Rheinpfalz
Begründer der Hauensteiner „Novelle cuisine“ feiert 80. Geburtstag
Als junger talentierter Koch und Konditor aus Niederwürzbach brachte er 1978 die „Nouvelle cuisine“ nach Hauenstein und errang mit seinem Hotel-Restaurant „Felsentor“ Auszeichnungen bei bekannten Gourmet- Restaurantführern von Michelin bis Gault-Millau. Am Sonntag, 13. Oktober, feiert Seniorchef Karlheinz Krämer seinen 80. Geburtstag.
„Das Kreieren von feinem Essen war seit meiner frühesten Kindheit ein Lebenstraum“, stellt Karlheinz Krämer fest. „Das Talent habe ich sicherlich auch von meiner Mutter Gertrud in die Wiege bekommen, die in der Region Niederwürzbach als ausgesprochen gute Köchin galt.“ Ein Familienfest mit Mutter Gertrud als Chefköchin – im Jahre 1968 bei der Hochzeit des jüngsten Bruders seiner späteren Frau Margot Seibel – führte ihn auch zum ersten Mal nach Hauenstein, wo er nicht nur seine spätere Frau kennen und lieben lernte, sondern zehn Jahre später als neuer Chefkoch und Hotelier zusammen mit ihr die neue gastronomische Glanzzeit des 1933 erbauten „Felsentor“ begründete.
Zeit für eine neue Philosophie
„Es war die Zeit einer neuen Philosophie der feinen und leichten mediterran-angehauchten Küche“, blickt Karlheinz Krämer zurück. Sein neues Konzept schlug auch sofort an, und das „Felsentor“ wurde für Jahrzehnte zum feinen Tempel der „Nouvelle cuisine“, nicht nur in der südwestpfälzischen Region, sondern auch als Aushängeschild für den späteren Luftkurort Hauenstein (1985) und seine heutige Bedeutung. Heute wird das „Felsentor“ von Sohn Steffen und seiner Frau Kathi in dritter Generation mit Erfolg geführt.
In der Schweiz die feine Küche erlernt
„Für mich war es ein Glücksfall, dass ich sofort nach meiner Schulentlassung im Jahre 1953 eine Konditorlehre begann und gleichzeitig auch die Künste des feinen Kochens erlernte“, blickt der begeisterte Gastronom auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Ein weiterer Glücksfall sei für ihn auch als blutjunger Koch seine Neugier gewesen, bei ersten Häusern vor allem in der Schweiz das sich damals besonders in Zürich abzeichnende Lebensgefühl der modernen Küche zu erlernen. Im feinen „Gotthard“ in Zürich – „es war für mich ein Betrieb wie im Bilderbuch“ – fand Karlheinz Krämer zu der Raffinesse und kunstvollen Kreativität einer modernen und feinen internationalen Küche, wo er sich sein Rüstzeug holte. Dabei kommt der Meisterkoch fast ins Schwärmen: „Im ,Gotthard ’ richteten wir in den sechziger Jahren schon ganze Lastwagenladungen von frischem Hummer und feinsten Fischen her.“ Diese Vorliebe besonders auch in der Zubereitung von Fischen habe er aus der Schweiz mitgenommen und überraschenderweise damit sofort auch in Hauenstein großen Erfolg gehabt. 1978 seien die Lieferanten dieser feinen und vor allem frischen Waren aber noch nicht nach Hauenstein gekommen, „und ich musste wöchentlich noch selbst sehr weit fahren, um meine Qualitätsansprüche zu befriedigen“.
Auch Willy Brandt und Rudolf Schock waren hier
Der Erfolg in Hauenstein – zuvor führte er mit seiner jungen Frau Margot noch einige Jahre die Gutsschenke „Junkerwald“ in Niederwürzbach – kam schnell im „neuen“ Felsentor, das vorher Schwiegermutter Liesel Seibel nach dem Tod des Gründers Julius Seibel jahrzehntelang zusammen mit den Kindern leitete. Wie Schwiegersohn Karlheinz stammte die Seniorchefin Liesel Seibel aus Niederwürzbach, und bis zum heutigen Tage hat das „Felsentor“ auch eine lange Liste von treuen Gästen aus der Saarpfalz.
Was am runden Geburtstag des Jubilars aber auch besonders angemerkt werden sollte, ist die Tatsache, dass das Ehepaar Karlheinz und Margot Krämer es nicht nur bei dem Erfolg des „neuen“ Restaurants beließ. Zweimal wurde das Haus unter ihrer Leitung in Gastronomie und Hotellerie großzügig erweitert und zu einem Hotel-Restaurant umgebaut. Voller Stolz blickt Karlheinz Krämer mit seiner Frau auch in das Gästebuch, das Namen zahlreicher Persönlichkeiten der Zeitgeschichte enthält, „auch Willy Brandt und Sängerlegende Rudolf Schock sind bei uns abgestiegen“.
Vor 85 Jahren eröffnet
Und ganz nebenbei noch: Mit dem 80. Geburtstag von Karlheinz Krämer feiert das „Felsentor“ heuer noch einen weiteren Geburtstag. Vor 85 Jahren eröffneten Julius und Liesel Seibel damit das erste Hauensteiner Gasthaus, das schon ganz modern mit Zentralheizung und fließend warmem und kaltem Wasser ausgestattet war. Aber dennoch musste der im Jahre 1900 geborene Gründer Julius Seibel einige Hürden überspringen: Da im Ortskern schon eine große Dichte an Gasthäusern bestand, beschloss der Gemeinderat, das „Felsentor“ müsse mindestens 800 Meter von der Ortsmitte Abstand halten. Sicherlich ein hohes Risiko vor 85 Jahren, heute steht das „Felsentor“ erfolgreich selbst fast mitten im Ort.