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Südwest

Anklage: Anschlag in Ramstein geplant

Von Christoph Hämmelmann

Ende 2016 sollen Kevin T. und Lorenz K. schon Bomben für ihren geplanten Anschlag auf die militärischen Einrichtungen in Ramstein gebastelt haben. (Foto: Ganter)

Der Eingang zur Airbase in Ramstein. (Foto: Joachim Ackermann/view-die agentur)

Ramstein/Düsseldorf. Weil er Pläne für einen Anschlag auf die militärischen Einrichtungen in Ramstein geschmiedet haben soll, wird demnächst in Düsseldorf ein Mann aus Neuss vor Gericht gestellt. Sein mutmaßlicher Komplize ist ausgerechnet jener Jugendliche aus Wien, der dort als Anstifter des versuchten Bombenanschlags auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt gilt.

Die Frau neben dem Sandkasten einer Hochhaus-Anlage hat bräunlichen Ganzkörper-Umhang und schwarzen Gesichtsschleier mit pinkfarbenen Schuhen kombiniert, der Mann an ihrer Seite trägt grauen Kaftan zu langem Bart. Und einen Stecken, an dem eine schwarze Fahne baumelt. Das grobkörnige Video eines Anwohners lässt vermuten: Auf den Stoff ist das Logo der Terrormiliz IS gedruckt.

Kevin T. sitzt seit Januar 2017 in Haft

Anfang 2017 wandert die skurrile Aufnahme durchs Internet. Denn da hat eine Spezialeinheit der Polizei im nordrhein-westfälischen Neuss die Wohnung des Mannes aus dem Video gestürmt. Seither sitzt der 22-jährige Kevin T. in Untersuchungshaft, demnächst wird er in Düsseldorf wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“ vor Gericht stehen. Er soll Bomben gebastelt und einen Anschlag auf die militärischen Einrichtungen in Ramstein geplant haben – zusammen mit einem Komplizen aus Österreich, der noch in einen weiteren Pfälzer Terrorfall verstrickt ist. 

Als Mittäter gilt ausgerechnet Lorenz K.

Als Mittäter des Rheinländers gilt ausgerechnet der mittlerweile 18-jährige Lorenz K. Er hatte in Wien dem IS die Treue geschworen und wird dort nun vor allem als Anstifter eines versuchten Attentats angeklagt. Schließlich stand der Sohn albanischer Eltern im November 2016 in ständigem Internet-Kontakt mit einem zwölfjährigen Deutsch-Iraker aus Ludwigshafen. Und er bestärkte den Jungen, als der dort ein mit mehr als 40 Nägeln gespicktes Gewürzglas explodieren lassen und so Weihnachtsmarkt-Besucher sowie sich selbst in den Tod reißen wollte.

Der Wiener schickte Bomben-Pläne nach Ludwigshafen

Passiert ist damals trotzdem nichts. Aber nur, so schließen es die Behörden aus ihren Ermittlungen, weil der Eigenbau-Sprengsatz nicht zündete. Dabei besaß der Junge am Ende sogar eine Konstruktionsanleitung, die ihm sein Wiener Freund überlassen hatte. Abgeschickt, sagt dessen Verteidiger Wolfgang Blaschitz, habe Lorenz K. dieses Dokument aber erst nach dem gescheiterten Attentatsversuch des Deutsch-Irakers. Doch der Austro-Albaner hat nicht nur das Ludwigshafener Kind mit Bombenbau-Instruktionen versorgt, sondern sich auch selbst als Sprengsatz-Bastler versucht.

Mit Kevin T. soll er Rohrbomben gebaut haben

Ermittler sagen: Im Dezember 2016 fuhr der Wiener IS-Anhänger nach Neuss, besuchte dort Kevin T. Gemeinsam hätten die Islamisten dort zwei mit Schwarzpulver gefüllte Rohrbomben konstruiert. Und eine der Vorrichtungen sei bei einem Test in einer Grünanlage auch tatsächlich explodiert. Bei einer weiteren hätten dann – wie beim Gewürzglas-Sprengsatz des Ludwigshafeners – Nägel die tödliche Wirkung verschlimmern sollen. Allerdings wissen die Behörden bislang nur, dass diese zweite Bombe gebaut worden ist. Gefunden haben die Beamten sie nie.

Verteidiger: Er wusste nicht, wo Ramstein liegt

Nach Angaben der Wiener Justiz gehen die deutschen Ermittler davon aus, dass Kevin T. diesen Sprengsatz vor seiner Festnahme entsorgt hat. In den Prozessen in Wien und Düsseldorf wird nun zu prüfen sein, ob er und sein österreichischer Komplize noch weitere Vorbereitungen für einen Anschlag in der Westpfalz getroffen hatten. Lorenz K.s Verteidiger Blaschitz jedenfalls beteuert: Sein Mandant hatte zwar gehört, dass es in Ramstein einen wichtigen Militärstützpunkt gibt. Aber er habe noch nicht einmal gewusst, wo in Deutschland dieser Ort überhaupt liegt.

Die Polizei soll einen Tipp bekommen haben

Im Blick hatten die Behörden den 18-Jährigen jedenfalls schon, als er im Rheinland war. Nach RHEINPFALZ-Informationen hatte die Polizei einen Tipp bekommen – von Angehörigen einer jungen Frau aus Neuss, die zum Umfeld der beiden Islamisten gehörte. Ihre muslimische Familie soll misstrauisch geworden sein, seit sie einen Gesichtsschleier trug.

Pfalz-Ticker