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Wünscht nur das Schlechteste: Antike Fluchtafel mit griechischer Schrift, gefunden im Rom.
Wünscht nur das Schlechteste: Antike Fluchtafel mit griechischer Schrift, gefunden im Rom.

Geflucht wird auch in der Antike viel. Teilweise sogar schriftlich – auf Bleitafeln. Beim Liebeszauber kann man natürlich auch zu Puppen greifen.

Wahrscheinlich war da irgendjemand verknallt, im 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus. Mutmaßlich männliche Tonpuppe aus dem Heiligtum der Isis und der Muttergöttin „Magna mater“ in Mainz. Grob geformte Gestalt, der Phallus allerdings gut erkennbar. Die Einstichlöcher auch: Durchbohrt hat jemand die Puppe im linken Auge, an Hals, Brust, Bauch, Rücken, Hüften und am Anus. Steht die daneben gefundene Bleitafel in Zusammenhang mit der Puppe, dann hieß der Gelöcherte „Trutmo Florus“, und irgendjemand muss wohl versucht haben, ihn mit einem Liebeszauber zu binden.

Das nämlich ist der Sinn des Löcherns, man heftet seine Wünsche oder Verwünschungen gleichsam an den Adressaten, „Defixion“ nennt man dergleichen. Die Methode, mit einer Puppe jemanden an sich zu binden, wird schon im „Großen ägyptischen Zauberpapyrus“ beschrieben: Man stecke demnach 13 Nadeln in die Puppe einer Angebeteten, „auf dass sie an niemanden denke, außer an mich“.

Die Götter der Unterwelt sollen helfen

So unschuldig sind Bindezauber freilich eher selten: „Fluchtafeln“ wünschen dem Beschworenen eher Pest und Galle an den Hals. Etwa 1600 davon hat man in Europa gefunden, unter anderem auf einem antiken Friedhof in Kreuznach – Zeugnisse eines in der antiken Welt wohl weit verbreiteten Volksglaubens, der in den offiziösen Quellen selten Erwähnung findet. Und dessen Spuren heute oft nur zufällig wiederentdeckt werden: Die Bleitäfelchen mit Beschwörungen und Verwünschungen werden oft zusammengerollt und der Bindung wegen mit einem Nagel fixiert – bei Zufallsfunden kaum als antikes Objekt zu erkennen.

Friedhöfe sind ein passender Ort zur Ablage – beschwört man doch oft die Götter der Unterwelt. Und ebendiesen überreicht ein gewisser Caranitanus auf einer in Kreuznach gefundenen Tafel eine Liste seiner Feinde. Die Unterwelt bekommt gut zu tun. Die Liste ist ziemlich lang.

Die Kolumne

Die „Pfälzische Geschichte“ erscheint alle 14 Tage in der RHEINPFALZ am SONNTAG. Rund 300 Folgen gibt es inzwischen. Die Texte versuchen, über die Geschichte der Region hinaus auch Schlaglichter auf größere Zusammenhänge zu werfen. Im Bewusstsein, dass die Gegenwart kaum zu verstehen ist, wenn man ihre Genese nicht kennt. Die vorige Folge der „Pfälzischen Geschichte“ finden Sie hier: „Der Aluminium-Monarch“.

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