Digitales Leben
Pfalz-Rundflug wie im Privat-Hubschrauber
Von A wie Adlerbogen bis W wie Wegelnburg – wer neu in die Pfalz gezogen ist, in der Region Urlaub machen oder einfach nur Vertrautes anders und neu erleben möchte, der kann auf der im Dezember gestarteten Seite 360pfalz.de Sehenswürdigkeiten, Landschaften und Städte virtuell ansteuern. Integriert sind in die Panoramaaufnahmen zusätzlich klickbare Infopunkte mit Tipps für Wanderungen oder Radtouren. Das Ganze ist also nicht nur schön, sondern hat echten Nutzwert.
Entstanden ist das Projekt im vergangenen Jahr aus der Zusammenarbeit des Vereins Pfalz-Touristik mit dem 2020 gegründeten Freinsheimer Unternehmen „Heimatlichter“. Einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde es Ende Januar bei der Stuttgarter Touristikmesse CMT, bei der ein Schwerpunkt des Programms auf dem Thema Virtual Reality (VR) lag. „Wir waren aber die einzigen, die eine VR-Brille dabei hatten“, berichtet André Straub, Geschäftsführer und Mitgründer der ursprünglich als Datenbank für Landschaftsfotografie gestarteten „Heimatlichter“. Der Eindruck, wie vom Hubschrauber aus auf Wald, Wiesen und Gebäude blicken zu können, habe die Besucher extrem fasziniert. „Manche wollten die Brille gar nicht mehr absetzen“, sagt Straub.
Mit Datenbank verknüpft
In der Verknüpfung mit der rheinland-pfälzischen Tourismus-Datenbank Deskline und den dort hinterlegten Informationen liege die Besonderheit des Pakets, das es sonst in dieser Form nach Straubs Kenntnisstand in Deutschland anderswo noch nicht gibt. In Maikammer (Kreis Südliche Weinstraße) haben die Verantwortlichen die Tour bereits auf den dortigen Infopoint gelegt und planen die Anschaffung einer VR-Brille. Nutzbar ist der virtuelle Rundflug aber auf jedem Laptop und mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets.
Erfahrung haben Straub und sein Team auf unterschiedlichsten Feldern gesammelt, beispielsweise beim Erstellen von 360-Grad-Rundgängen durch Ausstellungen wie dem Fotogipfel Oberstdorf oder dem Erstellen von komplett virtuellen Präsentationsräumen für Unternehmen. Die besondere Herausforderung und gleichzeitig der größte Reiz bei dem vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium geförderten Gemeinschaftsprojekt: die Vielfalt der Pfalz von „ganz urban bis zum tiefsten Wald“, wie es Straub beschreibt. Der 52-Jährige – bis zu seinem Wechsel ins fotografische Fach beruflich in der IT-Branche zu Hause – lobt insbesondere die Zusammenarbeit mit seinem Hauptansprechpartner bei Pfalz-Touristik, Julian Völk, und dessen Team.
Tauben begleiten Drohne
Die Aufnahmen an den zu insgesamt neun Touren zusammengefassten 80 Örtlichkeiten sind, wie André Straub berichtet, mit zwei verschiedenen Techniken entstanden: entweder per Drohne oder mit einem sogenannten Panoramakopf. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung, die zwischen Kamera und Stativ montiert wird. Mit einem Weitwinkelobjektiv werden dann Bilder nach oben und unten sowie in zwei Zeilen übereinander im Kreis geschossen. Die Konstruktion erlaube es, ohne Überlappungen die Einzelbilder dann später zu dem 360-Grad-Eindruck zu montieren.
Wer ganz genau hinschaut, wird übrigens auf den Stadtbildern eine Besonderheit entdecken. Wenn Straub und seine Kollegen nämlich in Neustadt, Speyer oder Pirmasens am frühen Morgen ihre Drohne aufsteigen ließen, hatte das Fluggerät immer eine Schar neugieriger Begleiter: Tauben. Die hätten bei ihm als Piloten immer für leicht erhöhten Blutdruck gesorgt, „da immer zu befürchten war, dass eine Taube der Drohne zu nahe kommt“, erzählt André Straub. Passiert sei glücklicherweise nichts. Die Vögel seien jetzt eben auf den Bildern als Statisten verewigt.
Aufwendige Schnittstellen
Auch wenn das Fotografieren der schönsten Ausflugsziele und Attraktionen in der Pfalz anspruchsvoll ist und laut Straub fünf Leute im vergangenen Spätsommer und Herbst beschäftigt habe: Der eigentliche Aufwand stecke in den Schnittstellen, über die Bilder mit Informationen verknüpft sind. Der Vorteil des Konzepts: Es sei jederzeit noch erweiterbar – beispielsweise durch Innenansichten markanter Gebäude wie des Speyerer Kaiserdoms. Angetan haben es Straub aber vor allem jene Bilder, die für ihn die Schönheit der Pfalz besonders ausmachen. Einer seiner Favoriten: die Burgruine Gräfenstein, umgeben vom herbstlichen Wald und Bodennebel in den Tälern.
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