Kaiserslautern / Landau
Trotz Überfüllung: Warum nicht überall Zusatzbusse fahren
Komplett überfüllt, keine Möglichkeit, Abstand zu halten, noch dazu setzt niemand die Maskenpflicht durch. So schildert Eva-Maria Gruber die Zustände im Schulbus, der ihre Tochter täglich aus Heltersberg (Kreis Südwestpfalz) in ein Kaiserslauterer Gymnasium bringt. Seit Beginn des Schuljahres seien auf der Strecke keine Verstärkerbusse mehr unterwegs, die während der Pandemie die Ansteckungsgefahr auf dem Schulweg gering halten sollen. Von der Schule habe Gruber die Antwort erhalten, die Zusatzbusse würden nicht mehr finanziert.
Laut dem Landesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität stimmt das nicht unbedingt.
Das Programm „Verstärkerbusse im Schülerverkehr“ läuft bis Ende Juli 2023 und sieht vor, dass das Land 90 Prozent der Kosten für zusätzliche Schulbusse übernimmt. Den Rest müssen die Landkreise oder kreisfreien Städte selbst zahlen. Voraussetzung für die Förderung ist seit dem Ende der Herbstferien eine landesweite Inzidenz von 75 oder mehr. Seit die Inzidenzen im Herbst wieder über diese Grenze gestiegen sind, sind laut einem Sprecher des Ministeriums nicht weniger Busse im Einsatz als während der hohen Inzidenzen im Frühjahr. Damals seien es 250 zusätzliche Fahrzeuge gewesen.
Westpfalz: Keine weiteren Busse notwendig
In Heltersberg gibt es jemanden, der zusätzliche Schulbusse zur Verfügung stellen würde, aber niemanden findet, der ihn dafür bezahlt. „Ich wurde von vielen Eltern auf die Problematik angesprochen“, sagt Busunternehmer Benjamin Gerhard Sulkowski. „Beim Kreis und bei der Stadt stößt man aber auf taube Ohren.“ Ihm habe man gesagt, die Busse, die bei der DB Regio bestellt sind, würden ausreichen.
Eine Sprecherin der Stadtverwaltung erklärt das Fehlen von Ersatzbussen auf der Linie über Heltersberg nach Kaiserslautern so: Von den drei Bussen, die morgens dort unterwegs sind, sei nur der dritte, der um 7.43 Uhr am Kaiserslauterer Hauptbahnhof ankommt, überfüllt. Im ersten, der rund eine halbe Stunde früher fährt, gebe es noch Kapazitäten, der zweite fülle sich erst ab Trippstadt. Daher sei aus Sicht der Stadt und der DB Regio kein Zusatzbus notwendig, da die Schüler auch den ersten Bus um kurz nach 7 Uhr nehmen könnten.
Auf vier anderen Linien im Kreis- und Stadtgebiet waren nach Angaben der Stadtverwaltung ab April zusätzliche Busse unterwegs. Dafür kamen bis zu den Sommerferien Kosten von knapp 60.000 Euro zusammen, die zu 90 Prozent vom Land übernommen wurden. Ohne eine solche Förderung des Landes sei ein solches Angebot nicht möglich, so die Sprecherin.
Südpfalz: Kritik am Land
Die Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße sowie die Stadt Landau hatten dagegen im Oktober bekannt gegeben, die Verstärkerbusse unabhängig von der Inzidenz weiterzuführen und die Kosten bei niedrigen Inzidenzen selbst zu tragen. Wegen des Anstiegs der Infektionszahlen war dies allerdings nur in den ersten Tagen nach den Herbstferien tatsächlich notwendig. Fritz Brechtel (CDU), Landrat des Kreises Germersheim, und Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) kritisieren die Kopplung der Förderung an die Inzidenz. „Das ist in der Praxis nicht umsetzbar. Schließlich benötigen Busunternehmen Planungssicherheit“, teilt Brechtel mit.
Laut einer Sprecherin des Kreises Südliche Weinstraße fallen für die sieben zusätzlichen Schulbusse und die größeren Busse, die zum Teil andere Fahrzeuge ersetzen, aktuell Kosten von 3400 Euro pro Schultag an. Ohne die Unterstützung des Landes würden auf den Kreis bis zu den Weihnachtsferien weitere Kosten in Höhe von 120.000 Euro zukommen.