Der Weintipp
Mal etwas gebastelt: Versuch geglückt!
Ganz gleich, ob es um Restaurants, Autos, Kleidung oder Weine geht: Das Bedürfnis vieler Mitmenschen, etwas Neues, Außergewöhnliches, nie da Gewesenes zu erleben oder zu besitzen, ist groß. Dabei bedeutet „nie dagewesen“ beileibe nicht immer gut oder besser als das Vorherige. Oft wäre es hilfreicher, bereits Bekanntes besonders gut zu machen.
Manchmal jedoch sind Neuerungen weit mehr als nur ein Versuch, Aufmerksamkeit zu schaffen. Das Maikammerer Weingut Stachel hat schon früh die besondere Eigenschaft der Syrahrebe erkannt, nicht nur an der heißen Rhône, sondern auch in kühleren Lagen spannende Weine zu bringen.
Auch dem gewiss nicht auf kühles Klima spezialisierten Malbec konnte man überraschend interessante Weine abringen. Eine weitere Neuerung ist das einmalige Unterfangen des Weinguts, aus den drei Rebsorten Spätburgunder, Syrah und Malbec einen Rosé zu basteln: der typisch deutsche Spätburgunder, verschnitten mit einer klassischen Rhône-Sorte und dem argentinischen Erfolgsmodell Malbec.
Spätburgunder, Syrah, Malbec
Aber auch die Herstellung ist ungewöhnlich. Zum Most aus nicht allzu reifem Spätburgunder kam heller Saftabzug von reifen Syrah- und Malbectrauben. Das hilft nicht nur dem Rosé, sondern auch den Roten aus Malbec und Syrah, weil der höhere Schalenanteil im Gärmost zur Konzentration beiträgt. Andererseits: Rotwein braucht reife Trauben, Rosé braucht eher Frische. Also kam der frische, sehr leichte Spätburgunder dazu, der den Alkoholgehalt des Weines auf 11,5 Prozent drückte.
Versuch geglückt. Man muss nur genau überlegen, welche Elemente die verschiedenen Cuvée-Anteile beitragen. Syrah bringt etwas Würze und zarte Gerbstoffe mit, der Spätburgunder frische, helle Aromen und Säure, die cremige Art des Malbec trägt dazu bei, alles gut zu verbinden. Leichte Art verknüpft mit dem Duft von Waldbeeren und einem Hauch Gerbstoff im Finale ergab auch geschmacklich eine gelungene Neuerung.
Der Wein
2024 „Sunset rosé“, Weingut Stachel, Maikammer, Telefon 06321/5112, Preis: 7,50 Euro.
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt er alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim. Hier geht’s zu seinen früheren Weintipps.

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