Eisenberg Schüler wählen eher konservativ
Am Wirtschaftsgymnasium an der Berufsbildenden Schule Donnersbergkreis in Eisenberg ist für die Oberstufenschüler vor der echten Wahl eine Bundestagswahl simuliert worden: Danach würde der CDU-Direktkandidat des Wahlkreises 209, Xaver Jung, nach Berlin gehen, die AfD bliebe unter einem Prozent. Der Wahl-Versuch zeigte aber auch: Insgesamt scheinen viele Schüler recht desinteressiert an Politik zu sein.
Tim und Alexander, beide 18, sind sich bislang nicht wirklich klar darüber, welche Themen ihnen wichtig sind. „Ja, Umwelt“, sagt der eine. „Darüber hab’ ich mir noch keinen Kopf gemacht“, der andere. Daheim werde kaum über Politik gesprochen. Das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) haben sie sich nicht angeschaut, auch mit dem seit 2002 existierenden Wahl-O-Mat haben sie nicht gearbeitet. Die gleichaltrige Gina macht aus ihrem Desinteresse keinen Hehl. „Ich geb’ einen ungültigen Stimmzettel ab“, kündigt sie bei der schulinternen Wahl an – und hält Wort. Ihre Begründung: „Ich kenne mich nicht wirklich aus.“ Auch zwei andere Gymnasiasten stecken ungültige Voten in die Wahlurne, die in einem Raum in der dritten Etage des BBS-Gebäudes aufgestellt ist. Insgesamt beteiligen sich 108 von 135 Jungen und Mädchen der Oberstufe an der Wahl. Speziell darauf vorbereitet hat Sozialkundelehrer Wolfgang Bey seine Schüler nicht. Das parlamentarische System der Bundesrepublik sei ja ausführlich in Jahrgangsstufe elf behandelt worden, sagt er. Und die dicken Wahlprogramme könne man im Unterricht nicht durcharbeiten. „Wir sind noch einmal kurz das Verfahren mit Erst- und Zweitstimme durchgegangen“, erzählt er. Während am BBS-Standort Rockenhausen die Juniorwahl läuft, bei der die Ergebnisse deutschlandweit online erfasst werden, gibt es in Eisenberg diesmal nur eine kleine schulinterne Wahl. Die Stimmzettel hat Bey kreiert – nach dem Vorbild der Zettel des Wahlkreises 209. Die Gymnasiasten können sich demnach zwischen 14 Parteien entscheiden und ihre Erststimme einem von acht Direktkandidaten geben. Die 19-jährige Anna hat nicht lange überlegt in der Kabine. Klar wisse sie, wem sie ihre Stimme gebe. Den Schlagabtausch zwischen Merkel und Schulz habe sie interessant gefunden, wobei die Bundeskanzlerin sympathischer rübergekommen sei. „Wichtig ist mir der Umweltschutz“, setzt die junge Frau Prioritäten. Das Wahl-O-Mat-Ergebnis habe nicht mit ihrer Überzeugung übereingestimmt. Bey hat den Eindruck, dass die Web-Anwendung die Antwort „neutral“ eher konservativ gewichtet. „Es kommt nicht immer das dabei heraus, was man sich eigentlich vorgestellt hat“, so seine Erfahrung, die auch andere gemacht hätten. Zum Beispiel David. Seine bevorzugte Partei habe beim Wahl-O-Mat an dritter Stelle gestanden. Aber eine Entscheidungshilfe brauchte der 18-Jährige auch nicht mehr. „Ich habe längst per Brief gewählt“, erzählt er. David bezeichnet sich als politisch äußerst interessiert, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und die Flüchtlingspolitik seien für ihn wesentliche Themen. Beim TV-Duell sei Schulz der bessere Kandidat gewesen. „Das ist ein konservatives Ergebnis“, stellt Direktor Matthias Frietsch zum Wahlergebnis (siehe Stichwort) fest. Die Abteilungsleiterin des Wirtschaftsgymnasiums, Gisela Glas-Lorenz, freut sich: „Der Rechtsruck der Gesellschaft ist in unserer BBS nicht angekommen.“ Bey meint: „Extreme Parteien kommen nicht zum Zug, was an sich ja schön ist, aber hier wohl eher der politischen Lethargie der Schüler geschuldet ist.“