Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weinlesefest: Ungeliebter Standort des Jahrmarktes wird aufgegeben

Wegen der Baustelle auf dem Bahnhofvorplatz ist der Jahrmarkt beim Weinlesefest in die Exterstraße gewechselt. Fürs nächste Jahr
Wegen der Baustelle auf dem Bahnhofvorplatz ist der Jahrmarkt beim Weinlesefest in die Exterstraße gewechselt. Fürs nächste Jahr soll es aber eine andere Lösung geben.

Martin Franck und Fabian Fuchs von der fürs Weinlesefest in Neustadt verantwortlichen TKS, erklären im Interview, dass sie an einem neuen Konzept für das Fest arbeiten.

Herr Franck, Herr Fuchs, der Modehändler Jochen Stahler hat nach dem Weinlesefest im vergangenen Jahr beklagt, dass Kunden das Parkhaus Hetzelgalerie gemieden hätten, weil sie dafür den Jahrmarkt in der Exterstraße queren mussten. Haben Sie für dieses Jahr eine andere Lösung gefunden?
Fuchs: Das Thema haben wir nach dem Fest im letzten Jahr mitgenommen. Es gab auch mehrere interne Sitzungen mit der Verkehrsabteilung. Ich habe auch mit Herrn Stahler gesprochen. Schlussendlich haben wir alles geprüft. Den Wunsch, die Einfahrt anders zu gestalten, können wir in diesem Jahr aber nicht erfüllen. Wir werden aber die Ausschilderung verbessern. Sie wird mit großen Wegweisern an den Ortseingängen beginnen. Das zieht sich dann in die Innenstadt, und in der Moltke- und Hohenzollernstraße wird noch mal auf die Parkhäuser Klemmhof und Hetzelgalerie hingewiesen. Wir werden den Geschäftsinhabern in der Exterstraße zudem Infomaterial zur Verfügung stellen, das sie an ihre Kunden rausgeben können.

Franck: Zur genauen Verkehrsführung werden wir vor dem Weinlesefest auch noch einmal informieren.

Haben Sie das Gefühl, dass die Geschäftsleute mit der Lösung leben können?
Fuchs: Wir hatten den Geschäftsleuten eine Gesprächsrunde angeboten, die leider nicht so gut besucht war. Wir haben dort für dieses Jahr noch einmal um Verständnis gebeten, fürs nächste Jahr arbeiten wir an einer anderen Lösung. Wir haben da keinen großen Gegenwind bekommen, sondern sind nur gebeten worden, ein paar Sachen anzupassen.

Franck: Wir versuchen ja bei all diesen Dingen, ständig im Gespräch zu bleiben und Anregungen aufzunehmen. Wenn dann aber zu einer Anwohnerversammlung, zu der alle geladen sind, nur drei Personen kommen, dann ist das natürlich ein bisschen enttäuschend. Aber, wie gesagt, wir werben um Verständnis, dass wir es dieses Jahr noch mal so machen und fürs nächste Jahr entwickeln wir neue Konzepte.

TKS-Geschäftsführer Martin Franck
TKS-Geschäftsführer Martin Franck

Was wird dann nächstes Jahr anders?
Fuchs: Der Jahrmarkt wird voraussichtlich nicht mehr in der Exterstraße stattfinden. Wir sind bestrebt, da eine andere Lösung zu finden. Ich kann Ihnen aber noch nicht konkret sagen, wie die aussehen wird. Wir werden da in die Prüfung gehen, wenn sich die Baustellensituation auf dem Bahnhofsvorplatz aufgelöst hat.

Das heißt, es wäre nicht ausgeschlossen, künftig zumindest einen Teil des Bahnhofsvorplatzes für den Jahrmarkt zu nutzen?
Franck: Die Fördermittel für den Umbau des Bahnhofsvorplatzes haben wir ja unter der Voraussetzung bekommen, dass der Busverkehr dort nicht beeinträchtigt wird. Insofern denken wir tatsächlich darüber nach, nur einen Teil des Bahnhofsvorplatzes zu nutzen. Aber das sind alles im Moment Überlegungen, die wir im Team anstellen. Klar ist auch: Die Festwiese kommt nicht infrage, weil sie nicht erschlossen ist. Andere Standorte prüfen wir genau. Uns gefällt die Exterstraße als Standort ja auch nicht so, dass wir sie die nächsten 30 Jahre bespielen möchten. Wir machen uns da wirklich Gedanken, auch über eine neue Gesamtkonzeption des Jahrmarkts.

Herr Stahler meint ja, den Jahrmarkt brauche es gar nicht. Das Besondere am Weinlesefest seien die Haiselscher und der Spiegelpalast. Wie sehen Sie das?
Franck: Ich konnte mir vor einigen Wochen auch noch vorstellen, dass man den Jahrmarkt zu einem anderen Zeitpunkt, nicht während des Weinlesefests, stattfinden lässt. Wir haben dann mit einigen Schaustellern gesprochen. Die haben uns gesagt, dass uns das viel Zeit und Aufwand kosten würde, um es bei den Schaustellern durchzusetzen. Die haben einen eng getakteten Zeitplan. Die sind erst auf dem Wurstmarkt, dann auf dem Weinlesefest, dann geht es nach Kaiserslautern und so weiter. Deshalb sind wir von dem Gedanken abgekommen, und der Jahrmarkt bleibt beim Weinlesefest.

Weinlesefest-Projektleiter Fabian Fuchs
Weinlesefest-Projektleiter Fabian Fuchs

Fuchs: Ich sehe das auch anders als Herr Stahler. Wir hatten in der Corona-Zeit ja mal ein abgespecktes Weinlesefest ohne Jahrmarkt. Aber am Ende fehlt was. Gerade für junge Familien, für Kinder. Das wirkt sich dann auch negativ auf die Haiselscher aus, weil dort Publikum wegfällt, wenn es für die Kinder keine Unterhaltung in der Nähe gibt. Ohne wird es nicht funktionieren. Und es soll ja ein Volksfest sein.

Wo sind Sie eigentlich am liebsten auf dem Weinlesefest?
Franck: Als Weinliebhaber bin ich in den Haiselschern und beim w.i.n.e.Festival. Ganz zum Ende gehe ich dann auch mal zu einem Schaumkussstand.

Fuchs: Als Projektleiter bin ich natürlich überall auf dem Fest unterwegs. Wenn ich mal privat da bin, bin ich auch meistens in den Haiselschern und zum Abschluss im Bon-Vivant-Spiegelpalast.

Können Sie das dann auch genießen oder haben Sie immer den Blick desjenigen, der für das Fest verantwortlich ist?
Franck: Wenn Sie verantwortlich sind, schauen Sie schon genau und hoffen auch immer, dass nichts passiert. Es gab ja so Fälle in Deutschland. Aber man kann trotzdem diese Feste genießen, ohne ständig das Gefühl zu haben, dass ein Damoklesschwert über einem schwebt.

Fuchs: Wenn ich meine eigene Veranstaltung nicht genießen könnte, hätte ich in meinem Berufsleben was falsch gemacht. Natürlich schaut man anders, wenn man irgendwo nur privat ist und mit der Veranstaltung nichts zu tun hat. Aber wir sind hier so ein eingespieltes Team, dass ich weiß, dass es läuft, auch wenn ich nicht da bin.

Also freuen Sie sich aufs Weinlesefest?
Beide gleichzeitig: Ja, absolut.

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