Kusel / Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel Gehen Polizeianwärter anstelle erfahrener Kollegen in den Einsatz?

Schießtraining bei der rheinland-pfälzischen Bereitschaftspolizei.
Schießtraining bei der rheinland-pfälzischen Bereitschaftspolizei.

Noch wissen die Ermittler nicht genau, was sich an diesem Montagmorgen gegen 4.20 Uhr an der K22 bei Kusel abgespielt hat, als eine Fahrzeugkontrolle für einen jungen Polizeibeamten und eine 24-jährige angehende Polizistin tödlich endete. Fest steht, dass den beiden nicht viel Zeit blieb, wie das Funkprotokoll belegt.

Laut Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ging der Funkspruch der Polizisten um 4.19 Uhr in der Zentrale ein, der zweite („die schießen“) bereits eine Minute später um 4.20 Uhr. Die jungen Polizisten wurden mit fünf Schüssen aus Jagdgewehren erschossen. Der 29-Jährige Beamte feuerte zuvor noch 14 Mal seine Walter P 99 Q ab, die beiden mutmaßlichen Mörder blieben unverletzt. Wie sieht eine Polizei-Ausbildung in Rheinland-Pfalz aus und wie oft geht man später noch ins Schießtraining?

Wie wird man Schutzpolizist?
Laut Innenministerium in Mainz sieht die Ausbildung ein dreijähriges Bachelorstudium an der Hochschule der Polizei vor. Die hatte auch 24-jährige Polizeianwärterin besucht. Zum Studium gehören neben Theorie mehrwöchige Praktika bei Dienststellen der Schutz- und Kriminalpolizei. Der berufspraktische Teil umfasst 15 Monate.

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Wie viel Schießtraining ist dabei?
Insgesamt 232 Unterrichtseinheiten Schießen. Wie hoch dieser Anteil an der Ausbildung ist, beantwortet das Ministerium nicht. Dazu gehören das „schulmäßige Schießen“ auf Zielscheiben sowie Einsatzsituationen mit Pistole und Maschinenpistole: auch bei lebensbedrohlichen Situationen unter körperlicher Belastung, bei ungünstigen Licht- und Sichtverhältnissen. Leistungsüberprüfungen müssen jährlich mit beiden Waffengattungen bestanden werden.

Wie wird noch trainiert?
Vor dem ersten Berufspraktikum bei einer Dienststelle etwa nach Abschluss des ersten Studienjahres werden auch Standards wie Fahrzeug- und Personenkontrollen trainiert. Je nach Fortschritt der Studierenden entscheiden deren Anleiter individuell über deren Einsatz.

Gehen Anwärter anstelle eines ausgebildeten Polizisten in den Einsatz?
„In Abhängigkeit vom Ausbildungsstand kann der Einsatz als zweite Einsatzkraft erfolgen“, so das Ministerium. Die 24-Jährige war am Montag eine der ersten Male mit nur einem Kollegen unterwegs. Allgemein tabu für Anwärter sind „absehbar gefährliche Einsätze wie lebensbedrohliche Einsatzlagen oder Amoklagen“.

Wie oft wird Schießen nach beendeter Ausbildung geübt?
Alle im polizeilichen Wechselschichtdienst sind verpflichtet, jährlich an drei Schießtrainings (je eine Stunde) teilzunehmen. Einmal jährlich ist eine Leistungsüberprüfung mit Pistole sowie Maschinenpistole zu erfüllen.

Selbst mancher erfahrene Polizist kritisiert die Tatsache, dass die 24-Jährige als eine noch in Ausbildung befindliche Kraft im Einsatz war.
Die Polizei hat den Einsatz einen Tag nach der Bluttat verteidigt, auf Kritik zu diesem Punkt geht sie nicht direkt ein. „Sie hatte alle Trainings, Schießtrainings, Einsatztrainings, Zugriffstrainings absolviert“, hatte der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, Heiner Schmolzi gesagt. Sie habe bereits zwei Praktika beim Polizeipräsidium gemacht, war also „fast eine fertige Polizistin, dann kann man das machen“. Ihr Kollege, 29, sei zudem sehr erfahren gewesen. Die Ermittlungen zum Tathergang laufen, die Polizei warnt vor deren Abschluss vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt dazu: „Nach dem, was bisher bekannt ist, haben sich die beiden so verhalten, wie es in Einsatztrainings gelehrt wird.“

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