Kaiserslautern / Ramstein
Trump und die Westpfalz: Unsichere Zukunft für US-Militär
Bei Ralf Leßmeister, CDU-Landrat im Kreis Kaiserslautern, gaben sich kurz nach Amtsantritt von Donald Trump Journalisten aus aller Welt die Klinke in die Hand. Was befürchtet die Region angesichts der neuen Administrative, wollten sie wissen, gingen teilweise sogar von einer Schockstarre aus, in die die Westpfalz verfallen sein könnte. Danach führte sie ihr Weg ins rund 20 Kilometer entfernte Ramstein-Miesenbach, wo Leßmeisters Parteifreund Ralf Hechler Bürgermeister der Stadt und der Verbandsgemeinde ist.
Die Erwartungen erfüllen konnte weder der eine noch der andere. Im Westen nichts Neues, lautete ihre Antwort. Zwar hatten beide Kommunalpolitiker die irrlichternden politischen Aussagen des US-Präsidenten stets vor Augen, direkt ausgewirkt hatte sich das aber kaum. Truppenabzug, Nato-Austritt? Wie es weiterging, war offen, doch verwiesen Landrat und Bürgermeister in der Regel auf die erste Amtszeit Trumps, die die Region auch überstanden habe.
„Amis“ als Mieter
Wie die Region von der Air Base Ramstein und den Liegenschaften der US-Landstreitkräfte profitiert, machte Leßmeister gegenüber den Journalisten oft mit einem Zahlenbeispiel deutlich. Über eine Milliarde Dollar flößen jährlich in die Region, in den Wohnungsmarkt, Hotellerie und Gastronomie, die Wirtschaft insgesamt. Und das alles ohne die aktuell gewaltige Investition in das neue Militärkrankenhaus bei Weilerbach. Auch Infrastruktur, wie einige Zufahrtsstraßen, Schwimmbäder, manche Kitas, seien außer auf die deutsche Bevölkerung auf die US-Nachbarn ausgelegt. Leßmeister erzählte gern davon, wie er in einem Dorf im Landkreis groß geworden sei, über sich die amerikanischen Mieter im ersten Stock des Elternhauses.
Auch Infrastruktur, wie einige Zufahrtsstraßen, Schwimmbäder, manche Kitas, seien außer auf die deutsche Bevölkerung auf die US-Nachbarn ausgelegt.
Dass beispielsweise die Air Base Ramstein als größter US-Militärflughafen außerhalb der Vereinigten Staaten und zentrale Drehscheibe für ihre Transporte in Europa, Afrika und einen Teil Asiens aufgegeben werden könnte, glaubten Leßmeister und Hechler nicht. Trotzdem denken sie durchaus über die Frage nach, ob es bei einem Nato-Austritt noch angebracht wäre, den USA weiterhin 1400 Hektar Fläche zu überlassen. Doch wusste der Landrat nur allzu gut, wie schwierig es wäre, sie für zivile Zwecke zu nutzen, wobei vorhandene Altlasten nur ein Meilenstein auf dem langen Weg der Konversion wären.
Erstmal erstaunt
Dennis Frasch war einer jener Journalisten, die die Lage in der Westpfalz in Augenschein nehmen wollten. Er schreibt für die Sonntagsausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“. Es war sein erster Besuch in Stadt und Landkreis Kaiserslautern, wie so viele vor ihm war er erstaunt über die augenscheinliche Präsenz des US-Militärs. 50.000 Menschen zählte die Kaiserslautern Military Community, gut 200.000 Einwohner zählen Stadt und Landkreis auf deutscher Seite.
Auch Frasch musste darüber aufgeklärt werden, dass es eine schlechte Idee wäre, einfach mal direkt an der Air Base Ramstein zu fotografieren. Der Tipp Aussichtspunkt „Herrengärtchen“ in Landstuhl mit bestem Blick auf das Gelände tröstete ihn aber darüber hinweg. In einer Ramsteiner Gaststätte kam er mit der Bedienung, im Hauptberuf Grundschullehrerin, ins Gespräch. Sie berichtete von gut 40 Prozent US-Gästen, davon, wie man die beliebtesten Sprüche schnell auf Englisch drauf hat, dass es aber dann doch keine Übersetzung für Saumagen gibt.
Auch Frasch muss darüber aufgeklärt werden, dass es eine schlechte Idee wäre, einfach mal direkt an der Air Base Ramstein zu fotografieren.
Soldaten musizieren
Als im Ramsteiner Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz (DCR) die erste Sonderausstellung für 2025 eröffnet wurde, war der Schweizer Journalist schon wieder weg. Die Schau war eine Leihgabe des Alliiertenmuseums in Berlin, das Thema: 77 Jahre Berliner Luftbrücke, zusammengefasst mit dem Begriff Rosinenbomber. Den lokalen Bezug hatte DCR-Mitarbeiterin Claudia Gross ergänzt. Kurz nach der Blockade Westberlins durch die Sowjetunion im Mai 1948 wurde das 86. US-Jagdbombergeschwader gegründet, um die Transportflüge zu schützen. 1952 wurde es nach Ramstein verlegt und später zum 86. Lufttransportgeschwader, heute noch der Hausherr auf der Air Base.
Die musikalische Begleitung der Vernissage lag bei den US-Luftwaffenangehörigen Brett Kirby und Alberto Cosano, zwei Mitgliedern der USAFE-Band. Die Band und das Orchester der US-Army sorgen stets für ausverkaufte Häuser bei Gastkonzerten in Stadt und Landkreis Kaiserslautern.
Erstmals mit Baumholder
Die Eröffnung übernahm Marcus Klein, Beigeordneter der Verbandsgemeinde, Landtagsabgeordneter und dort parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Er sprach davon, dass gerade viele Westpfälzer morgens als Erstes aufs Mobiltelefon schauten, um zu prüfen, welche Kapriolen der US-Präsident am Vortag wieder geschlagen hat. Doch er sprach ebenso von der tiefverwurzelten Freundschaft, der Trump nichts anhaben könne.
Zum ersten Mal im DCR zu Gast war Bernd Alsfasser (FW), Bürgermeister der nahen Verbandsgemeinde Baumholder im Kreis Birkenfeld, wo kurz vorher 80 Jahre deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert wurden. Ab 2026 soll sich dort die Anzahl der Soldaten, ihrer Angehörigen und weiterer Zivilisten von 8000 auf 10.000 erhöhen. Es sei wie immer, berichtete Alsfasser und fügte an: „Wir müssen alles hier vor Ort so gut wie möglich gestalten“, zumal niemand den US-Präsidenten ändern könne. Daher stand die Bürgermeister-Dienstbesprechung im April 2025, an der auch Kollegen aus dem Kreis Kusel teilnahmen, ganz im Zeichen der 200 bis 300 Wohneinheiten, die die US-Army zusätzlich außerhalb ihrer Liegenschaft benötigt.
Weniger Übernachtungen
Auf eher kurzzeitige Aufenthalte von US-Soldaten, ihrer Angehörigen und Zivilisten ist die Hotellerie in der Region eingestellt. Dort wird bei Besuchen übernachtet, wenn Soldaten noch keine eigene Wohnung beziehen können oder vor der Heimkehr in die Staaten ihre Mietwohnung schon verlassen mussten. Betriebe in Stadt und Landkreis Kaiserslautern verzeichneten Anfang 2025 weniger Buchungen, obwohl auf der Air Base alles wie immer lief. Vermutet wurde, dass der Sparkurs Trumps sich indirekt auswirkte. Derweil demonstrierten deutsche Zivilbeschäftigte bei den Streitkräften während der laufenden Tarifverhandlungen nicht nur für mehr Gehalt, sondern auch dagegen, dass Trump Homeoffice untersagt hatte und das Personal um bis zu acht Prozent reduzieren wollte.
Land: Spekulieren nicht
Im Februar 2025 hatte Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) die Air Base Ramstein und das dort ansässige Nato-Hauptquartier besucht und sich mit General James Hecker, Befehlshaber der US-Luftwaffe in Europa und Afrika, getroffen. Ziel waren laut Staatskanzlei „der persönliche Austausch und die Vertiefung der langjährigen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Rheinland-Pfalz und den US- und Nato-Streitkräften“.
Von den 65.000 US-Soldaten, die fest in Europa stationiert sind, entfallen rund 35.000 auf Deutschland und davon mindestens 15.000 auf Rheinland-Pfalz. Zuständig für das Thema ist das rheinland-pfälzische Innenministerium. „Bislang können aus den Äußerungen der US-Administration und den vielen im Umlauf befindlichen Gerüchten zu einem US-Abzug noch keine konkreten Auswirkungen auf rheinland-pfälzische Standorte abgeleitet werden“, hieß es auf Anfrage. Es bliebe daher abzuwarten und genau zu beobachten, „ob und wie sich die USA und die Nato-Partner zukünftig äußern und positionieren werden“.
„Verfolgen eigene Interessen“
Allerdings verfolge die US-Regierung mit ihren Streitkräften in Europa von jeher eigene geostrategische Interessen. Folglich dienten die Standorte nicht ausschließlich dem Schutz Europas, sondern seien vor allem Teil der globalen US-Präsenz. Rheinland-Pfalz als Standort genieße „einen äußerst guten Ruf“ bei den Ansprechpartnern in Washington, hieß es aus dem Innenministerium. „Aus diesem Grund beteiligt sich die Landesregierung bewusst nicht an Spekulationen, sondern pflegt die bestehenden Kontakte weiter und setzt die fachliche Zusammenarbeit vor Ort fort.“

