Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Luftig, duftig und zartsüß

Reife Scheurebe.
Reife Scheurebe.

Auch eine – auf den ersten Blick – unspannende Scheurebe kann sehr viel Spaß machen.

Gut zwanzig Gramm Restzucker, also nicht trocken, aber auch nicht edelsüß. Und dann noch Scheurebe. Will man das wirklich trinken?

Ja.

Gut, es gibt nachvollziehbare Gründe, Wein mit 24 Gramm Restzucker uninteressant zu finden. Viele Weinfreunde mögen trockene Weine, können aber auch edelsüße Spezialitäten aus hochreifen Trauben schätzen – Beerenauslese, Portwein, Tokay, alle mit großer Dichte und süßer Dessertnote. Was dazwischenliegt, ist leider allzu oft nicht Fisch nicht Fleisch, besitzt nicht den Charakter trockener Weine und nicht die Opulenz großer Süßweine.

Aber: Erinnern wir uns an die zauberhaften Kabinett-Rieslinge von der Mosel, deren beste Exemplare mit kaum acht Prozent Alkohol und vielleicht 35 Gramm Restsüße zu den feinsten Weinspezialitäten weltweit gehören können. Ergo: Ausnahmen von der Alles-oder-nichts-Regel sind möglich, wenn es gelingt, Leichtigkeit, Eleganz und Charakter zu bewahren.

Scheurebe: Eigentlich ein Absteiger

Die Scheurebe sitzt seit vielen Jahren in den Weinbergen eher auf absteigendem Ast. Gab es 1985 in Deutschland 4400 Hektar davon, so blieben bis 2023 nur 1500 Hektar übrig. Die Rebe, deren Weine häufig süß ausgebaut worden waren, ist dem Niedergang vieler anderer Neuzüchtungen gefolgt. Mit reizvollem Duft, der an besonders aromatischen Sauvignon Blanc erinnern kann, und mit feiner Säure ist das Kind Scheurebe jedoch zu Unrecht mit dem Bade ausgeschüttet worden. Sowohl trocken wie edelsüß kann diese Rebe feinste Qualitäten erbringen.

Andreas Grimm hat es fertiggebracht, die positiven Eigenschaften eines feinen Kabinettweins von der Mosel mit den brillant herausgearbeiteten Stärken der Scheurebe zu kombinieren. Das Ergebnis ist ein kristallklar nach schwarzen Johannisbeeren, Zitrusfrische und einem Hauch Honig duftender Wein mit wenig Alkohol, dessen leichte Süße und Säure geradezu über die Zunge perlen – unschlagbar als Aperitif.

Der Wein

2024 Scheurebe, Weingut Grimm, Schweigen-Rechtenbach, Telefon 06342/7106, Preis: 7,40 Euro

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt er alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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