Rheinland-Pfalz
Vereitelter Überfall: Die Ermittler hatten es eilig
Erst drei Jahre ist es her, dass eine Erpresserbande zwei reiche Unternehmer aus der Region entführte und ermordete. Nun geht die Polizei davon aus, dass sie in Ludwigshafen wieder ein bedrohliches Komplott gegen einen Geschäftsmann aufgedeckt hat. Die Ermittler sagen: Sie mussten jetzt vor allem schnell sein.
Eilig haben es die hessischen Ermittler, als sie am Montag mit ihrem schwer bewaffneten Spezialeinsatzkommando (SEK) und rheinland-pfälzischen Kollegen in Ludwigshafen eine Wohnung stürmen. Denn sie wollen ein Verbrechen verhindern. Um was genau es dabei gehen soll, lassen sie zunächst allerdings offen: Ein Sprecher der für den Einsatz zuständigen Staatsanwaltschaft in Darmstadt spricht lediglich von einer „unklaren Gefährdungslage“. Einen Tag später legt er dann aber doch noch nach.
Die Polizei hatte einen Tipp bekommen
Demnach hatte die Polizei zuvor einen heißen Tipp bekommen: Täter wollten „einen Geschäftsmann aus dem Raum Südhessen“ überfallen und berauben. Was in der Pfalz Erinnerungen an eine Bande weckt, die vor ziemlich genau drei Jahren ihr Unwesen trieb. Damals wandte sich eine türkischstämmige Stuttgarterin an mehrere reiche Unternehmer in der Region, um ihnen scheinbar lukrative Immobiliengeschäfte vorzuschlagen. Doch eigentlich sollten die Männer überfallen, entführt und dann erpresst werden.
Dafür wollte die Lockvogel-Frau sie in einen Mannheimer Hinterhof-Schuppen lotsen. Denn dort lauerten zwei in der Pfalz lebende türkische Komplizen, deren Aufgabe: sich bewaffnet auf die Opfer stürzen und sie überwältigen. Was ihnen im November 2016 auch gelang, als ein im heutigen Kroatien geborener Automatenaufsteller aus dem badischen Brühl in diese Falle ging. Doch der 64-Jährige weigerte sich, Geld für seine Freilassung liefern zu lassen. Woraufhin die Täter ihn erdrosselten und bei Ludwigshafen abluden.
Der alte Fall liegt noch beim Bundesgerichtshof
Wenige Wochen später bargen Ermittler dann bei Bad Dürkheim die Leiche eines türkischen Bauunternehmers aus Ludwigshafen, der genauso umgebracht worden war – obwohl er etwa eine Million Euro beschafft hatte. Von ihrer Beute hatten die Täter allerdings nichts: Das Trio wurde wenig später geschnappt, weil ihm die Polizei schon vor dem zweiten Mord auf der Spur war. Und im September 2018 hat das Landgericht Frankenthal die beiden Männer und ihre Komplizin jeweils zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Ob es dabei bleibt, ist allerdings bis heute offen: Das Urteil liegt zur Überprüfung noch immer beim Bundesgerichtshof. Im neuen Fall hingegen muss die Justiz einstweilen nur Entscheidungen treffen, die noch nicht so schwer wiegen: zum Beispiel, ob zwei bei dem Einsatz in Ludwigshafen festgenommene Bosnier bis auf Weiteres hinter Gittern bleiben. Polizei und Staatsanwaltschaft sagen: Die Beamten haben Beweismaterial gefunden, das den Verdacht gegen die Beschuldigten – einen 40-Jährigen und einen 43-Jährigen – weiter erhärtet.
Die Ermittler haben Schusswaffen entdeckt
Sichergestellt wurden den offiziellen Angaben zufolge zum Beispiel zwei scharfe Schusswaffen. Schweigsam geben sich die Strafverfolger allerdings, wenn es um das potenzielle Opfer geht. Für sich behalten sie zum Beispiel, in welcher Branche dieser Mann seine Geschäfte macht. Oder woher der Tipp kam, der sie auf die Spur der Verdächtigen brachte. Ein Staatsanwalt erläutert: „Wir wollen ja niemanden gefährden.“ Offen bleibt einstweilen auch, wie sehr der mutmaßliche Tatplan dem Vorgehen der Unternehmer-Entführer ähnelt.
Die Ermittler wissen nach eigenen Angaben zum Beispiel selbst noch nicht, ob auch im neuen Fall ein Unternehmer wieder unter einem Vorwand in eine Falle gelockt und dort überwältigt werden sollte. Der Staatsanwalt sagt: „Das müssen wir alles erst noch herausfinden. Jetzt wollten wir vor allem schnell einschreiten – wir hatten es eilig.“