Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Brombeeren: Sie kommen, um zu bleiben

Ruckzuck haben Brombeeren sich ausgebreitet und nehmen viel Raum ein.
Ruckzuck haben Brombeeren sich ausgebreitet und nehmen viel Raum ein.

Der Einsatz gegen wilde Brombeeren sollte nicht ohne dicke Handschuhe durchgeführt werden und ist selten von anhaltendem Erfolg gekrönt. Wie kann man ihnen Einhalt gebieten?

Von Doris Theato

Brombeeren, diese zu den Rosengewächsen zählenden, sich verholzenden Sträucher, kennt jeder. Selbst wer keinen Garten hat, wird ihnen begegnen. Sie wachsen im Wald, auf dem Feld und der Flur. Mitunter – oder sagen wir: sehr gerne – wachsen sie den Spaziergängern auch auf dem Weg entgegen oder kommen mit ihren Ranken und den saftigen, blauen Früchten von oben irgendwo aus einer Hecke heraus. Sehr gerne nimmt sich die Brombeere die Freiheit, aus dem nachbarlichen Garten ungefragt einzuwandern.

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Selbst in diesem Sommer mit seiner verbreiteten und verheerenden Dürre beweist die Brombeere Durchhaltevermögen. Die meisten Pflanzen, egal ob Kraut, Strauch oder Baum, wirken schlapp, sind gelb oder längst abgestorben. Nicht so die Brombeere. Sie wächst einfach weiter, bleibt weitgehend grün und scheint noch stacheliger zu sein als sonst. Einzig die Früchte sind mitunter ein wenig kleiner, einige sind tatsächlich vertrocknet. Das ist aber auch schon alles.

Brombeerblüten sind regelmäßig fünfteilig.
Brombeerblüten sind regelmäßig fünfteilig.

Einnehmende ÜberlebenskünstlerinDie Rede ist dabei von der wilden Brombeere, die weltweit zu Hause ist, und von der alleine in Europa mehr als 2000 Arten bekannt sind. Die Brombeere ist übrigens keine Beere im botanischen Sinn, sondern eine Sammelsteinfrucht. Sie zählt zu den Pionierpflanzen, ist von Natur aus einnehmend und erobert jedes Territorium, das sich ihr bietet. Vor allem sind Brombeeren Überlebenskünstler, sie kommen in der Regel, um zu bleiben. Auf nährstoffarmen, bislang öden Standorten sind sie nahezu konkurrenzlos und nicht mehr zu bremsen. Ist die Saat erst aufgegangen, werden die Flächen in kürzester Zeit überwuchert und jegliches Aufkeimen anderer Pflanzen wird erstickt. Selbst Waldbäume, die sich an einer lichten Stelle aufmachen, nach oben zu wachsen, kommen schwer bis gar nicht gegen die schier übermächtige Brombeere an.

Wie schafft sie das nur? Da ist einmal die verlockend süße Frucht, die mit ihrer kräftigen Farbe viele Vogelarten anlockt und gerne gefressen wird. Die Vögel können zudem im Dickicht der Brombeere gut geschützt ans Naschen gehen, finden dort Lebensraum, um dort gerne mal ein Nest zu bauen. Mit ihrem Kot liefern sie dann neue Saat aus. Darauf ist die Brombeere aber gar nicht angewiesen.

Überall dort, wo eine Ranke den Boden berührt, bewurzelt sich die Pflanzenspitze und breitet sich munter weiter aus. Brombeeren werden zwar von Bienen bestäubt, kommen aber gut ohne klar. Das bedeutet, dass viele Blüten unbestäubt bleiben. Ein Problem für so manche Pflanze. Nicht für die Brombeere, sie hat ja die Absenker, die schnell Wurzeln schlagen und überall Klone der eigentlichen Pflanze entstehen lassen. Wer Klon und wer die Mutterpflanze ist, das ist im Gewirr eines Brombeergestrüpps nicht mehr auszumachen. Sehr stachelig ist es überall. Mit ihren Stacheln setzt sich die Brombeere erfolgreich gegen Fressfeinde zur Wehr. Noch eine Strategie für ein ausdauerndes Leben.

Spiel mit dem Satz

des PythagorasWer glaubt, mit einem Rückschnitt die Invasion aus Nachbars Garten stoppen zu können, irrt. Je mehr die Brombeere gestutzt wird, umso mehr Ranken schiebt sie nach. Eigentlich eine bewundernswerte Pflanze, die mit ihrer regelmäßig fünfteiligen Blüte so manchen Mathematiker ins Schwärmen bringt. Über sie lässt sich mit nur wenigen Geraden ein Fünfeck konstruieren, darin finden zehn rechtwinklige Dreiecke Platz, für die der Satz des Pythagoras gilt. Das geht wahrscheinlich all jenen zu weit, die sich mit der maßlosen Brombeere im Garten herumärgern.

Aber auch mal einen anderen Blick auf die weiß-rosa Blüten zu werfen, kann ja nicht schaden, bevor man – am besten durch dicke Schweißerhandschuhe geschützt – ans Werk der Eindämmung geht. Die lassen im Gegensatz zu normalen Gartenhandschuhen tatsächlich die Stacheln nicht durch.

Seit ein paar Jahren wird auch der Brombeerrechen als echter Zauberstab gegen wuchernde Brombeeren beworben. Dabei handelt es sich schlicht um einen Stab, an dessen unterem Ende sich ein Querholz mit nach unten gerichteten Holzdübeln befindet. Zur Kulturpflege im Wald, also zum Niederdrücken der wuchernden Brombeere, eignet sich der Rechen wohl. Die jungen Bäume bekommen wieder Licht und Luft und können weiter wachsen.

Wurzelsperre immer beobachtenIm Garten ist der Rechen wohl eher keine Alternative, da hier das Ausbreiten verhindert werden soll. Hier heißt es, die Ranken immer wieder abzuschneiden, auszureißen und fortzuschaffen. Wenn es im Nachbargarten aber munter rankt und wächst, dann hilft auf Dauer nur eine Wurzelsperre am Gartenzaun und gutes Beobachten, ob die Brombeere die Sperre nicht doch noch umgeht.

Außer der wilden Brombeere gibt es mit der kultivierten Brombeere eine gezüchtete Schwester, die kaum bis gar keine Stacheln hat, die sich vor allem gut begrenzen lässt und deutlich größere Früchte aufweist. Liebhaber der Brombeerfrucht sind sich aber einig, dass an den aromatischen Geschmack der wilden Beere nichts heranreicht.

Hinzu kommt, und da spielt es keine Rolle ob wild oder kultiviert, dass Brombeeren zu den sogenannten Superfoods zählt, also den Nahrungsmitteln, die deutlich mehr können als andere. Sie sind kalorienarm, voller Ballaststoffe und Vitamine, besonders Vitamin A, B, C und E. Sie enthalten außerdem unter anderem Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen und Mangan.

Brombeerblätter – frisch oder getrocknet als Tee verwendet – können gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum helfen. Das Blauschwarz der Brombeere bringt zudem Anthocyane mit, die helfen, das Gesamtcholesterin zu senken und sich antibakteriell sowie entzündungshemmend auswirken können.

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