Südwest
AfD in Rheinland Pfalz: 71 Prozent für Bollinger
Mit einer Rede, in der er im Falle eines Wahlsieges „stündliche Abschiebeflüge“ versprach und die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags bewarb sich AfD-Landeschef Jan Bollinger (48) am Samstag auf dem AfD-Mitgliederparteitag in Idar-Oberstein als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 22. März 2026.
Bollinger bezeichnet SPD, Grüne und Linke als Abrissbirne des Landes
Er erhielt 428 von 605 Stimmen, das sind nach AfD-Rechnung 71,3 Prozent. Wer die Enthaltungen nicht von den gültigen Stimmen abzieht, kommt auf 70,7 Prozent. Harsche Angriffe fuhr Bollinger gegen die politische Konkurrenz. „SPD, Grüne und Linke sind die Abrissbirne unseres Landes und die Totengräber unseres Volkes. Wir müssen diese antideutschen Linksradikalen auf den Abfallhaufen der Geschichte entsorgen.“
Der CDU warf Bollinger, der seit 2016 Mitglied des Landtags ist, vor, die eigene Seele und Deutschland verkauft zu haben. Der Landes- und Fraktionschef musste sich auf Platz eins gegen zwei Mitbewerbende durchsetzen. Sandra Müller (55), Zahnärztin aus dem Westerwald, hatte indirekt Kritik an am Zustand der Landespartei geübt. Von der AfD werde Führung und keine Selbstbeschäftigung erwartet. Sie erhielt 152 Stimmen. Für den dritten Kandidaten, Matthias Tönsmann aus der Südpfalz, stimmten nur 13 Mitglieder.
Mehr als 20 Prozent als Wahlziel
Zu Beginn des Parteitags hatte der stellvertretende Landeschef und Vize der AfD-Bundestagsfraktion, Sebastian Münzenmaier, „20 Prozent plus x“ als Wahlziel ausgegeben, 2021 war die Partei mit 8,3 Prozent in den Landtag eingezogen. Nur am Rande ging Münzenmaier darauf ein, dass die Partei vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Von den im jüngsten Bericht namentlich aufgeführten rheinland-pfälzischen AfD-Politikern kandidierten am Samstag einige erfolgreich für einen aussichtsreichen Listenplatz. Damian Lohr (31) aus dem Donnersbergkreis zum Beispiel. Der frühere Bundesvorsitzende der inzwischen aufgelösten Jugendorganisation „Junge Alternative“ ist Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Landtag. Er erhielt auf Platz zwei 467 von 517 Stimmen, Gegenkandidaten hatte er nicht. Auch Joachim Paul ist im besonderen Visier der Sicherheitsbehörden. Er wurde auf den sechsten Platz gewählt.
Gute Chancen, erstmals in das Parlament einzuziehen, hat Alejandra Catalina Monzon (55), die sich bei der Wahl um den fünften Platz mit 356 von 448 Stimmen durchsetzte. Die Ärztin aus Kusel und Claudia von Bohr aus dem Kreis Birkenfeld, die auf dem zehnten Platz antreten wird, sind die einzigen Frauen auf aussichtsreichen Plätzen.
Weitere Pfälzer auf den vorderen Plätzen sind der Landtagsabgeordnete Eugen Ziegler (62) aus der Südpfalz, der mit fast 90 Prozent auf Listenplatz drei gewählt wurde und Benjamin Haupt, der AfD-Kreisvorsitzender aus Speyer und Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst. Haupt setzte sich auf dem neunten Platz gegen den Haßlocher Landtagsabgeordneten Peter Stuhlfauth durch.
Für Stuhlfauth, der damit als einziges Mitglied der aktuellen Fraktion nicht wieder in den Landtag einziehen wird, kam die Kandidatur Haupts überraschend,wie er sagte.
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