Bad Dürkheim
Generationswechsel beim Weingut Isegrim
Neben dem Weinbau will sich das junge Paar auch wieder vermehrt der allgemeinen Landwirtschaft widmen. Schon seit 1984 ist das Weingut Isegrim in Ungstein ein zertifiziertes Bioland-Weingut. „Das war damals schon eine Pionierleistung von Opa und Papa“, sagt Mira Wolf. Ihr Papa ist Klaus Wolf, der den Familienbetrieb bisher geführt hat, nachdem er ihn von seinem Vater Adolf übernommen hatte. Nun wird der Staffelstab an die nächste Generation weitergegeben. Tochter Mira und ihr Ehemann Sören werden das Weingut künftig führen, der Übergang sei allerdings fließend, wie die 29-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ verrät: „Es ist ein großes Glück, dass wir uns alle so gut verstehen. Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam auf Augenhöhe.“
Dass Mira Wolf einmal ihren Vater beerben wird, war nicht von Anfang an klar. „Nach dem Abi wollte ich eigentlich erstmal Bio studieren. Ich hatte ein bisschen den Traum Meeresbiologin zu werden, doch der war auch recht schnell wieder ausgeträumt“, erzählt sie mit einem Lachen. Die Entscheidung über ihre Laufbahn hing allerdings auch vom Familienhof in Ungstein ab. „Es stellte sich natürlich die Frage, wie und ob der Betrieb weitergeführt wird. Ich wollte nicht einfach im Sande verlaufen lassen, was Papa und Opa aufgebaut haben. Also habe ich ganz bodenständig eine Winzerlehre gemacht“, so Wolf. Eigentlich war die Lehre als eine Art Schnupperkurs gedacht, um nach einem Jahr zu schauen, wie es denn passt – und es passte. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich den Job sehr, sehr toll finde, und durfte extrem viele tolle Betriebe kennenlernen“, schwärmt die 29-Jährige.
Biodynamik und viele Tiere
Es war aber auch schnell klar, dass sie nicht in ein gewöhnliches Angestelltenverhältnis wechseln möchte, wie sie sagt: „Ich hatte und habe so viele Ideen, die ich jetzt auch umsetzen möchte.“ Prägend für einige ihrer Ideen war ein Jahr auf dem Dottenfelderhof in der Nähe von Frankfurt am Main, wo sie auch ihren heutigen Ehemann Sören kennengelernt hat. „Das ist der Hof für biodynamische Landwirtschaft. Dort geht es viel mehr um Landwirtschaft im Allgemeinen als zwingend nur um Weinbau. Das hat noch einmal den Wunsch gefestigt, dass es hier wieder bunter werden soll, mit vielen Tieren auf dem Hof“, so der Plan der jungen Winzerin. Bei der Umsetzung wird sie nicht nur von ihrer Familie unterstützt, sondern auch von einem festangestellten Mitarbeiter, zwei Saisonarbeitskräften und einem Auszubildenden.
Neben mehr regulärer Landwirtschaft plant Mira Wolf, künftig verstärkt auf gereifte Rieslinge zu setzen, das brauche allerdings Zeit. „Das ist die handwerkliche Königsdisziplin. Wenn man es schafft, das richtig gut zu machen, macht man auch den Job gut“, erklärt die Expertin. Das fange bereits im Boden an, der dank der Vorleistung von Opa Adolf und Papa Klaus bereits die richtigen Voraussetzungen mitbringe. Wichtig ist Mira Wolf zudem, bei der Weinherstellung ohne Schönungsmittel auszukommen, die beispielsweise genutzt werden, um die Farbe des Weins zu beeinflussen. „Das ist wie Make-up. Uns macht es mehr Spaß, wenn wir das ohne diese Mittelchen hinbekommen“, betont sie.
Das halbe Dorf ist da
Anfang Juni konnte auf dem Weingut Isegrim erstmals wieder unter dem Motto „Kummschd in Schaffkläder“ eine After-Work-Party gefeiert werden. „Das ist immer ein schönes Fest mit Live-Musik, bei dem der Hof voll ist mit ganz vielen tollen Menschen und Kindern. Da ist meistens das halbe Dorf da“, freut sich Mira Wolf. Das nächste Hoffest ist bereits für das erste Augustwochenende geplant.