Im Garten
Kirsch-Pflaume oder Mirabelle?
Seien sie nun knallrot oder zitronengelb: Gern werden die Früchte der Kirsch-Pflaume (Prunus cerasifera) von Laien als Mirabellen bezeichnet. Jedoch gehören diese als Prunus domestica sub. syriaca einer anderen Art der Steinobstgewächse an. Die Verwechslung ist naheliegend: Die Sammelart Hauspflaume mit all ihren Sorten ist aus einer Zufallskreuzung von Kirsch-Pflaume und Schlehe (Prunus spinosa) entstanden.
Kirsch-Pflaumen werden in der Fachwelt auch als Myrobalanen und in Pfälzer Mundart als „Därgekersch“ („Türkenkirsche“) bezeichnet. Als starkwüchsige Sämlingsunterlagen werden sie gerne für Hochstämme von Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Reineclauden verwendet und wachsen daher bereits unerkannt in vielen Gärten. Stirbt die Edelsorte ab, treiben die Unterlagen gerne mehrstämmig aus. Mit der Zeit bilden sie dann baum- oder strauchartige Gehölze, worauf meist die verwilderten, überall in der Landschaft anzutreffenden Kirsch-Pflaumen zurückzuführen sind. Auch durch Aussaat oder durch Steckhölzer kann die Steinobstart vermehrt werden.
Gedeiht auch an trockenen Standorten
Das Wildobst stellt keine großen Ansprüche, gedeiht auf trockenen bis frischen, schwach sauren bis schwach alkalischen Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Zwar ist die Kirsch-Pflaume eine der sehr früh blühenden Obstarten, jedoch wird sie als Bienenweide nur als mittelmäßig beurteilt.
Die sommergrüne, schnellwüchsige Art erreicht Höhen von mehr als acht Metern und Breiten von bis zu sechs Metern. „Atropurpurea“ ist eine dekorative Sorte mit rotbraunen Blättern, die im Laufe der Vegetationsperiode leicht vergrünen.
Von der Kirsch-Pflaume gibt es verschiedene Sorten, die sich in Geschmack, Fruchtfarbe und –konsistenz voneinander unterscheiden. Im Gegensatz zu den zeitgleich reifenden Mirabellen weisen stumpfgelbe Kirsch-Pflaumen keine rötlich bis violette Färbung auf der Sonnenseite der Früchte auf. Beim Ernten können sie schon mehlig sein.
Geeignet für Säfte, Gelees und Marmeladen
Außerdem gibt es noch rot-gelbe, reinrote und blauviolette Varianten, die oft mehr wässrig als fruchtig schmecken. Meist eignen sich Kirsch-Pflaumen deshalb besser zur Verarbeitung zu süßsauren Säften, Gelees oder Marmeladen. Jedoch finden sich in der freien Natur auch wohlschmeckende Kirsch-Pflaumen.
Und rote Mirabellen? Das 1997 zur Wiederkehr des 220. Geburtstages des bayrischen Obstkundlers Georg Liegel in Österreich herausgegebene „Prunarium“ listet die historischen roten Sorten „Hofingers Mirabelle“, „Rothe Mirabelle“ und „Bohns Mirabelle“ auf. Davon dürfte hierzulande keine zu finden sein – wenn sie überhaupt bis heute überdauert haben. Neu im Handel ist dagegen mit „Ruby“ eine kirschrote Mirabellensorte, die als Säulenbaum angepriesen wird.