Bad Dürkheim / Bobenheim am Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Invasive Ameise: Warum Tapinoma magnum kaum zu stoppen ist

Die Tapinoma magnum fühlt sich unter Straßen und Gehwegen wohl.
Die Tapinoma magnum fühlt sich unter Straßen und Gehwegen wohl.

Überlebt die invasive Ameise Tapinoma magnum den Winter in der Pfalz? Die Antwort eines Biologen dürfte Anwohnern und Kommunen nicht gefallen.

Manfred Pfeifer beobachtet die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) seit eineinhalb Jahren. Mittlerweile berät der Biologe, der sich im Arbeitskreis Insekten des Naturschutzvereins Pollichia am Bad Dürkheimer Pfalzmuseum engagiert, von Ameisen geplagte Bürger in seiner Heimatgemeinde Bobenheim-Roxheim.

Herr Pfeifer, wie überwintert die Tapinoma magnum bei uns?
Ameisen sind wechselwarme Tiere. Aber wenn an einem kalten Wintertag die Sonne scheint, dann sieht man die Tapinomas auch krabbeln. Selbst bei niedrigen Temperaturen können sie aktiv sein, auch wenn ihre Aktivität im Winter stark eingeschränkt ist.

Das heißt, Tapinoma magnum, die ja eigentlich aus Südeuropa stammt, überwintert in Mitteleuropa mühelos?
Ja, ich konnte im vergangenen Jahr erste Erfahrungen sammeln. Meiner Beobachtung nach überdauern die Ameisen den Winter sehr gut, das sehen auch Experten wie Manfred Verhaagh so, der sich am Karlsruher Naturkundemuseum sehr ausgiebig mit der Art befasst. Er hält die Tapinoma magnum für frosthart. Ihre Nester und Gänge reichen tief in den Boden, das schützt die Tiere vor Frost. Wenn es bei uns überhaupt einmal Frost gibt. Als es im vergangenen Winter bei uns ein bisschen kälter wurde, haben sich die Ameisen unter die Grasnarbe zurückgezogen. Es muss schon richtig kalt sein, dass die Ameisen Schaden nehmen. Diese Temperaturen haben wir nicht.

Manfred Pfeifer
Manfred Pfeifer

Kann es passieren, dass sich Ameisen im Winter in Gebäude zurückziehen?
Ausschließen kann man das sicher nicht. Aber eigentlich fühlen sie sich unter Gehwegen, Straßen oder an den Kanten von Gebäuden wohl, weil sie dort ideale Bedingungen für ihre Nester vorzufinden scheinen.

Wie überwintern Ameisen überhaupt?
Anders als beispielsweise bei Wespen, bei denen im Winter das gesamte Volk bis auf die Königin stirbt, überwintert bei fast allen unserer heimischen Ameisenarten das komplette Volk im Erdreich; also Königinnen, Arbeiterinnen und Larven. Das ist auch bei Tapinoma der Fall.

Die Tapinoma magnum wird in der Pfalz auf unterschiedliche Weise bekämpft. Bad Dürkheim setzt zum Beispiel auf Kieselgur, Wachenheim auf Giftköder. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Ich bin kein Schädlingsbekämpfer und kann nur wiedergeben, was ich so bei den Leuten gesehen habe. Kieselgur zum Beispiel bringt durchaus einen gewissen Erfolg, das gilt auch für Giftköder. Aber beides wirkt nur für eine kurze Zeitspanne, danach erholt sich die Kolonie wieder. Was nötig wäre, ist eine großflächige Bekämpfung.

Erfolgt die nicht bereits?
Praktisch nicht, wenn man die Organisation der Ameisenbekämpfung den Hausbesitzern privat überlässt. Die Bekämpfung ist keine einfache Sache und die Leute organisieren sich auch meistens nicht genügend. Das wäre aber nötig, weil die Tapinoma-Kolonien riesig sind und sich auf eine Fläche von über einem Hektar erstrecken können. Wenn ein Nachbar etwas gegen die Ameise übernimmt und der andere nicht, hat das kaum einen Effekt, weil die Tiere immer wieder zurückkehren.

Was wäre für eine flächendeckende Bekämpfung nötig?
Es wäre sinnvoll, die Kommunen würden jemanden abstellen, der die Anstrengung der Privatleute koordiniert. Aber das ist letztlich eine Kostenfrage. Aber noch etwas anderes macht mir Sorgen.

Was?
Ich bin viel bei Privatleuten unterwegs und sehe viele verschiedene chemische Mittel. Die töten nicht nur andere Insekten außer der Tapinoma, sondern können ins Erdreich und vielleicht auch ins Grundwasser gelangen.

Angenommen, Sie hätten Tapinomas in ihrem Garten. Wie würden Sie die Tiere bekämpfen?
Wie gesagt, ich bin kein Schädlingsbekämpfer. Aber eine effektive und umweltfreundliche Methode ist es, reichlich heißes Wasser in die Nesteingänge zu kippen. Bei intensiver, stets wiederholter Anwendung gelingt es so, eine Population zumindest einzudämmen. Das bereits erwähnte Kieselgur wirkt ebenfalls, aber nur bei trockenem Wetter. Auch Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, erzielen einen Effekt. Man kann sie übers Internet bestellen, das ist auch bei einem Befall im privaten Garten interessant.

Spielen natürliche Feinde denn keine Rolle?
Ich habe schon gesehen, dass sich Wespen an Tapinomas bedient haben. Für den Schaden an einer Kolonie sind solche Angriffe aber bedeutungslos.

Wie ist Ihre Prognose für das kommende Frühjahr: Wird sich die Tapinoma magnum weiter ausbreiten?
Ich glaube nicht, dass wir sie loskriegen und denke eher, dass sie in weiteren Kommunen in der Pfalz auftauchen wird. Ameisen sind ungewöhnliche Insekten. Es ist faszinierend, wie sie kommunizieren und was sie alles hinkriegen. Sie sind schlau genug, um uns sprichwörtlich nicht auf den Leim zu gehen. Vielleicht reguliert sich der Befall aber mit der Zeit.

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