Pfalz
Sauer auf Pfalzwein-Verein: Landräte und Oberbürgermeister kämpfen für die Königin
Nein, es ist kein Sommerloch-Thema. Es ist ein Thema, das die Menschen in der Pfalz mitten ins Herz trifft. Und zwar unabhängig davon, ob nun gerade Sommerferien sind oder Schnee vom Himmel fällt. Die Gebietsweinwerbung Pfalzwein hatte vergangene Woche angekündigt, die Pfälzische Weinkönigin nach 93 Jahren in Rente zu schicken. Stattdessen sollen „PfalzWeinBotschafter“ bei Weinmessen, Weinfesten und Präsentationen für den Wein des zweitgrößten deutschen Weinbaugebiets werben. Botschafterinnen und Botschafter, um genau zu sein, denn man will ausdrücklich auch Männern eine Chance geben. Die Krone soll dabei nur noch bei besonderen Anlässen getragen werden – dann aber nur von den Frauen. Ein Mann mit Krone sei nicht denkbar, heißt es von der Pfalzwein-Werbung.
Nun ist es aber so, dass der Verein diese weitreichende Entscheidung getroffen hat, ohne dass ausreichend über die Botschafter-Frage diskutiert worden wäre – so sehen das jedenfalls Marc Weigel (FWG), Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) und Dietmar Seefeldt (CDU). Sie sind als Oberbürgermeister von Neustadt und Landräte der Kreise Bad Dürkheim und Südliche Weinstraße im 15-köpfigen Vorstandsteam des Vereins Pfalzwein vertreten. Das ist in der 2020 verabschiedeten Satzung so festgeschrieben worden.
Die Vorstandsmitglieder Weigel, Ihlenfeld und Seefeldt haben sich sehr darüber geärgert, dass der Verein Pfalzwein eine derart weitreichende Änderung wie die Abschaffung der Weinkönigin einfach „durchgedrückt“ habe. Solch eine Veränderung hätte sich in einem Prozess ergeben müssen, findet Seefeldt: „So eine Entscheidung trifft man nicht in einer Sitzung.“
Der Terminkalender war zu voll
Die drei Kommunalpolitiker konnten vorvergangene Woche weder bei der Vorstands- noch bei der anschließenden Mitgliederversammlung des Vereins teilnehmen. Grund: Der Tag war proppenvoll mit Terminen, wie Ihlenfeld berichtet: „An dem Tag war die Verabschiedung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer, eine Landräte-Konferenz in Mainz-Finthen und der Parlamentarische Abend der Kommunalen Spitzenverbände“ – anders gesagt: Termine, die man nicht für eine Vereinsversammlung sausen lassen kann, zumal in der Tagesordnung lediglich vermerkt gewesen sei, dass das Thema „Zukunft der Weinhoheiten“ behandelt werden solle – ohne, dass es dazu entsprechende Unterlagen gab. Landrat Seefeldt findet: „Das Thema hätte man auf breitere Füße stellen müssen, etwa zuvor schon in einer Mitgliederversammlung besprechen müssen.“ Es sei „völlig daneben“, dass die drei Politiker erst nachträglich in einer Videokonferenz über die Entscheidung zum Aus für die Weinkönigin informiert worden sei.
Politiker vermissen Rücksichtnahme
Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz hatte gegenüber der RHEINPFALZ gesagt, der Versammlungstermin sei bekannt gewesen, die Politiker hätten ja kommen können. Neustadts Oberbürgermeister Weigel findet diese Aussage nicht besonders wertschätzend, zumal Politiker wie er in 30, 40 Gremien vertreten seien: „Man nimmt in der Regel Rücksicht bei der Terminkoordination“, berichtet er von Versammlungen in anderen Gremien. Wenn man wolle, dass die Vorstandsmitglieder bei Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen anwesend sein können, müsse man vorher eine Terminabfrage machen: „Geht ganz einfach über Doodle.“ Weigel lässt durchblicken, dass die Vorstellungen von Pfalzwein-Geschäftsführer Joseph Greilinger und Pfalzwein-Vorsitzendem Boris Kranz und ihm hinsichtlich der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Umgangs miteinander auseinandergehen würden, frei nach dem Motto: „Pech, wenn die Politiker keine Zeit haben.“
Das Miteinander-Reden wird nun nachgeholt: Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz kündigte im RHEINPFALZ-Gespräch an, dass er und die Vertreter der Pfalzwein erkannt hätten, dass ein Gespräch nötig sei, um den Werdegang der Botschafter-Entscheidung aufzuzeigen. Dieses Treffen ist für kommende Woche anberaumt. Die Kommunalpolitiker Seefeldt, Ihlenfeld und Weigel machen von diesem Termin viel abhängig: Sollte der Verein Pfalzwein die Entscheidung, auf Botschafter und Botschafterinnen statt auf Königinnen zu setzen, nicht rückgängig machen, wollen sie ihre Vorstandsämter ruhen lassen, kündigen sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ an. (Dabei soll der männliche Bewerber für dieses Jahr freilich im Rennen bleiben – mit welchem Titel auch immer.)
Ist das Erpressung?
Ist das Erpressung? „Nein“, widerspricht Dürkheims Landrat Ihlenfeld: „Wir wollen niemanden erpressen. Aber das ist die konsequente Folge, weil wir sagen: Das ist eine wichtige Entscheidung, in die wir hätten miteinbezogen werden sollen.“ Neustadts Oberbürgermeister Weigel sagt: „Nein, das ist keine Erpressung. Ich habe schon im März überlegt, ob ich das Amt niederlege.“ Seinerzeit sei die geschlechterneutrale Ausschreibung der Weinhoheit erfolgt – die Weigel nicht gut findet, mit der Ihlenfeld und Seefeldt aber keine Probleme haben.
Bleibt noch die Frage, was es in der Praxis bedeutet, wenn drei von 15 Vorstandsmitgliedern den Bettel hinwerfen? Offenbar nicht viel – wenn man den Worten von Weigel und Ihlenfeld folgt: „Keiner kann uns zwingen, irgendwo mitzumachen“, stellt Ihlenfeld klar. Als die Satzung der Pfalzwein 2020 verabschiedet wurde, sei festgehalten worden, dass die drei Politiker von der Weinstraße im Vorstand sitzen und auch ein Stimmrecht haben sollen. Aber, findet Weigel: „Ich kann nicht für Dinge gerade stehen, wenn ich keine Gelegenheit zur Meinungsbildung und zur Diskussion habe.“ Die drei seien zwar als Gebietsrepräsentanten der Weinstraße „geborene Mitglieder“ im Vorstand, aber, stellt Weigel klar: „Von uns hat sich niemand aufgedrängt.“ Vielmehr handle es sich um eine „einseitige Festlegung“ der Pfalzwein, wie es sie im Übrigen auch bei anderen Vereinen gebe, wo er qua Oberbürgermeister-Amt im Vorstand sitze. Weigel ist sich sicher: „Da passiert nichts, wenn man die Vorstandsämter ruhen lässt.“

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