Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Heftiger Hagelschauer: Ungsteiner Winzer fürchten Schäden

Der Hagel breitete sich flächendeckend auf den Ungsteiner Wiesen und Weinberge aus.
Der Hagel breitete sich flächendeckend auf den Ungsteiner Wiesen und Weinberge aus.

Am Mittwochabend ist ein Gewitter mit starkem Hagel über Ungstein gezogen. Die örtlichen Winzer machen sich Sorgen. Wie groß sind die Schäden an den Reben?

„Das war ein heftiges Ereignis. So etwas habe ich in 20 Jahren nicht erlebt“, beschreibt Jan Eymael, Inhaber des Weinguts Pfeffingen, den Hagelschauer am Mittwoch. Am Donnerstagmorgen sei er zwei Stunden durch verschiedene Lagen gefahren, um seine Weinberge auf mögliche Schäden zu überprüfen. Besonders Pfeffingen und Ungstein-Nord seien vom Hagel flächendeckend betroffen gewesen. An den Reben seines Weinguts zeigen sich unterschiedliche Schadbilder.

Triebe wurden stark beschädigt

„Die Triebspitzen haben wenig Schaden abbekommen, die Blätter der Reben wurden deutlich stärker geschädigt“, erklärt Eymael. „Das ist aber unproblematisch, weil sich das verwächst.“ Deutlich mehr Sorgen bereiten dem Winzer vor allem die Schäden an den Trieben selbst. Dort hätten sich aufgrund des Hagels schorfartige, längliche Risse gebildet, wodurch Bruchgefahr bestehe. „Pro abgebrochenem Trieb gehen zwei bis drei Trauben verloren“, erklärt er. Auch für den Rebschnitt im Winter bedeuteten die Risse erheblichen Mehraufwand.

Die Höhe des Schadens sei allerdings noch nicht abzuschätzen. Es gibt noch keine Rebblüte, sondern nur Gescheine – kleine Traubenansätze an den Reben, aus denen später die Beeren wachsen. Wenn Hagel die Gescheine beschädigt, kann das den Ertrag der Weinberge stark verringern, weil weniger Trauben ausreifen können. Die Gescheine sind besonders empfindlich, da sie noch zart und weich sind. Hagelkörner können sie leicht zerquetschen oder abbrechen.

Regen war dennoch wichtig für die Reben

Das Ausmaß der Schäden könne man wahrscheinlich erst während oder nach der Rebblüte feststellen. 70 Prozent seiner Flächen seien betroffen – im schlimmsten Fall könnten 30 Prozent der Trauben nicht ausreifen. „Das ist aber reine Spekulation. Auch die verschiedenen Rebsorten reagieren unterschiedlich“, sagt Eymael. Trotzdem sei der Regen, der mit dem Gewitter kam, gut für die Bodenfeuchte gewesen. „Das Wasser haben wir nach den zuletzt trockenen Wochen gerne angenommen“, betont der Winzer. Zudem sei weiterer Regen vorerst nicht absehbar.

Zu einem ähnlichen Fazit kommt Mira Wolf, Inhaberin des Weinguts Isegrim. Die Reben könnten zwar tief wurzeln, weshalb die Trockenheit keine ernste Bedrohung darstellte – dennoch habe man auf den Regen gehofft. „Vor allem unseren nachgepflanzten Reben kommt das zugute“, sagt die Winzerin. Auf den Hagel hätte sie allerdings gerne verzichtet. „Am Fuß des Herrenbergs sah es zwischenzeitlich so aus, als hätte es geschneit. Das war schon verrückt.“ Ihr Betrieb hat eine kombinierte Frost- und Hagelversicherung abgeschlossen – in einer Woche soll der Gesamtschaden geschätzt werden.

Genaue Schäden noch nicht abzuschätzen

Wie auch Jan Eymael betont Mira Wolf, dass vor allem die Triebe beschädigt worden seien. „Das macht künftige Arbeitsschritte und den Rebschnitt im Winter deutlich schwieriger, bedeutet aber keinen unmittelbaren Ertragsausfall für uns“, sagt sie. Wie groß der Schaden letztendlich ist, sei schwer zu sagen. „Das zeigt sich dann, wenn die Rebblüte kommt. Dann sehen wir, wo die Gescheine lebendig bleiben und wo sie austrocknen. Es ist schwer, eine Prognose abzugeben.“

Eine Prognose wagt auch Andreas Wolf, stellvertretender Vorsitzender der Winzergenossenschaft Ungstein, nicht. Man müsse abwarten, inwieweit die Triebe austrocknen – dann müsse jeder Winzer individuelle Maßnahmen ergreifen. „In zehn bis 14 Tagen kommt die Rebblüte. Dann wissen wir mehr“, sagt der Ungsteiner Ortsvorsteher. Der Regen sei auf jeden Fall gut für die Reben gewesen, gleichzeitig aber auch schnell über die Oberfläche in die Gräben abgeflossen. „Das Wasser ist nicht so in den Boden eingezogen wie bei einem gemütlichen Landregen“, so Wolf. Den Reben gehe es aktuell noch gut – dennoch sollte es bald wieder regnen.

Ob die Ungsteiner Winzer dann aufgrund des Hagelschauers weitere Sorgen haben werden, wird sich zeigen.

x