Rheinland-Pfalz
Südpfälzer Islamist chattete mit jungen Möchtegern-Terroristen
Wegen islamistischer Umtriebe muss sich ein Südpfälzer vor einer Staatsschutzkammer des Landgerichts in Zweibrücken verantworten. Dort kam am Mittwoch heraus: Er hatte Kontakt zu dem gescheiterten Ludwigshafener Weihnachtsmarkt-Attentäter und weiteren jungen Möchtegern-Terroristen.
Einen üblen Ruf als Islamist hat sich der langbärtige Familienvater aus dem Kreis Germersheim schon erarbeitet, als im Mai 2018 die Polizei bei ihm zur Hausdurchsuchung anrückt. Offiziell allerdings gilt der deutsche Staatsbürger mit türkischen Vorfahren in diesem Moment nicht als Beschuldigter, sondern nur als Zeuge. Doch in einen hochbrisanten Fall ist er trotzdem verstrickt: das „Verfahren Wunderkerze“, die Ermittlungen rund um den damals Zwölfjährigen, der Ende 2016 mit einem Attentatsversuch auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt gescheitert war.
Der Sohn aus dem Irak eingewanderter Eltern zog damals mehrfach los, um zwischen den Buden einen Selbstmordanschlag zu begehen. Nichts passiert ist seinen eigenen Angaben zufolge nur, weil sein Eigenbau-Sprengsatz nicht zündete. Und weil er noch so jung war, durfte er für seinen Attentatsversuch auch nicht bestraft werden. Die Behörden konnten ihn anschließend lediglich an einem geheim gehaltenen Ort verstecken, um ihn dort unter Kontrolle zu halten und rund um die Uhr pädagogisch betreuen zu lassen.
Ein Prozess in Österreich
Die Justiz hat sein Fall trotzdem intensiv beschäftigt, allerdings vor allem in Österreich. Denn dort verurteilten Richter im Frühjahr 2018 einen 19-jährigen Wiener als Anstifter des Ludwigshafener Attentatsversuchs zu neun Jahren Haft. So lange büßen muss er, weil er mit dem Zwölfjährigen im Internet gechattet und ihn in seinen Plänen bestärkt hatte. Nach RHEINPFALZ-Informationen tummelten sich die beiden in einer Internet-Gruppe, die sich „Muslim Task Force“ nannte. Und in der tauchte noch ein junger Möchtegern-Terrorist auf.
Kevin T. aus Neuss schmiedete ebenfalls Anschlagspläne – zeitweise gemeinsam mit dem Wiener: Die beiden dachten zum Beispiel an ein Attentat in Ramstein, bastelten gemeinsam Sprengsätze. Der damals 22-jährige Rheinländer wurde deshalb im Sommer 2018 am Ende eines nicht-öffentlich geführten Prozesses zu gut drei Jahren Haft verurteilt. Anderen Verdächtigen hingegen spüren Ermittler bis heute nach. Das gilt vor allem für einen mysteriösen Mann mit dem Kampfnamen „Mujahid“, was sich in etwa mit „Gotteskrieger“ übersetzen lässt.
Suche nach dem Terror-Paten
Denn er spricht perfekt Deutsch, soll im syrisch-irakischen Kriegsgebiet gelebt und zur mittleren Führungsebene der islamistischen Terrorbande IS gehört haben. Und: Er hat dem zwölfjährigen Ludwigshafener bei seinen Anschlagsversuchen online Anweisungen gegeben. Der nun in Zweibrücken vor Gericht gestellte Südpfälzer wiederum galt Ermittlern nach RHEINPFALZ-Informationen zeitweise als derjenige, der als Administrator der Chatgruppe „Muslim Task Force“ den Terror-Paten und den Zwölfjährigen miteinander in Kontakt gebracht haben soll.
Doch ein strafrechtlich relevanter Vorwurf ist aus dieser Spur nicht geworden, im Prozess vor der Zweibrücker Staatsschutzkammer spielt sie kaum eine Rolle. Erwähnt wurde dort am Mittwoch lediglich, dass der Angeklagte aus dem Kreis Germersheim dem Jungen aus Ludwigshafen einen Elektroschocker bringen wollte. Und eine Ermittlerin sagte: „Ob es dazu tatsächlich gekommen ist, wissen wir nicht.“ Offiziell zur Last gelegt wird dem Südpfälzer daher vor allem, dass er zwei Propaganda-Videos der IS-Terroristen in Chatgruppen weiterverbreitete.
Dass er das tatsächlich tat, hat der mittlerweile bartlose 32-Jährige dem Gericht sofort gestanden. Zugleich beteuert er: Er habe zeitweise einen „sehr konservativen Islam“ gelebt, den IS aber immer abgelehnt. Und sich den üblen Ruf als Islamist vor allem erarbeitet, um damit anzugeben.