Wurstmarkt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Personalmangel den Wurstmarkt verändert – Teilweise fehlen 50 Prozent

Wer bringt in Zukunft die Schorle?
Wer bringt in Zukunft die Schorle?

Personal ist in der Gastronomie und bei Schaustellern schon länger schwer zu finden. Doch so schlimm wie jetzt war es laut Standbetreibern noch nie. Einige sind noch auf der Suche.

Die Personalprobleme werden den Wurstmarkt in diesem Jahr deutlich verändern. Denn einige der Schausteller und Budenbetreiber, die seit Jahrzehnten dabei waren, kommen jetzt nicht mehr, wie Bürgermeister Christoph Glogger sagt. „Wir waren aber auch immer sehr konstant, Wurstmarkt-Insider wussten genau, wo was steht. Das wird dieses Jahr anders“, sagt er. Für die, die nicht mehr kämen, gebe es allerdings Ersatz. Den Anteil an neuen Ständen schätzt er auf etwa 20 Prozent.

Budenbetreiber müssen reduzieren

Ein konkretes Beispiel für Veränderungen durch Personalmangel: Beim „Schwarzwaldmädel“ werde in diesem Jahr nur noch das Schwarzwaldhaus betrieben und kein Imbiss mehr, wie Geschäftsführer Nico Lustnauer sagt. So brauche er nur zehn statt 18 bis 20 Leute. Den Grund für die Probleme sieht er vor allem in der Pandemie: „Personalmangel gab es vorher schon, vor allem in der Gastronomie. Die Corona-Geschichte wirkte wie ein Brennglas“, sagt Lustnauer. Die Antwort auf die Frage, wie viele etwa fehlen, kommt wie aus der Pistole geschossen: „50 Prozent“. Im August war er mit dem Haus „Zum Schwarzwaldmädel“ in Bad Kreuznach beim Jahrmarkt. Hier habe er nur 20 Mitarbeiter gehabt – normalerweise seien es 45. Auch dort habe er deshalb reduzieren müssen. Das Personal bestehe teilweise aus Saison-Kräften, etwa ein Drittel seien Aushilfskräfte aus den jeweiligen Orten. Diese suche er auf verschiedenen Wegen, inzwischen vor allem über Soziale Medien. Normalerweise schalte er auch Anzeigen beim Arbeitsamt, doch dort finde er selten Mitarbeiter, sagt Lustnauer.

Diese Einschätzung teilt Anke Spittka von der Arbeitsagentur Landau, die auch für Bad Dürkheim zuständig ist. Solche kurzfristigen Arbeitsverhältnisse liefen selten über die Agentur, die Mitarbeiter kümmerten sich eher um die Vermittlung von Arbeitslosen in längerfristige Jobs. „Es kommt darauf an, ob sich die Schausteller bei uns melden“, sagt Spittka. „Die, die Helfer sein wollen, gehen da eher über die Veranstalter“, vermutet sie.

Arbeiten, wenn andere feiern

Oder sie gehen eben über Soziale Medien, wie Instagram oder Facebook. So haben es auch die Betreiber zweier Süßwarenstände gemacht, die über Facebook nach Mitarbeitern fragten. Während der Süßwarenstand Geist noch immer Personal sucht, berichtet die Firma Kurt Roth aus Stuttgart, dass sie inzwischen ausreichend Mitarbeiter für den Wurstmarkt gefunden haben. Doch einfach sei das nicht gewesen: „Personalprobleme gab es schon vor Corona bei uns, jetzt ist es überall angekommen“, sagt Roth.

Diese Einschätzung teilt auch Rene Bauer, der mit dem Bauerngrill beim Wurstmarkt vertreten ist. Er ist außerdem Vorsitzender des Schaustellerverbands Worms. „Bundesweit sind Betreiber von Fahrgeschäften und Gastronomie nicht in der Lage, ausreichend Personal zu finden. Viele mussten daher auch Veranstaltungen absagen“, sagt Bauer. Woran das liegt? „Einige Mitarbeiter haben sich in den zwei Jahren Pandemie was anderes gesucht. Und die Bereitschaft zu reisen sinkt.“ Er selbst habe seine Mitarbeiter in den zwei Jahren weiterbeschäftigt und ihnen andere Aufgaben gegeben, doch das sei nicht in jedem Betrieb möglich.

Fast alle suchen noch

Ein Problem seien auch die Arbeitszeiten: „Wir müssen arbeiten, während andere feiern“, sagt er. Außerdem sei es mit sechs, sieben Stunden am Tag nicht getan, häufig müssten zwölf- bis 13-Stunden-Schichten gemacht werden – auch weil Personal fehle. Einige Schausteller hätten inzwischen reagiert und zum Beispiel ihre Reiserouten geändert, Veranstaltungen mit hohen Standgebühren aussortiert. Unter anderem wegen der gestiegenen Spritkosten lohne es sich ohnehin nicht mehr, weit umherzufahren, sagt Bauer. Von den Schaustellern, die zum Wurstmarkt kommen, seien seines Wissens noch fast alle auf der Suche nach Aushilfen. Dafür müsse man mindestens 16 Jahre alt sein, pro Stunde gebe es mindestens 13 bis 14 Euro, Festangestellte verdienten aber natürlich mehr.

Wurstmarkt-Bad Dürkheim-2023

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