Reportage RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs mit Feuerwehr und Rettungsboot: Wie gefährlich ist Baden im Rhein?

Zweimal 100 PS – mit dieser Motorisierung ist das Mehrzweckboot der Feuerwehr Frankenthal auf dem Rhein unterwegs.
Zweimal 100 PS – mit dieser Motorisierung ist das Mehrzweckboot der Feuerwehr Frankenthal auf dem Rhein unterwegs.

Ein Sommerfreitag wie aus dem Bilderbuch: Auf dem Fluss sind Wasserskifahrer, Jetski-Piloten und große Lastenkähne unterwegs. Auf den Sandbänken sitzen Ausflügler, manche nehmen ein Bad. Dass der Rhein seine Tücken hat und wo die Gefahr besonders groß ist, erklären Fachleute der Feuerwehr Frankenthal bei einer Übungsrunde zwischen Worms und dem Landeshafen Nord.

Gute 30 Grad, strahlender Sonnenschein, blitzeblauer Himmel – das herrliche Sommerwetter lockt die Menschen am späten Freitagnachmittag auf und an – und manche auch in den Fluss. „Im Rhein zu baden – das ist so ziemlich das Gefährlichste, das es gibt“, sagt Christian Molis. Kinder, die auf den Sandbänken in der Nähe des Wassers spielen – das zu beobachten, treibt dem erfahrenen Bootsführer der Feuerwehr Frankenthal den Puls nach oben. Gegen die Strömung des Rheins sind selbst ausdauernde Schwimmer machtlos, in wenigen Momenten kann aus Freizeitspaß lebensgefährlicher Ernst werden.

Und dann kommt es auf jede Sekunde an. Hindernisse wie das acht- und ahnungslos direkt vor der Rampe am Landeshafen Nord abgestellte Wohnmobil, an dem Felix Wiens mit Anhänger und Boot nicht vorbeikommt, kann dann niemand brauchen. Thomas Bader, Leiter des Presseteams der Frankenthaler Wehr, geht am Uferweg auf die Suche nach dem Falschparker. „Bei gutem Wetter ist das kein Einzelfall“, berichtet er. Heute, wo nur eine Übungsrunde ansteht, ist die blockierte Zufahrt zum Rhein zwar kein Problem. Aber: „Wäre das jetzt ein Notfall, könnten wir nur machtlos zusehen.“

Jetski herausgefischt

Der Rheinabschnitt zwischen Landeshafen und Bobenheim-Roxheim, den die Frankenthaler mit dem vor einem guten Jahr in Dienst gestellten und damit noch recht neuen Mehrzweckboot „1/79/1“ betreuen, ist nicht ohne: Es gibt das Nebeneinander von Berufs- und Sportschifffahrt, zum Teil ist Wasserskifahren erlaubt und die Sandbänke sind beliebte Ausflugsziele. Wie tückisch die Wasserstraße in der Nähe der Neckar-Mündung sein kann, hat erst Ende Juni ein Jetski-Fahrer erfahren, der mit zwei Passagieren hintendrauf gekentert war und den die Feuerwehr in der Nähe der Autobahnbrücke aus dem Strom fischen konnte. „Glücklicherweise hatten alle Beteiligten Rettungswesten an“, erinnern sich die Feuerwehrleute.

Konzentrations- und Übungssache: Thomas Bader steuert zum Anlegen in Richtung eines Pfostens in Ufernähe.
Konzentrations- und Übungssache: Thomas Bader steuert zum Anlegen in Richtung eines Pfostens in Ufernähe.
Noch ein kleiner Schubs und das siebeneinhalb Meter lange Boot mit der Bezeichnung »1/79/1« gleitet vom Anhänger in den Strom.
Noch ein kleiner Schubs und das siebeneinhalb Meter lange Boot mit der Bezeichnung „1/79/1“ gleitet vom Anhänger in den Strom.
Warten bis die Rampe frei ist: das Gespann der Feuerwehr Frankenthal am Landeshafen Nord.
Warten bis die Rampe frei ist: das Gespann der Feuerwehr Frankenthal am Landeshafen Nord.

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Felix Wiens hat den Trailer schon ein gutes Stück ins Wasser geschoben, Gurte und Drahtseil sind gelöst. „Gib’ ihm noch einen kleinen Schubser“, sagt Christian Molis. Und schon gleitet das siebeneinhalb Meter lange und drei Meter breite Boot mit Thomas Bader am Steuerrad rückwärts in den Fluss. Der dirigiert es zum Einsteigen für die anderen wieder an die Schräge heran. Wiens übernimmt als Bootsführer. Und demonstriert eindrucksvoll, was die beiden jeweils 100 PS starken Außenborder leisten können: 50 bis 60 Stundenkilometer sind möglich – mit der Strömung. Flussaufwärts ist das Ganze etwas mühsamer, dafür kontrollierter. Rettungsmanöver wie „Mann über Bord“ werden deshalb grundsätzlich gegen den Strom gefahren.

Vorfahrt für die Großen

Gegenseitige Rücksichtnahme ist eins der wichtigsten Prinzipien auf dem Wasser. Abstand halten, so gut es geht, um entgegenkommende Boote nicht mit allzu viel Wellengang in die Bredouille zu bringen. Und sich der eigenen Größe und Wahrnehmbarkeit für andere immer bewusst bleiben. Christian Molis weist auf den vor der Steuerbrücke eines entgegenkommenden Frachters aufgestapelten Metallschrott: „Was glauben Sie, was der von uns oder einem noch kleineren Sportboot sieht?“ Ohne sein Radar, das beim Navigieren hilft: genau nichts. Deswegen haben Berufsschiffer auf der Wasserautobahn Rhein immer Vorfahrt.

Bremsen ist für die großen Kähne ohnehin keine Option. Bis ein Flusskreuzfahrtsdampfer oder ein Tanker zu Stehen käme, würde es Kilometer dauern, erläutert Thomas Bader, der in diesem Jahr seine Ausbildung zum Bootsführer gemeinsam mit elf weiteren Kollegen der Feuerwehr Frankenthal absolviert hat. Dass selbst „1/79/1“ ein paar Meter braucht, demonstriert Felix Wiens, indem er – mit Vorankündigung – bei vollem Tempo die Gashebel in die Nullstellung zieht. Das Boot saust mit Gurgeln unterm Bug noch einige Meter weiter.

Es geht nur mit viel Gefühl

Wie wenig das Steuern eines Boots mit dem Lenken eines Autos zu tun hat, zeigen die Feuerwehrleute beim Anlegen an einem Pfosten in Ufernähe. Was logisch und einfach klingt, nämlich Strömung und Abtrieb durch gefühlvolles Gasgeben und Gegenlenken zu nutzen, um sich seitlich dem Ziel zu nähern, ist in der Praxis ganz schön schwierig. Thomas Bader legt das Mehrzweckboot sanft an den Pfosten und hält es dort. Mit diesem Manöver könnte jetzt Material an Bord gebracht werden, Personen könnten zusteigen.

„Anspruchsvoll“ – so charakterisieren Wiens und Bader die Ausbildung. Sie und ihre Kollegen waren von März an jeden Samstag mehrere Stunden auf dem Rhein, um sich für den praktischen Teil der Bootsführerlizenz fitzumachen. „Bei jedem Wetter“, erzählt Bader – mal mit Sonnencreme, oft genug auch mit Gummizeug. Das sei vor allem für Ausbilder wie Christian Molis eine echte Strapaze gewesen. Zum geplanten Termin der Prüfung habe dann das Hochwasser zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Derzeit führt der Rhein wieder Niedrigwasser, was andere Herausforderungen mit sich bringt: Beobachtet von neugierigen Anglern und Spaziergängern, schippert das Feuerwehrboot zurück zur Rampe. Schon einige Meter, bevor der für bessere Stabilität mit drei Kielen ausgestattete Rumpf mit einem leisen Kratzen aufsetzt, hat Thomas Bader die Motoren leicht angehoben. Ein paar Minuten später sitzt „1/79/1“ wieder fest auf dem Anhänger. Feierabend.

Serie

Wenn der Pfälzerwald die grüne Lunge der Pfalz ist, dann ist der Rhein ihre Lebensader. Deutschlands längster Fluss prägt die Region und die Menschen seit Jahrtausenden: Er ist Biotop, Naherholungsgebiet, Nahrungsquelle und Wasserstraße in einem – eine echte Lebensader eben. Für unsere Serie möchten wir den Rhein sowie die Menschen, die mit ihm leben und arbeiten, porträtieren.

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