Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel CDU: Christian Baldauf will Landespolitiker bleiben

Beim Parteitag in Frankenthal am 21. September hat Christian Baldauf (rechts) den Landesvorsitz an Gordon Schnieder abgegeben –
Beim Parteitag in Frankenthal am 21. September hat Christian Baldauf (rechts) den Landesvorsitz an Gordon Schnieder abgegeben – sein Abschied aus der Landespolitik war das aber noch nicht.

Berlin, Mainz, Frankenthal – die Frage, wo Christian Baldauf nach seinem Abschied vom Vorsitz der rheinland-pfälzischen CDU und mit Blick auf anstehende Wahlen in Bund und Land seine politische Zukunft sieht, ist geklärt. Der 57-Jährige will 2026 seinen Sitz im Landtag verteidigen. Über diese Ankündigung möchte in der Partei niemand so richtig gerne reden.

„Es handelt sich um eine persönliche Entscheidung von Herrn Baldauf, die wir seitens der CDU Rheinland-Pfalz nicht kommentieren.“ Dafür bitte man um Verständnis. Dieses knappe Statement ist am Dienstag alles, was die Mainzer Zentrale der Christdemokraten zur Ankündigung ihres ehemaligen Chefs offiziell verlauten lässt. Christian Baldauf, der beim Landesparteitag im September das Amt des Vorsitzenden an Gordon Schnieder abgegeben hat, will eine weitere Legislaturperiode als Landtagsabgeordneter dranhängen und strebt, wie er gegenüber der RHEINPFALZ erklärt, keinen Wechsel in den Bundestag an.

Schwerpunkt Wirtschaft

Diese Option hätte der Jurist ziehen können – wie bereits vor acht Jahren, als seine Frankenthaler Parteifreundin Maria Böhmer ihre bundespolitische Karriere beendete und nicht mehr als Direktkandidatin im Wahlkreis Ludwigshafen-Frankenthal antrat. Und nicht wenige sind davon ausgegangen, sagen Insider, dass er zugreift – zumal Baldaufs Abschiedsrede beim Parteitag vor zweieinhalb Wochen einen starken bundespolitischen Schwerpunkt hatte. Doch auch dieses Mal entscheidet sich der 57-Jährige für Mainz: Er verstehe sich als Landespolitiker und wolle sich 2026 mit einem klaren wirtschaftspolitischen Fokus zum sechsten Mal um ein Mandat im Landtag bewerben.

Dass Christian Baldauf sich trotz offenbar eifrigen Werbens der CDU-Kreischefs aus Frankenthal, Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis nicht ins Rennen um einen Sitz im Bundestag wirft, dürfte neben persönlichen Gründen mit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts zur Wahlrechtsreform zu tun haben. Deren Folge: Wer das Direktmandat gewinnt, löst nicht mehr automatisch das Ticket nach Berlin. Das Risiko, durchzufallen, ist in städtisch geprägten Wahlkreisen mit vielen Bewerbern und eher knappen Ergebnissen größer als auf dem platten Land. Den Wahlkreis Ludwigshafen-Frankenthal halten Experten eher für einen Wackelkandidaten.

„Die Entscheidung von Christian Baldauf, weiter auf Landesebene tätig sein zu wollen, ist zu respektieren“, sagt Peter Uebel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Ludwigshafener Stadtrat. Die drei Kreisverbände müssten sich nun hinsichtlich eines Kandidaten/einer Kandidatin für den Bundestag abstimmen, der gegen den 2021 erfolgreichen SPD-Mann Christian Schreider und den über die Landesliste nach Berlin gewählten Grünen Armin Grau antritt. Uebel kämpferisch: „Unser Anspruch ist, den Wahlkreis für die CDU zu gewinnen.“

Kein „Selbstläufer“

Ein „Selbstläufer“ wird das neuerliche Duell ums Mandat im Landtagswahlkreis, den Baldauf ab 2001 fünfmal gewonnen hat, aber nach eigener Einschätzung des CDU-Politikers nicht. Sein voraussichtlicher Mitbewerber Martin Haller (Lambsheim) ist als Parlamentarischer Geschäftsführer ein einflussreicher Akteur in der SPD-Landtagsfraktion. Hallers Reaktion auf die Ankündigung des Dauerrivalen: „Da halte ich es mit Franz Beckenbauer: Gute Freunde kann niemand trennen.“ Ob sich das auf sein Verhältnis zu Baldauf oder auf dessen Verhältnis zum eigenen Lager bezieht, lässt der Sozialdemokrat offen.

Aus Kreisen der rheinland-pfälzischen CDU eine Einschätzung zur Entwicklung um den ehemaligen Partei- und Fraktionschef Baldauf zu bekommen, ist am Dienstag eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Viele winken ab. Manche sind doch einigermaßen überrascht und hätten erwartet, dass der Frankenthaler eher die Chance für einen „Tapetenwechsel“ nutzt – sprich: den Sprung nach Berlin wagt, wo er einige Jahre Erfahrung im Vorstand der Bundespartei gesammelt hat. „Laut jubiliert“ habe nach seinem Eindruck niemand, sagt ein Gesprächspartner der RHEINPFALZ. Nach dem gelungenen Schulterschluss beim Frankenthaler Parteitag mit den sehr guten Wahlergebnissen für Gordon Schnieder als Vorsitzender und Spitzenkandidat überwiege eher die Sorge, ob Baldauf sich „wirklich ins Team einfügt“.

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