Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel So kam es zum Aus für die Pfälzische Weinkönigin

 Bei der Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin im Jahr 2022 wird Lea Baßler von ihrer Vorgängerin Sophia Hanke gekrönt. Künftig setzt
Bei der Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin im Jahr 2022 wird Lea Baßler von ihrer Vorgängerin Sophia Hanke gekrönt. Künftig setzt die Pfalzwein-Werbung auf Botschafterinnen statt auf Königinnen.

Die Pfalzwein-Werbung setzt künftig auf Weinbotschafter statt auf Pfälzische Weinköniginnen. Das sorgt an der Weinstraße für Unmut. Der Verein verteidigt seine Entscheidung. Doch kann eine Botschafterin auch Deutsche Weinkönigin werden? Und steht Neustadt als Austragungsort für die Wahl gar auf der Kippe?

Der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) ist für gewöhnlich ein Mann der abwägenden Worte. Doch er ist mächtig sauer – und zwar über die Entscheidung der Pfalzwein-Werbung, die Weinkönigin abzuschaffen und stattdessen künftig auf Weinbotschafter und Weinbotschafterinnen zu setzen. „Ich halte die Entscheidung der Pfalzwein für einen historischen Fehler und ich ärgere mich sehr darüber.“ Weigel missfällt auch, dass sich der Verein Pfalzwein gegenüber Neustadt als „Wahl- und Krönungsstätte und als jahrzehntelangem Mitveranstalter“ sowohl in Sachen Entscheidungsfindung als auch in Sachen Kommunikation „instinkt- und respektlos“ verhalten habe. Überdies hält er es für falsch, auch Männer zur Wahl zuzulassen: „Dies wird zur Zerstörung einer fast 93 Jahre alten Tradition führen“, sagt Weigel, der wie andere Kommunalpolitiker am Montag vom Verein Pfalzwein in einer Videoschalte über die Änderungen informiert worden ist.

Auch Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), Landrat des Kreises Bad Dürkheim, der als kommunaler Vertreter im Vorstand der Pfalzwein ist, ist unglücklich über das Agieren der Gebietsweinwerbung: „Das ist zu sehr mit heißer Nadel gestrickt“, findet Ihlenfeld. Zwar habe es in einer der Vorstandssitzungen eine Diskussion über die geschlechterneutrale Ausschreibung des Amtes gegeben, aber dass man sich vom Titel Pfälzische Weinkönigin trennen wolle, sei nicht Thema gewesen: „Die Umbenennung hat mich kalt erwischt.“

Kann ein Mann den Wein repräsentieren?

Für Ihlenfeld ist es in Ordnung, dass ein Mann – nun ja – Pfälzischer Weinkönig werden könne. Aber: „Der Ausdruck Botschafter ist beliebig“, findet er. Zu sehr erinnere es an die Kultur- und Weinbotschafter, die in der Pfalz Führungen anbieten, aber eben keine Weinhoheiten sind. Ihlenfeld sagt, er habe bei der Mitgliederversammlung der Pfalzwein vergangene Woche terminbedingt nicht teilnehmen können, aber aus der Tagesordnung sei nicht hervorgegangen, dass es beim Punkt „Zukunft der Weinhoheiten“ um derart weitreichende Dinge gehen soll.

Ein Grund für das, was Ihlenfeld „mit heißer Nadel gestrickt“ nennt, könnte sein, dass die geschlechterneutrale Ausschreibung für den neuen Job von Erfolg gekrönt war: Denn neben vier Frauen hat sich eben auch ein Mann für das Amt beworben. Und der steht nun – nach einem Jury-Vorentscheid – als einer von drei Kandidaten für die Repräsentanten-Wahl im Oktober fest.

Verein Pfalzwein will sich modern aufstellen

Der Verein Pfalzwein will sich insgesamt moderner aufstellen – da ist die Königinnen-Frage nur ein Aspekt von vielen. „Wir haben einen Transformationsprozess angestoßen“, sagt Boris Kranz, Winzer aus Ilbesheim (Südliche Weinstraße) und ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins. Seit drei Jahren befinde man sich in einem „Strategieprozess“ und habe im vergangenen Jahr beispielsweise den Markenauftritt neu gestaltet. „Wir machen Fachpräsentationen außerhalb der Pfalz, wir fahren in den Zielregionen Kampagnen und wir haben den Wettbewerb ,Die Junge Pfalz’ neu aufgesetzt“, nennt Kranz Beispiele für die Umtriebigkeit des Vereins.

Doch wie ist die Entscheidung, künftig auf Botschafter statt auf Königinnen zu setzen, überhaupt zustande gekommen? Kranz sagt, der Vorstand habe im Frühjahr beschlossen, dass die Ausschreibung in diesem Jahr geschlechterneutral erfolgen soll. Vier Frauen und ein Mann hätten sich beworben, nach einer Jury-Entscheidung seien dann der Mann und zwei Frauen als Kandidaten für die Wahl der „PfalzWeinBotschafter“ im Oktober benannt worden.

Sowohl der Vorstand als auch die von 40 bis 50 Menschen besuchte Mitgliederversammlung vergangene Woche hätten den Wandel begrüßt: „Es gab keine Widersprüche, keine Lagerbildung. Es war eine einhellige Meinung“, sagt Kranz. Förmlich abgestimmt worden sei nicht, denn das Ansinnen sei „sehr positiv“ aufgenommen und als Schritt in die Zukunft gewertet worden. Nach der Mitgliederversammlung habe man die Politiker informiert.

Eine Krone für einen Mann? Eher nicht

Kranz geht es um Ernsthaftigkeit in der Diskussion: In dem Moment, in dem man die Bewerbung von Männern zulasse, müsse man auf die Krone verzichten, findet er. Einem Mann eine Krone aufzusetzen, passe nicht: „Wir brauchen keinen Karnevalsprinzen.“ Im Übrigen soll die Krone für die Botschafterinnen nicht ganz verschwinden, sie soll weiter überreicht und bei besonderen Anlässen getragen werden. Der Vorsitzende des Vereins Pfalzwein sieht die Änderung nicht als „Abschaffung“ der Weinkönigin, sondern als „Umbenennung“ des Amtes: „So mutig wie die Pfalz ist niemand vorangegangen. Es ist unser Ansporn, das mit gewissen Konsequenzen durchzuziehen.“ Die Wertschätzung für amtierende und ehemalige Hoheiten solle mit dem Wandel freilich nicht geschmälert werden.

Was sagt das Deutsche Weininstitut?

Monika Reule ist Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts, dessen Aufgabe es ist, im In- und Ausland für Wein aus den 13 deutschen Anbaugebieten zu werben. Zudem organisiert das Institut jährlich die Wahl der Deutschein Weinkönigin, die traditionell in Neustadt über die Bühne geht. Reule sagt, sie sei von der Entscheidung der Pfalzwein „überrascht“ worden: „Wir waren nicht einbezogen.“ Mit der Begrifflichkeit „Botschafter“ habe sie Probleme: „Ich finde es persönlich nicht gut, denn der Begriff Botschafter oder Botschafterin ist austauschbar.“

Die Furcht, dass Neustadt an der Weinstraße künftig nicht mehr als Austragungsort für die Wahl der Deutschen Weinkönigin dienen könnte, will die DWI-Vertreterin allerdings nehmen: „Davor muss keiner Angst haben. Wir werden Neustadt weiter treu bleiben“, sagt Reule. Es gebe schließlich einen Zehn-Jahres-Vertrag.

Können Botschafterinnen doch noch zu Königinnen werden?

Zwar hat das breite Publikum es mangels Bewerbern noch nicht mitbekommen, aber auch das Deutsche Weininstitut ist offen für Männer. „Natürlich gibt es auch qualifizierte Männer“, sagt Reule. Das DWI habe deswegen die Richtlinien dahingehend geändert, dass diese auch zur Wahl der Deutschen Weinkönigin (oder eben des -königs) zugelassen werden. Allerdings hätten die 13 Weinanbaugebiete bislang keinen Mann nominiert. „Wenn uns ein Gebiet einen Mann melden würde, würden wir uns freuen“, versichert Reule. Und noch eine Pfälzer Furcht will die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts nehmen: Selbst wenn die Pfalz künftig Botschafterinnen und Botschafter und keine Königinnen mehr hat, sei das für die Wahl zur Deutschen Weinkönigin kein Ausschlusskriterium: Auch Weinbotschafter (m/w) würden zur Wahl zugelassen. Schließlich gehe es darum, dass die Anbaugebiete eine „Gebietshoheit“ meldeten, die sie bei der Wahl vertritt: „Botschafter würden wir darunter subsumieren.“

Bei der Frage nach der Krone sieht Reule zwei Seiten: „Wenn die Deutsche Weinkönigin mit der Krone auf dem Kopf irgendwo steht, erregt das Aufmerksamkeit.“ Gleichzeitig wolle sie aber auch niemanden zwingen, eine Krone zu tragen. Und, sagt Reule, und sieht sich damit auf einer Linie mit Boris Kranz aus der Südpfalz: „Wir werden einem Mann bestimmt keine Krone aufsetzen.“

Stichwort

Der Verein Pfalzwein wird von allen Winzern in der Pfalz finanziert: Nach einem Gesetz bezahlen sie 77 Euro pro Hektar, aus denen sich die Gebietsweinwerbung finanziert, erklärt Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz. Allerdings ist nur ein geringer Teil der Bezahlenden auch Mitglied im Verein: Es gibt nur insgesamt 130 Pfalzwein-Mitglieder – dabei handelt es sich um Verbandsvertreter, Landkreise und Winzer, die dann jeweils einen Mitgliedsbeitrag zahlen (100 oder 250 Euro). Einige zählen als „geborene Vollmitglieder“, andere als „geborene Fördermitglieder“ – wer mehr erfahren will, kann sich in die im Internet veröffentlichte Satzung vertiefen.
Die Entscheidung der Pfalzwein hat viel Kritik hervorgerufen: etwa in Raum Bad Dürkheim und Neustadt
Was die ehemalige Deutsche Weinkönigin Julia Klöckner zu der Debatte sagt, lesen Sie hier

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