Gesundheit RHEINPFALZ Plus Artikel Parkinson: Geduld und Flexibilität gefragt

Morbus Parkinson-Patienten fällt es mitunter schwer, ein Glas ruhig in der Hand zu halten.
Morbus Parkinson-Patienten fällt es mitunter schwer, ein Glas ruhig in der Hand zu halten.

Die Symptome einer Parkinson-Erkrankung sind vielfältig. Zwei Fachärzte des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern erläutern die Zusammenhänge.

Von Ernst Thilo Hammen und Johannes Treib

In Deutschland sind circa 400.000 Menschen an einem Morbus Parkinson, der umgangssprachlich auch als „Schüttellähmung“ bezeichnet wird, erkrankt. Er gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems und tritt mit zunehmenden Alter vermehrt auf. So sind bei den über 60-Jährigen etwa ein Prozent, bei den über 80-Jährigen bereits circa drei Prozent der Bevölkerung betroffen. Mitunter treten erste Krankheitssymptome schon mit Anfang 50 auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Ursache von Parkinson ist meist unklar. In fünf bis 15 Prozent der Fälle besteht eine familiäre Häufung: Dann tritt die Erkrankung in einer Familie beziehungsweise in der Verwandtschaft über Generationen hinweg wiederholt auf.

Erhöhte Muskelsteifigkeit und meist einseitiges Zittern

Die typischen charakteristischen Krankheitszeichen fasst man in der Medizin als Parkinson-Syndrom zusammen. Hierzu zählen eine Verlangsamung und Verminderung der Bewegungen, eine erhöhte Muskelsteifigkeit sowie ein meist einseitiges Zittern (Tremor) der Hände, das vorwiegend in Ruhe ausgeprägt ist („Münzzählertremor“).

Es gibt aber auch Parkinson-Formen ohne Tremor, und viele Patienten mit Tremor leiden nicht an Morbus Parkinson. Die an Morbus Parkinson erkrankten Patientinnen und Patienten entwickeln eine typische Körperhaltung mit vorgeneigtem Kopf und Oberkörper, angewinkelten Ellenbogen und leichter Beugung in Hüften und Knien. Zudem leiden die Erkrankten unter einem kleinschrittigen Gangbild mit vermindertem Mitschwingen der Arme beim Gehen. Eine gestörte Haltungsstabilität führt dazu, dass sie häufig stürzen und sich hierbei schwer verletzen können.

Frühsymptome: Alpträume und schnelle Erschöpfung

Zahlreiche Frühsymptome der Erkrankung können mehrere Jahre vor den genannten typischen Symptomen auftreten. Diese werden zunächst oft gar nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht. Hierzu zählen unter anderem Schlafverhaltensstörungen, die mit Gewalt- und Alpträumen einhergehen, morgendliche Rückenschmerzen, schnelle Erschöpfung und Teilnahmslosigkeit, Tagesschläfrigkeit, verminderter Gesichtsausdruck mit leiser, undeutlicher Sprache, Geruchsstörungen, Verstopfung und eine kleiner werdende Schrift.

Eine frühe Diagnosestellung ist aufgrund der anfangs oft unspezifischen Symptome schwierig und erfordert einen in der Diagnostik dieses Krankheitsbildes erfahrenen Neurologen. Eine nuklearmedizinische Untersuchung (DAT-Scan) kann helfen, die klinische Diagnose zu bestätigen. Die Ursachen des Morbus Parkinson beruhen im Wesentlichen auf einem Zelluntergang von Neuronen in der Substantia nigra, einem Kernkomplex im Bereich des Mittelhirns. Im Laufe des Degenerationsprozesses kommt es zu einem Untergang von Bahnsystemen im Gehirn, die unter anderem zu einem Mangel an Dopamin (Botenstoff im zentralen Nervensystem) führen. Hierdurch werden die Funktionen in den Basalganglien, die sich ebenfalls im Gehirn befinden, gehemmt.

Für die Therapie des Parkinson-Syndroms bestehen heute eine Vielzahl gut wirksamer und verträglicher Behandlungsmöglichkeiten. Trotzdem erfordert das komplexe und über die Zeit zunehmende Krankheitsbild Geduld und Flexibilität von Betroffenen und Therapeuten, um die Therapie in allen Phasen auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen zu können. Wichtig ist, von Anfang an medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieverfahren zu kombinieren, damit das bestmögliche Behandlungsergebnis erzielt werden kann.

Basis der medikamentösen Therapie ist der Ausgleich des Dopamin-Defizits im Gehirn. Gerade in den ersten Jahren der Erkrankung können damit die motorischen Einschränkungen meist weitgehend bis vollständig beseitigt werden. Im weiteren Verlauf wird dies erschwert durch einen erhöhten Bedarf an Dopamin bei abnehmender Speicherfähigkeit der Nervenzellen für diesen Botenstoff. Das kann zu starken Wirkungsschwankungen mit raschem Wechsel von Über- und Unterdosierungserscheinungen führen.

Dabei treten nicht nur wechselnde Phasen von Über- und Unterbeweglichkeit auf, sondern oft auch psychiatrische Symptome wie Halluzinationen und Verwirrtheit. Hinzu kommt, dass die Aufnahme der Medikamente über den Magen-Darm-Trakt mit fortschreitender Erkrankung immer schlechter wird.

Medikamentenpumpen und tiefe Hirnstimulation

In diesen Phasen können Medikamentenpumpen genutzt werden, die den Wirkstoff unter die Haut (Apomorphin) oder in den Dünndarm (L-Dopa) abgeben und damit eine gleichmäßigere Wirkung ermöglichen. Eine Alternative ist die sogenannte tiefe Hirnstimulation. Bei diesem neurochirurgischen Eingriff wird ein Hirnschrittmacher eingesetzt. Vor allem bei therapieresistentem Tremor ist diese Behandlungsmöglichkeit insbesondere bei jüngeren Menschen eine gute Option.

Bei der Therapie von Symptomen wie Depressionen, Ängsten, Demenz, Blasenstörungen, Verstopfung und Schmerzen müssen Ärzte und Therapeuten mit unterschiedlichen Spezialisierungen zusammenarbeiten. Außer Medikamenten sind nichtmedikamentöse, auf eine Rehabilitation ausgerichtete Behandlungsformen von großer Bedeutung, um die Einschränkungen im Alltag und gegebenenfalls im Beruf möglichst lange gering zu halten. Regelmäßige Physiotherapie, Ergotherapie und bei Bedarf Logopädie können deutliche und nachhaltige Verbesserungen bewirken.

Eine zunehmende Bedeutung hat die Ernährung beim Parkinson-Syndrom. So hat sich gezeigt, dass die Art und Zusammensetzung der Nahrung sowohl das Entstehen der Erkrankung als auch den Verlauf erheblich beeinflussen kann.

Zu den Autoren

Professor Dr. Ernst Thilo Hammen und Chefarzt Professor Dr. Johannes Treib arbeiten in der Klinik für Neurologie des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern. Schwerpunkte der beiden Mediziner sind die Vorbeugung und Therapie von Hirndurchblutungsstörungen, Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen, Parkinson, Epilepsie, Gangstörung, Rückenschmerzen, Borreliose und Multiple Sklerose.

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