese bestimmte Art handelt, bevor sie Maßnahmen ergreifen. Mein Rat ist trotzdem, Ruhe zu bewahren: Nur weil man plötzlich eine Ameise auf dem Grundstück sieht, muss es nicht diese Art sein. Wenn man sofort zu schädlichen Mitteln greift, trifft man womöglich auch einheimische Arten.
Zur Person
Manfred Pfeifer ist Biologe und Einwohner von Bobenheim-Roxheim. Als früherer Umweltbeauftragter des Orts fungiert er nun im Kampf gegen die Drüsenameise als Experte und Bindeglied zwischen Verwaltung und Einwohnern.
Wie kann man als Laie die Tapinoma magnum von einheimischen Ameisenarten unterscheiden?
Zerreibt man eine Ameise zwischen den Fingern und riecht daran, merkt man den Unterschied: Die Tapinoma magnum riecht eher nach verbranntem Plastik als nach Essigsäure. Dieser Test ist auch für Laien gut durchführbar. Optisch können Personen ohne Fachkenntnisse vermutlich keine eindeutigen Unterschiede erkennen.
Was können Bürger tun, wenn sie sicher sind, dass es sich um die Drüsenameise handelt?
Unkraut an Hauswänden wachsen zu lassen, kann vorbeugend helfen, da es verhindert, dass die Ameisen dort ihre Straßen bauen. Heißes Wasser in die Nesteingänge zu gießen, kann ebenfalls wirksam sein – und ist zudem eine der umweltschonendsten Methoden. Ist die Kolonie bereits sehr groß, kommt man um Gifte nicht herum. Es wird damit allerdings nur die Anzahl der Insekten dezimiert. Um die Ameisen komplett loszuwerden, müsste man alle Königinnen finden, was bei dieser Art fast unmöglich ist.
Info
Bewohner von Bobenheim-Roxheim können sich bei Verdachtsfällen an die eigens eingerichtete E-Mail-Adresse der Gemeinde wenden: ameisen@bobenheim-roxheim.de. Dann wird geprüft, ob es sich tatsächlich um die potenziell invasive Art handelt und ob Maßnahmen erforderlich sind. Dieses Vorgehen erleichtert zudem die Kartierung des Ameisenvorkommens.

