FCK-Kolumne
Böhms Betze: Als der Berg am Ostersonntag explodierte
Die Liebe zu einem Fußballverein trägt bei manch einem Zeitgenossen religiöse Züge. Gerade bei einem Traditionsverein wie dem 1. FC Kaiserslautern. Ein Derby ist der höchste Feiertag, so wie für praktizierende Christen katholischen Glaubens das Osterfest. Kein Wunder, dass bei besonderen Erfolgen an jenen Tagen gerne die Begriffe verrutschen und auch in Bezug auf einen Klub von Auferstehung gesprochen wird.
Sonntag, 17. April 2022. Ich im Eimer daheim auf der Couch, umgehauen von einem mit „C“ beginnenden Virus, dessen Plage epischen Ausmaßes wir zum Glück überwunden haben. 75 Kilometer weiter in der Westpfalz: Ausnahmezustand im positiven Sinne. FCK gegen 1. FC Saarbrücken. Mehr als 46.000 Zuschauer auf den ausverkauften Rängen. Die Eruptionen des Glücks sind bis in die Vorderpfalz zu spüren. An diesem Sonntag, so scheint’s, erhebt sich der FCK endgültig aus dem Sumpf der Dritten Liga. Er gewinnt 3:1, trotz einer Halbzeit in Unterzahl. Daniel Hanslik trifft zur Führung, Kevin Kraus sieht Rot, Ausgleich kurz nach der Pause, Sternstunden der Helden Boyd und Redondo. Ekstase. Osterfeuer auf den Rängen. Drei Spiele stehen danach noch an. Wiesbaden. Dortmund II, Viktoria Köln.
Geschmacklose Gesten
Der FCK auf Platz zwei. Alles in der eigenen Hand. Ein Kinderspiel, oder? Pfeifedeckele, wie meine alte Lateinlehrerin zu sagen pflegte. Heute wissen wir: Der Aufstieg wird gelingen, aber erst in der Nachspielzeit – mit einem anderen Trainer. Und einem anderen „Co“. Der alte, Frank Döpper, erlaubt sich am Ostersonntag 2022 keine von Nächstenliebe geprägten Gesten. Reckt den Mittelfinger gen Saarbrücker Anhang, fügt obszön mit Bezug auf sein Genital gestikulierend eine Geschmacklosigkeit der besonderen Art hinzu. Einen Tag später, noch immer Ostern, legt er die Beichte ab.
Die Emotionen hätten ihn übermannt, sagt er, es tue ihm leid. Chef Hengen hatte ihn schon während des Spiels eingenordet. Drei Wochen später entlässt er ihn. Wie Trainer Marco Antwerpen. Alles neu macht der Mai. Seit Saarbrücken haben die Roten Teufel am Osterwochenende übrigens nicht mehr gewonnen und auch kein Remis ergattert. Wenn Sie diesen Text hier lesen, kann sich das allerdings schon geändert haben.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.



