Porträtiert
Yoshihide Suga: Japans neuer Premier
Politisch reagierte man in Japan damit recht zügig und relativ einhellig auf die Demission von Shinzo Abe, der am 28. August wegen einer chronischen Erkrankung nach achtjähriger Amtszeit aufgab. Der neue Mann an Japans Spitze mag international kaum bekannt sein, im eigenen Land zählt der 71-Jährige aber zu den einflussreichsten Politikern. Er galt viele Jahre als loyaler Leutnant von Abe, dem er den Rücken frei hielt und die Öffentlichkeit in vielen Skandalen beschwichtigte.
Die Botschaft des künftigen Premiers der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt ist angesichts einer drohenden Rezession in Japan sehr eindeutig: Die Ankurblung der schwer angeschlagenen Wirtschaft habe klare Priorität gegenüber weiteren Restriktionen zur Eindämmung der Covid-19-Infektionen. Außenpolitisch will Yoshihide Suga, wie auch bereits sein Vorgänger Abe, vor allem das Verhältnis zu den USA pflegen.
Kein charismatischer Politiker
Hinter den Kulissen gilt Suga als geschickter Drahtzieher, der die Politik innerhalb der Partei koordiniert. Bekannt ist er auch für seine Disziplin. In seinem Parlamentarier-Büro hängt eine japanische Kaligraphie, die übersetzt bedeutet: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“. Dabei wirkt Yoshihide Suga auf Pressekonferenzen oftmals streng und zählt sicher nicht zu den charismatischen Politikern. Journalisten, die ihm auf die Nerven gehen, bürstet er in der Regel barsch ab.
Auch wenn er wie ein Politiker der alten japanischen Schule wirkt: Die Vita des neuen Premiers unterscheidet sich grundlegend von der seines Vorgängers. Anders als Abe stammt Suga aus einfachsten Verhältnissen und nicht aus einer Politiker-Dynastie. Er wurde am 6. Dezember 1948 als ältester Sohn eines Bauern geboren, finanzierte sich mit Jobs auf dem Tsukiji-Fischmarkt sowie als Tellerwäscher sein Jura-Studium.