Politik Zur Sache: Die letzte Ruhestätte

Der Speyerer Domkapitelsfriedhof grenzt an die Friedenskirche St. Bernhard.
Der Speyerer Domkapitelsfriedhof grenzt an die Friedenskirche St. Bernhard.

Am Rande des Domkapitelsfriedhofes neben der Friedenskirche St. Bernhard in Speyer wird Helmut Kohl heute seine letzte Ruhestätte finden. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, dass ein, wenn auch bekannter, Politiker auf einem Friedhof beigesetzt wird, auf dem nur noch Geistliche begraben werden? Die Bischöfliche Pressestelle erklärt dies folgendermaßen: Im Jahr 2015 sei Kohls zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter an die Stadt und das Bistum herangetreten mit dem Wunsch ihres Mannes, in Speyer begraben zu werden. Im Adenauer-Park, dem alten Speyerer Friedhof in der Nähe des Hauptbahnhofes, ist keine Bestattung mehr zugelassen. So kam der Kapitelsfriedhof ins Spiel. Der Platz verbinde mehrere Anliegen, die Kohl wichtig gewesen seien, erklärt Pressesprecher Markus Herr der RHEINPFALZ. Da ist zum einen Kohls enge Verbindung zum Speyerer Dom. Zum anderen befindet sich die Grabstätte in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Bernhard. Das in Sandstein errichtete Gotteshaus entstand aus einem Geist heraus, der auch Kohls Politik prägte. Sie wurde von Deutschen und Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg als Zeichen der Versöhnung erbaut – und als Symbol für ein neues, friedliches Europa. Zur Grundsteinlegung 1953 reiste auch Bundeskanzler Konrad Adenauer, für Helmut Kohl ein Vorbild, nach Speyer. All dies habe den Ausschlag gegeben, dass das Domkapitel dem Wunsch Kohls entsprochen und einen Vertrag geschlossen habe. Danach werde die Fläche für ein Grab auf „unbestimmte Zeit“ zur Verfügung gestellt, so Herr. Gibt es in dem Vertrag auch einen Passus, der es Kohls zweiter Frau Maike erlauben würde, nach ihrem Tod dort bestattet zu werden? Darauf gibt der bischöfliche Pressesprecher keine Antwort. Die Stadt Speyer richtet die Grabstelle her und schafft den Zugang vom Adenauer-Park. Der Kapitelsfriedhof soll durch eine Hecke abgegrenzt werden. Speyer übernehme die Unterhaltung des Grab-Grundstückes, wie beispielsweise Verkehrssicherungspflichten oder Reinigung – „und zwar im Rahmen der Pflegearbeiten für den Adenauer-Park, wie es in öffentlichen Parkanlagen üblich ist“, erklärt der Pressesprecher der Domstadt, Matthias Nowack. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts befand sich im heutigen Adenauer-Park der Friedhof der Stadt Speyer. Der Ratsherr Jost Thiel hatte 1502 seinen Garten am Hirschgraben als Begräbnisstätte für Arme und Fremde zur Verfügung gestellt. Fast vier Jahrhunderte wurden auf diesem Areal Bürger bestattet. Nach seiner Schließung 1881 war der Friedhof mehr als 70 Jahre ungenutzt. 1958 wurde die Fläche in einen Park umgestaltet, den ein sehr alter Baumbestand, Spielgeräte und eine kleine gotische Kapelle prägen.

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