Kommentar
AfD-Chef Bollinger ist angezählt
Ein Zugpferd für die AfD ist Jan Bollinger ganz gewiss nicht. Mit rund 71 Prozent holte der Parteichef und Vorsitzende der Landtagsfraktion auf dem AfD-Landesparteitag am Samstag eines der schwächsten Ergebnisse aller Kandidierenden. Außerdem: Wer sich als Bewerber auf Bollingers Rückendeckung verlassen hat, etwa der Haßlocher Peter Stuhlfauth, hatte das Nachsehen – ausgerechnet gegen den Vorschlag von Nicole Höchst, die wegen eines muslimfeindlichen Posts jüngst von AfD-Parteichefin Alice Weidel zurückgepfiffen wurde.
In Idar-Oberstein wurde zwar auch Unverständnis über Höchst geäußert, aber nur hinter vorgehaltener Hand. Beim Kandidatenkarussell wirkte sie bei der Nominierung von Claudia von Bohr einmütig mit jenen zusammen, die als Strippenzieher nicht nur in der Landespartei gelten: der Vizechef und Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier und der Landtagsabgeordnete Damian Lohr.
Bollinger ist angezählt. Aber es gibt erkennbar niemanden, der ihm derzeit den Platz an der Parteispitze streitig machen will. Noch ist er anderen nützlich. Sollte die AfD wegen der 250.000 Euro Steuergeld, die die Fraktion laut Rechnungshof in früheren Jahren nicht ordnungsgemäß verwendet hat, weiteren Ärger bekommen, wird Bollinger wohl alleine den Kopf hinhalten müssen. Für die Partei könnte es teuer werden, dabei gewöhnt sie sich gerade an voller werdende Fleischtöpfe. Die staatliche Parteienfinanzierung belohnt Wahlerfolge.
