Bundestagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Wahlumfrage: Wen die Pfälzer gerne als Kanzler hätten

Hier wollen die Spitzenkandidaten der vier Parteien mit den derzeit höchsten Umfragewerten einziehen: das Bundeskanzleramt im Be
Hier wollen die Spitzenkandidaten der vier Parteien mit den derzeit höchsten Umfragewerten einziehen: das Bundeskanzleramt im Berliner Regierungsviertel.

Scholz, Merz, Habeck oder doch Weidel – wen der Spitzenkandidaten der größeren Parteien wünschen sich die Pfälzer als Bundeskanzler? Nicht wenige sagen: keinen dieser vier.

Je nach Perspektive und politischer Präferenz war das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seinem wohl aussichtsreichsten Herausforderer Friedrich Merz (CDU) am vergangenen Sonntag entweder ein glattes Unentschieden oder ein Sieg nach Punkten. Möglicherweise lebhafter und lauter könnte es schon am Donnerstag zugehen, wenn die beiden sich erstmals in einer Runde mit dem Spitzenpersonal zweier weiterer Parteien konfrontiert sehen: Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Alice Weidel (AfD). Wen können sich aber die Pfälzer als künftigen Regierungschef in Berlin vorstellen? Das hat das Mannheimer Institut Communication- & Marketing-Research (CMR) im Auftrag der RHEINPFALZ Anfang Februar 1000 Wahlberechtigte gefragt.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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Die Antwort der Pfälzerinnen und Pfälzer darauf, wer bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers/der Bundeskanzlerin ihre Stimme bekäme, zeigt einen klaren Favoriten und sehr interessante Tendenzen mit Blick auf Alter und Geschlecht der Befragten – aber der Reihe nach. Die Interviewten sehen aktuell aus dem Quartett Merz, Scholz, Habeck und Weidel den Kanzlerkandidaten der Union vorn. Den 69 Jahre alten Friedrich Merz wünschen sich 26 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an der Spitze eines künftigen Bundeskabinetts.

Schlappe für Scholz

Zumindest in der Region sehen sie dort aber keinen der führenden Protagonisten der nach dem Ausstieg der FDP zu Rot-Grün geschrumpften Ampelkoalition: Amtsinhaber Olaf Scholz (66) und seinen Stellvertreter, Wirtschaftsminister Robert Habeck (55), können sich jeweils nur 16 Prozent als Kanzler vorstellen. Den zweiten Platz erreicht in der Umfrage AfD-Chefin Alice Weidel (46) mit 21 Prozent. Ebenfalls ein gutes Fünftel der Befragten sagt allerdings: Sie wollen keine dieser Persönlichkeiten im höchsten Regierungsamt der Republik.

Der Favorit der Pfälzer ist laut RHEINPFALZ-Umfrage der Christdemokrat Friedrich Merz.
Der Favorit der Pfälzer ist laut RHEINPFALZ-Umfrage der Christdemokrat Friedrich Merz.
Auf Platz zwei in der Gunst der Wählerinnen und Wähler in der Pfalz: Alice Weidel (AfD).
Auf Platz zwei in der Gunst der Wählerinnen und Wähler in der Pfalz: Alice Weidel (AfD).
In den Umfrageergebnissen des Mannheimer Instituts CMR gleichauf mit dem Amtsinhaber: der Grüne Robert Habeck.
In den Umfrageergebnissen des Mannheimer Instituts CMR gleichauf mit dem Amtsinhaber: der Grüne Robert Habeck.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) muss auch im eigenen Lager den Resultaten zufolge um Rückhalt kämpfen.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) muss auch im eigenen Lager den Resultaten zufolge um Rückhalt kämpfen.

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Die Zeiten, als sich die Frage nach dem künftigen Regierungschef im Wesentlichen zwischen Schwarz und Rot entschieden hat, sind also offenbar vorerst vorbei – zumindest durch die Pfälzer Brille betrachtet. Für CMR-Geschäftsführer Werner Dieing zeigen diese Zahlen unterm Strich zunächst eins: „Es gibt keine klare Führungsfigur, was auf eine fragmentierte politische Landschaft hindeutet.“ Merz profitiere von seiner Position als Spitzenkandidat von CDU/CSU, Weidel allgemein vom steigenden Zuspruch, den die populistische und in Teilen rechtsextreme AfD erfahre. Der amtierende Bundeskanzler Scholz verliere deutlich an Rückhalt.

Merz punktet bei Älteren

Interessant ist auch der Blick darauf, welche Altersgruppe die jeweiligen Kandidaten besonders stark ansprechen. Bei keinem aus dem Quartett ist das so ausgeprägt wie bei Friedrich Merz: Fast 40 Prozent der Generation 70 plus würden ihn zum Kanzler küren. Auch Olaf Scholz hat mit 30 Prozent bei diesen Wählern die meisten Fans. Hier mit weitem Abstand am unbeliebtesten: Alice Weidel mit vier Prozent.

Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern. Ginge es allein nach den 18- bis 29- sowie 30- bis 49-Jährigen, dann säße ganz klar AfD-Politikerin Weidel als Chefin im Bundeskanzleramt: 30 beziehungsweise 31 Prozent der Befragten aus diesen beiden Altersgruppen sehen sie als beste Option für diesen Posten. Die weiteren Plätze belegen hier CDU-Mann Merz, der Grüne Habeck und Sozialdemokrat Scholz als Schlusslicht. Der Amtsinhaber erreicht seinen schlechtesten Zustimmungswert übrigens mit neun Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen.

Weidel polarisiert stark

Dass die derzeitige politische Gemengelage und das Personalangebot der Parteien polarisieren, zeigt auch die Analyse nach Geschlechtern. Am stärksten scheiden sich die Geister unter diesem Blickwinkel an AfD-Frau Weidel: Sie punktet mit 26 Prozent vor allem bei den Männern. Nur 17 Prozent der Frauen halten sie für eine geeignete Kanzlerin. Etwas mehr Zustimmung bei Männern hat auch Christdemokrat Merz – 27 Prozent, zwei Punkte mehr als bei den Damen. Die weiblichen Befragten sehen das Kandidatenfeld insgesamt kritischer als die Herren: Ein Viertel der Frauen möchte niemanden der vier Spitzenleute als Regierungschef sehen.

Durchaus von Bedeutung für den Ausgang der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar ist auch der Punkt, inwiefern es der Kandidatin und den Kandidaten gelingt, ihr jeweils eigenes Lager zu mobilisieren und auch den Mitbewerbern noch Stimmen abzujagen. Den größten Rückhalt bei Wählern ihrer jeweiligen Parteien haben Alice Weidel und Robert Habeck mit jeweils 88 Prozent, gefolgt von Friedrich Merz und Olaf Scholz mit 76 und 64 Prozent. Der Kanzler ist offenbar auch bei den Genossen selbst nicht unumstritten. Die größte Strahlkraft über die eigene Anhängerschaft hinaus haben Merz bei FDP-Parteigängern (47 Prozent) und Habeck bei Linken (39 Prozent) und Freien Wählern (31 Prozent). Gute Karten hat Wedel außer in ihrer Partei noch bei Unterstützern des als Abspaltung der Linken neu gegründeten Bündnisses Sahra Wagenknecht.

Zur Sache

Das Mannheimer Meinungsforschungsinstitut CMR hat für eine Umfrage zur Bundestagswahl 1000 Wahlberechtigte ab 18 Jahren telefonisch und online befragt. Die Auswahl der Haushalte erfolgte mittels eines Zufallsverfahrens. Es berücksichtigt Unterschiede zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen in der Pfalz und die Tatsache, dass nicht alle Haushalte in öffentlichen Telefonverzeichnissen gelistet sind. Befragt wurde jeweils das wahlberechtigte Haushaltsmitglied, das zuletzt Geburtstag hatte. Angewählt wurden ausschließlich Festnetznummern, da Mobilfunknummern nicht eindeutig örtlich zuzuordnen sind. Die erhobenen Daten wurden anhand aktueller Zahlen des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet. Stichprobengröße, Befragungszeitpunkte sowie das Verfahren gewährleisten laut CMR ein repräsentatives Ergebnis für die Pfalz.

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