Schienenverkehr
Sondervermögen als Antreiber: Deutsche Bahnindustrie meldet Rekordwerte
Während Autohersteller in der Krise stecken, glänzt die Schienenbranche weiter mit Rekordzahlen und profitiert von höheren Investitionen in den umweltschonenden Bahnverkehr. Die aktuelle Bilanz des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland fällt erneut erfreulich aus: Mit 15,6 Milliarden Euro wuchs der Umsatz voriges Jahr um vier Prozent, wobei zwei Drittel aus dem Fahrzeuggeschäft stammen und ein Drittel mit Infrastruktur erzielt wird.
Der Auftragseingang legte sogar um 19 Prozent zu und übertrifft mit 21,8 Milliarden Euro auch die bereits hohen Orderstände nach der Corona-Pandemie. Davon kamen 14 Milliarden Euro aus dem Inland, im Ausland gab es mit 44 Prozent noch größeren Zuwachs.
Rekordinvestitionen in Sanierung
„Wir können die Schiene wieder zu dem machen, was sie sein sollte: zum Rückgrat unserer Mobilität, zum Symbol deutscher Ingenieurskunst und zum internationalen Vorbild“, freut sich VDB-Präsident Andre Rodenbeck, der beim deutschen Branchenführer Siemens Mobility als CEO das Fahrzeuggeschäft verantwortet.
Im Gegensatz zu den Vorjahren treibt nun der Heimatmarkt das Wachstum an, da Rekordinvestitionen in die Bahnsanierung fließen, nachdem unter wechselnden Bundesregierungen zuvor über Jahrzehnte zu wenig für attraktiven Schienenverkehr getan wurde.
Der Umsatz in Deutschland legte voriges Jahr um 7,7 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zu. Davon kamen 6,1 Milliarden Euro aus dem Geschäft mit Loks, Wagen und anderen Fahrzeugen. Großkunde ist vor allem die Deutsche Bahn, die vor allem ihre ICE-Flotten modernisiert, dabei allerdings auch erstmals umfangreiche Aufträge an den spanischen Hersteller Talgo für den Reisezug ICE-L vergeben hat.
Milliardenschwere Aufträge
Insgesamt konnten die Zughersteller voriges Jahr neue Aufträge über 8,8 Milliarden Euro allein aus dem Inland abschließen, rund 200 Millionen Euro mehr. Im Ausland gab es ein Wachstum von 4,2 auf 5,5 Milliarden Euro. Die Branche ist damit nicht zufrieden. Insgesamt bleibe der Fahrzeugmarkt weiterhin hinter den Erwartungen zurück, so der Verband.
Kräftig um 500 Millionen Euro gestiegen ist der Umsatz mit Infrastruktur in Deutschland, der sich auf 3,7 Milliarden Euro beläuft. Die Hersteller von Gleisen, Weichen, Oberleitungen und digitaler Technik profitieren von den Generalsanierungen der 40 wichtigen Bahnkorridore, die bis 2036 abgeschlossen sein sollen.
Digitalisierung als Zukunftsversprechen?
Der Branchenverband mahnt bei der Bundesregierung aber erneut mehr Investitionssicherheit an. Nötig seien ein verbindlicher Investitionsplan des Bundes, die gesetzliche Verankerung von Überjährigkeit im „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz“ sowie ein Eisenbahninfrastrukturfonds.
Besonders von der Digitalisierung im Schienenverkehr verspricht sich die Branche blendende Geschäfte. Die Kosten werden in Studien auf hohe zweistellige Milliardensummen veranschlagt, die Bundesregierung und die Deutsche Bahn AG haben die breite Einführung des Zugleitsystems ETCS bereits weit nach hinten gestreckt. Bisher seien weniger als zwei Prozent des Netzes damit ausgerüstet, erklärte VDB-Geschäftsführer Axel Schuppe. Noch mehr als 12.000 Fahrzeuge müssten nachgerüstet werden, dafür fehlten lange Richtlinien und Förderprogramme.
Die Bahnindustrie in Deutschland beschäftigt fast 58.000 Mitarbeiter und sichert nach Verbandsangaben inklusive indirekter Beschäftigung rund 114.000 Arbeitsplätze.