Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Diese Nase! Einfach zum Reinbeißen ...

Die Nase trinkt mit.
Die Nase trinkt mit.

„Weinnase“ – der Begriff hat was, findet unser Kolumnist.

„Die Nase gefällt mir“, hört man immer mal wieder, wenn Fachleute Wein probieren. Dabei geht es nicht um das Stupsnäschen der Sommelière oder des Sommeliers, die mitprobieren, sondern um den Geruch des Weins, der sich im Glas befindet. Dessen Aroma wird oft vereinfacht als seine „Nase“ bezeichnet.

Mit der Nase erkennt man mehr

Während der Mund nur fünf Grundgeschmacksrichtungen kennt – süß, sauer, bitter, salzig, umami – kann die Nase eine Vielzahl von Aromen sowie ihre Kombinationen differenzieren. Mit geschlossenen Augen erkennen wir Erdbeere, Kaffee oder Schokolade nur, weil der „Geschmack“ aus einer Kombination von Nase, Mund und Mundgefühl (hart, flüssig, weich und so weiter) besteht und die Nase dabei die Hauptarbeit leistet. Deshalb ist die „Nase“ des Weins sein wichtigstes Differenzierungsmerkmal. Am Wein bewusst zu riechen ist damit eine Voraussetzung dafür, seine Qualität zu erkennen. So gesehen beschreibt der Begriff „Weinnase“ einen geübten Weinliebhaber gar nicht schlecht. Genaues Riechen macht seine Fähigkeiten aus.

Ein Lob der klarenAromatik

Perfekte Weinbereitung bedeute – so der höchst angesehene Kellermeister Hans-Günter Schwarz – die in der Traube verborgenen Aromen so klar wie möglich in den Wein zu bringen. Moderne Technik der Oxidationsvermeidung hat viel dazu beigetragen, diesem Ziel näher zu kommen.

Mustergültig ist es Jürgen Krebs bereits bei seinem einfachsten Riesling gelungen. Die Weinnase muss gar nicht sehr tief ins Glas geschoben werden, denn ein strahlender, wunderbar typischer Pfälzer Rieslingduft springt geradezu aus dem Glas: Frischer Apfel, ein Hauch Zitrone, eine Prise Gelbfrucht und etwas pikante Würze vermählen sich zu einem animierenden Aromabild, das in Weinseminaren hilfreich wäre, um unverwechselbaren Riesling kennenzulernen.

Wenn er so duftet, zeigt der Riesling seine ganze Stärke: Er riecht zum Reinbeißen gut. Und ist ein sagenhaftes Schnäppchen obendrein.

Der Wein

Preis: 5,60 Euro ab Hof; Bezug: Weingut Krebs, Freinsheim; Telefon 06353/3149; Internet: www.weingut-krebs.eu

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist , Seminarleiter, und Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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