American Football RHEINPFALZ Plus Artikel Der große Bill Belichick und die Patriots: Trennung nach 24 Jahren ist nahe

Stets knorrig und über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg extrem erfolgreich: Bill Belichick.
Stets knorrig und über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg extrem erfolgreich: Bill Belichick.

Zwei Trainer entlassen, drei schon während der Saison geschasst. Der Abschluss der Punkterunde in der National Football League war ruhiger als erwartet. Aber der Hammer könnte noch kommen.

Der Tag nach dem letzten Spieltag trägt den Namen „Black Monday“. Schwarzer Montag deshalb, weil es an diesem Tag Entlassungen hagelt. Jene Enttäuschten, die sich nicht für die Play-offs haben qualifizieren können, überprüfen, ob es womöglich am Trainer gelegen haben könnte – und handeln. Dass da zum Teil Multimillionen-Dollar-Verträge über die Wupper gehen, interessiert im Milliardengeschäft NFL niemanden. Am wenigsten die betuchten Besitzer.

Dass diesmal nur zwei Coaches ihre Arbeitspapiere 24 Stunden nach dem letzten Spiel bekommen haben – Ron Riviera in Washington, Arthur Smith in Atlanta sowie Mike Vrabel in Tennessee –, hat vor allem damit zu tun, dass mancher Teambesitzer schon während der 18 Spieltage seine Enttäuschung nicht hat verhehlen können. Frank Reich musste beim schlechtesten Team der Liga in Carolina ebenso vorzeitig gehen wie Brandon Staley bei den mit vielen Ambitionen gestarteten Los Angeles Chargers. Und in Las Vegas erwischte er – wieder einmal – Josh McDaniels.

Erfolgreicher als jeder andere

McDaniels war übrigens über lange Jahre hinweg Assistent des großen Bill Belichick bei den New England Patriots, der den Patrioten seit 2003 zusammen mit Quarterback Tom Brady nicht weniger als sechs Super-Bowl-Siege bescherte. Mehr als jedes andere Team seit Bestehen der Liga. Und genau dieser Belichick, inzwischen 71 Jahre alt, wackelt ebenfalls.

24 Jahre lang hat William Stephen „Bill“ Belichick das Team aus Boston geführt – zum Teil mit fragwürdigen Methoden wie dem Ausspähen gegnerischer Signale, mit denen Spielzüge kommuniziert werden, aber durch die Bank erfolgreich. Neun Finalteilnahmen, sechs Titel, dreimal Trainer des Jahres. Mehr geht nicht in einer formal derart ausgeglichen Liga.

Amtsmüde? Keine Spur!

Doch seit sich Brady 2020 verabschiedet hat, haben Glück und Erfolg die Pats und ihren knorrigen, wortkargen Trainerfuchs verlassen. In der gerade abgelaufenen Runde kam das Team gerade noch auf vier Siege in 17 Spielen. Der Tiefpunkt. Im Prinzip rechnet nun fast jeder damit, dass sich in den nächsten Wochen die Wege trennen; zumal Patriots-Besitzer Robert Kraft es in der abgelaufenen Saison an einem klaren Bekenntnis zu seinem langjährigen Weggefährten vermissen ließ.

Kraft und Belichick wollen sich demnächst zum Gespräch treffen. Der Coach aber zeigt sich derzeit weder einsichtig noch amtsmüde nach 24 Jahren: „Ich werde weiter an jedem Tag mein Bestes geben, um unser Footballteam voranzubringen“, sagte er nach der 3:17-Niederlage gegen die Jets, der ersten nach 17 Siegen in Folge gegen die New Yorker. Und: „Er habe diese Einstellung von seinem Vater gelernt und stets danach gehandelt.“

Wahrscheinlich wird er das künftig bei einem anderen Team tun müssen – es gibt eine Reihe von Interessenten. Oder im verdienten Ruhestand.

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