Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehr: Neues Mehrzweckboot absolviert Abstimmungsfahrten

Antonio Valverde (Mitte) von der Herstellerfirma gibt bei der Probefahrt Gas: Mehr als 32 Knoten schnell kann das Mehrzweckboot
Antonio Valverde (Mitte) von der Herstellerfirma gibt bei der Probefahrt Gas: Mehr als 32 Knoten schnell kann das Mehrzweckboot der Feuerwehr fahren. Das entspricht 60 Stundenkilometern.

Seit gut drei Monaten hat die Freiwillige Feuerwehr ein neues Mehrzweckboot. Das benötigen die Floriansjünger für Einsätze auf dem Rhein. Die RHEINPFALZ war dabei, als mit dem Hersteller technische Abstimmungen und Fahrübungen anstanden. Im Einsatz bewährt hat es sich schon.

Antonio Valverde gibt noch einmal kräftig Gas, bevor er kurz vor der Boje am Rheinufer 1 Fahrt rausnimmt und das 7,50 Meter lange und drei Meter breite Aluminiumboot in einem weiten Bogen zurück zum Ufer lenkt. Dann senkt sich der Bug und gleitet auf die ehemalige Nato-Rampe am Hofgut Petersau. Der Geschäftsführer von Lava Marine sieht zufrieden aus. Und Frank Böhmer, der kommissarische Leiter der Frankenthaler Feuerwehr, ist es auch.

Das Boot ist mit zwei Selva-Außenbordmotoren ausgestattet, die jeweils 100 PS leisten und das gute Stück auf bis zu 60 Stundenkilometer beschleunigen. Das entspricht mehr als 32 Knoten, wie es in der Schifffahrt korrekt heißt. „Auf dem Wasser ist das richtig schnell“, sagt Böhmer und grinst. Valverde setzt noch eins drauf: „Wir können bei vollem Lenkeinschlag immer noch 24 Knoten fahren.“ Das wären dann fast 45 Stundenkilometer – und das in einer Kurve auf dem Wasser.

Niedriger Tiefgang

Kein Vergleich zum alten Mehrzweckboot aus den 70er-Jahren, das wegen technischer Defekte ausgemustert werden musste. Der 130.000 Euro teure Nachfolger, der seine Blaulichter auf einem Metallbügel am Heck trägt, hat neben seiner hohen Geschwindigkeit im Einsatz weitere Vorzüge: Dank des niedrigen Tiefgangs könne man auch dann manövrieren, wenn nur noch 30 Zentimeter Wasser unter dem Boot seien, erläutert Böhmer. „Wir können damit dicht ans Ufer herankommen, etwa wenn andere Boote die Fahrrinne verlassen und sich festgefahren haben.“

Bei zwei Einsätzen in jüngster Zeit habe sich das bereits bewährt. Ende Juli brach auf einer Sportjacht, die auf dem Rhein unterwegs war, ein Brand aus. „Der Schiffsführer hat die Jacht vorsichtshalber aus der Fahrrinne gesteuert. Das Feuerlöschboot Metropolregion I der Berufsfeuerwehr Mannheim und die Wasserschutzpolizei sind irgendwann nicht weitergekommen – wir schon“, sagt Böhmer. Und als wenige Tage darauf eine Jacht auf dem Rhein auf Grund lief, war das Mehrzweckboot erneut gefordert.

Viel Platz für Material

Antonio Valverde, dessen Firma in Paderborn auf die Herstellung von Einsatzbooten für Behörden spezialisiert ist, nennt einen weiteren Vorteil: Weil es neben einem Mittelkiel noch zwei seitliche Kimmkiele hat, liege es stabiler auf dem Wasser als einkielige Konstruktionen. „Wenn auf dem Boot gearbeitet werden muss, ist das eine große Erleichterung“, sagt Valverde.

Die Frankenthaler Floriansjünger haben auch ein Rettungsboot aus Aluminium, auf dem sechs Personen Platz finden. Für Einsätze auf den umliegenden Badeseen ist das ausreichend. Wenn aber bei einer Havarie auf dem Rhein Schiffe zu evakuieren seien oder Lösch- und Reparaturmaterial dorthin zu transportieren sei, werde es eng, erklärt Frank Böhmer.

Auf dem Mehrzweckboot könne man etwa Pumpen zum Unglücksort bringen oder eine Tragkraftspritze installieren. Neben der dreiköpfigen Besatzung haben neun weitere Personen auf dem Boot Platz. Ein- und Ausstieg beziehungsweise das Beladen erfolgen über eine Bugklappe. Im Führerstand sind mehrere Funksysteme installiert, sodass die Einsatzkräfte gleichzeitig auf verschiedenen Kanälen mit dem Schiffsverkehr auf dem Rhein sowie den anderen Rettungsdiensten kommunizieren können.

Enge Zusammenarbeit

Mit einem Anhänger bringen die Feuerwehrleute ihr Mehrzweckboot zum Einsatzort. Frank Böhmer erklärt auch, was die Kennung „1/79/1“ bedeutet, die unterhalb der Reling auf einem feuerwehrroten Streifen prangt. So stehe die „1“ am Anfang für die Hauptfeuerwache in Frankenthal, die „79“ deutschlandweit für Mehrzweckboot und die „1“ am Ende für das Boot selbst. „Hätten wir ein zweites, würde das die ,2’ am Ende seiner Kennung tragen“, erläutert Böhmer. Doch ein solches brauche die Frankenthaler Wehr nicht. Dafür seien Notfälle auf ihrem Rheinabschnitt zu selten. „Dass jetzt innerhalb von wenigen Tagen gleich zwei Boote havariert sind, das ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Frank Böhmer.

Selbstverständlich sei dagegen die enge Zusammenarbeit auf dem Rhein mit den Feuerwehren der umliegenden Städte und Gemeinden sowie mit der Wasserschutzpolizei. „Unser Revier ist vielleicht nicht sehr groß, dafür haben wir bei Einsätzen oft mit Behörden aus drei Bundesländern zu tun“, beschreibt Böhmer das Besondere am Frankenthaler Rheinabschnitt. Zu den Aufgaben der Wehrleute dort gehörten auch Kontrollfahrten, etwa wenn irgendwo Öl ausgelaufen sei: „Dann nehmen wir Gewässerproben.“ Um die Boote bedienen zu können, haben 15 Einsatzkräfte der Frankenthaler Wehr in der Feuerwehrschule in Koblenz einen entsprechenden Führerschein gemacht.

Frank Böhmer (rechts), kommissarischer Leiter der Feuerwehr Frankenthal, öffnet die Bugklappe, über die das Boot bestiegen und b
Frank Böhmer (rechts), kommissarischer Leiter der Feuerwehr Frankenthal, öffnet die Bugklappe, über die das Boot bestiegen und beladen wird.
Mehr zum Thema
x