Im Garten
Gesund dank Gemüsegarten
Der Nutzgarten liefert unüberbietbar Wertvolles: in jedem Fall mehr als nur die gesunden Inhaltsstoffe des Gemüses, die sich nicht durch Pharmazie-Präparate oder Wunderpillen aus Naturessenzen ersetzen lassen. Nicht nur die Bewegung an der frischen Luft, auch die Saisonalität und Nachhaltigkeit sind Pluspunkte.
Regionaler und saisonaler als aus dem eigenen Garten kann man sich nicht mit Obst und Gemüse versorgen. Dass dies nicht nur ein Beitrag zur Gesundheit, sondern auch zum Klimaschutz ist, unterstrich seinerzeit die nordamerikanische Präsidentengattin Michelle Obama. Kaum ins Weiße Haus eingezogen, wandelte sie einen Teil des Ziergartens in einen Nutzgarten mit Obst und Gemüse um.
Vorfreude als Vorteil
Das selbst kultivierte Gemüse zu essen und ansonsten nur das zu kaufen, was auch in der Region gerade Saison hat beziehungsweise aus heimischen Lagern stammt, dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern trägt auch zur seelischen Gesundheit bei. Wer nicht rund ums Jahr Tomaten, Paprika oder Kopfsalat isst und sich jeweils an das Saisonobst und -gemüse hält, bewahrt sich die Vorfreude auf den ersten frischen Schnittsalat, die ersten Erdbeeren aus dem eigenen Garten oder der Region.
Den Rat vieler alter Heilkundiger, sich stets von dem reichlich zu ernähren, was gerade Saison hat, bestätigen die Inhaltsstoffanalysen unserer Zeit. Es ist sinnvoll, im Winter klassisches Wintergemüse wie Feldsalat, Weißkraut, Grünkohl, Rosenkohl, Rotkraut, Lauch und Sellerie zu verzehren und im Sommer die typischen Sommerarten wie Blattsalate, Gurken, Spargel, Brokkoli, Zuckermais und frische Tomaten reichlich zu genießen – und es dann gut sein zu lassen. Denn die Wintergemüse bieten die Wertstoffe besonders reichlich, die unser Körper in der lichtarmen Jahreszeit verstärkt benötigt, und die Sommergemüse liefern reichlich Inhaltsstoffe, die wir in der aktiven, lichtintensiven Zeit brauchen.
Einige im Winter kultivierte Sommergemüse akkumulieren sogar schädliche Inhaltsstoffe. Bekanntestes Beispiel ist Kopfsalat: Wird er lichtarm, also außerhalb der Saison kultiviert, reichert er hohe Nitratmengen an, während Feldsalat, Postelein oder Zuckerhut problemloser bei geringer Lichtintensität wachsen, ohne Schadstoffe anzureichern.
Der eigene „Kurgarten“
Wer von seinen Gartenerzeugnissen lebt, erfüllt den Rat von Hildegard von Bingen und Heilpfarrer Sebastian Kneipp: Wir sollen stets von dem reichlich essen, was gerade Saison hat, also „kurmäßig“ leben: viele Kirschen zur Kirschenzeit, Trauben zur Traubenzeit und Wintersalate im Winter.
Ganz abgesehen vom Lebensfreudeeffekt, wenn man nicht alles zu jeder Jahreszeit verfügbar hat und sich so die Vorfreude und Abwechslung bewahrt. Denn es ist nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele wichtig, mit der Saison zu leben. Auf diese Weise ergibt sich ein natürlicher Wechsel der Nahrungsmittel, und wir bereichern unseren oft vom Überfluss beziehungsweise Überdruss gekennzeichneten Speiseplan mit einem vergessenen Genuss – dem der Vorfreude. Und wir beugen so der „Füllhorn-Depressivität“ vor.
Wer sich bewusst ist, dass sich die Gesundheit nur mit den richtigen Lebensmitteln und viel Bewegung, nicht aber mit teuren Ersatzpräparaten erhalten lässt, stellt automatisch die Frage: Reichen die Obst- und Gemüsemengen, die ich anbaue und verzehre aus, um wirksam vor Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen zu schützen? Die intensive Forschung auf diesem Gebiet kam zum Ergebnis: Täglich 300 Gramm Gemüse, jeweils die Hälfte roh und gekocht, dazu gut 200 Gramm Obst dienen als effektive Vorbeugung. Diese an sich geringen Mengen sollte man auf fünf Portionen am Tag verteilen. Jetzt im Winter etwa eine Birne im Frühstücksmüsli oder als Vesper, Möhrengemüse zum Mittagessen, ein Schälchen Apfelmus als Nachtisch, zwischendurch ein Glas Tomatensaft und zum Abendbrot einen Rettich oder eine Schüssel Wintersalat.
Unschätzbare Gartenarbeit
Da wir – bei noch so viel Gemüse- und Obstverzehr – nur in einer intakten Umwelt gesund bleiben, sollten unsere Lebensmittel möglichst kurze Transportwege hinter sich haben. Transport verbraucht Energie, und der Energieverbrauch belastet Klima und Umwelt. Südfrüchte haben nicht nur lange Strecken hinter sich, sie wurden vielfach auch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, die bei uns nicht zugelassen sind.
Aber nicht nur der Umwelt- und Klimaschutz sowie die Rückstandsproblematik sprechen für Produkte aus dem eigenen Garten, ein ganz wesentlicher Aspekt kommt hinzu. Damit Obst und Gemüse die unschätzbaren Gesundheitswirkungen voll entfalten können, muss eine unabdingbare Voraussetzung erfüllt sein: viel Bewegung an der frischen Luft. Nur von Sauerstoff durchflutete Körperzellen können die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe richtig umsetzen.
Gartenbesitzer haben hier einen doppelten Vorteil. Zum einen bewegen sie sich viel im Freien, zum anderen können sie die Früchte ihrer Arbeit vollreif ernten, also dann, wenn sie den höchsten Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen besitzen. Erzeugnisse, die weite Strecken transportiert werden müssen, können nicht vollreif geerntet werden, da sie sonst den Transport nicht unbeschadet überstehen würden. Vorzeitig geerntetes Gemüse enthält aber weniger Gesundheitsstoffe als vollreifes; das gilt natürlich gleichermaßen für Obst.
Und so ganz nebenbei bauen sich bei der Gartenarbeit die im Winter angesammelten Pfunde ab. Auch das ist der Gesundheit zuträglich und wichtiger denn je. Noch vor 40 Jahren haben die kleinen körperlichen Alltagsarbeiten 2000 Kilokalorien pro Woche verbraucht, heute meistern wir sie mit 500 Kilokalorien wöchentlich. Um Herz und Kreislauf gesund zu halten, sollte der Körper täglich 300 Kalorien verbrennen. Dies lässt sich mit 75 Minuten spazieren gehen, 50 Minuten normalem Radfahren, 30 Minuten Schnee schaufeln – oder eben mit einer Stunde Gartenarbeit erreichen.