FCK-Kolumne
Böhms Betze: Besuch beim Old Firm in Glasgow als Haken auf der „Bucket List“ für Jean Zimmer
Jean Zimmer ist das fleischgewordene Derby. Ging es gegen den SV Waldhof oder den Karlsruher SC, bekam der Ex-Profi richtig Temperatur. Da schickte er verbal schon mal Grußnoten nach Baden oder intonierte nach getaner Arbeit Schmähgesänge aus dem Mannschaftsbus heraus. Die Fans liebten ihn dafür. Wo Zimmer sich das Duell mit dem KSC an diesem Sonntag anschaut, bleibt abzuwarten. Westkurve oder Haupttribüne – er wird schon da sein. Zeit hat er, denn die U21, für die er aktiv ist, misst sich bereits am Freitagabend mit dem FK Pirmasens. Auch ein Derby, ein wichtiges, wenngleich weniger medienwirksam.
Zimmer kommt viel rum in diesen Tagen. Unlängst besuchte er mit Kumpels die Partie zwischen Newcastle United und Leeds United. 4:3 ging’s aus, und wenn man sich die Bilder auf YouTube ansieht, sieht man einen Jean Zimmer, der die Atmosphäre nur so in sich aufsaugt. Noch besser war’s für ihn am vorvergangenen Wochenende. Zimmer erfüllte sich einen Jugendtraum und setzte einen Haken hinter einen Punkt auf seiner „Bucket List“. Old Firm im Ibrox Park zu Glasgow, Rangers gegen Celtic. Auf Instagram präsentierte Zimmer ein Selfie-Video, das ihn inmitten jubelnder Rangers-Anhänger zeigt. Er schüttelt den Kopf, fährt sich mit der linken Hand übers Gesicht, als müsse er sich sammeln, grinst leicht und pustet einmal kräftig aus. Dazu schreibt er: „Diese Atmosphäre. Diese Intensität. Pure Gänsehaut. Unvergesslich.“
Drohnen, Helikopter – aber auch Unterhaltung?
Am vorigen Wochenende trafen die Rangers und Celtic im Pokal erneut aufeinander, Celtic siegte im Elfmeterschießen. Der folgende Jubel in Grün-Weiß ließ das Rangers-Blut kochen, Ultras stürmten vermummt den Rasen, sprinteten gen Celtic-Block, beschossen ihn mit Leuchtraketen. Wüste Bilder. Was mich zum bevorstehenden Duell FCK-KSC führt und zu der Frage, was wohl an diesem Sonntag auf dem Betzenberg zu erwarten ist. Nach den Ereignissen des Hinrundenvergleichs, wo sich nach Schlusspfiff beide Fanlager im Stadion Schlägereien lieferten, mit Sicherheit ein enormes Polizeiaufgebot, Drohen und Helikopter, noch ausgedehntere Kontrollen und eine An- und Abreise, die mehr Nerven kostet als in Kaiserslautern eh schon.
Ob dafür wenigstens das sportliche Treiben entschädigt? Da das Abstiegsgespenst nicht spukt, Aufstiegsträume längst ausgeträumt sind, es also nur ums Prestige geht, ließe sich herrlich zur Attacke blasen. Eigentlich. Leinen los, Visier nach oben, knapp 50.000 Menschen unterhalten – aber bitte nur auf dem Rasen.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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