Verdacht Xavier Naidoo wehrt sich gegen Vorwurf der Volksverhetzung

Xavier Naidoo 2016 bei der Verleihung des Deutschen Musikpreises.
Xavier Naidoo 2016 bei der Verleihung des Deutschen Musikpreises.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim wirft dem Popstar Volksverhetzung vor. Dessen Rechtsanwälte weisen die Anschuldigungen zurück. Die Behörde indes führt Beiträge auf Telegram an, die unter anderem antisemitisch sein sollen. Zudem ist bereits im vergangenen Jahr eine weitere Anklage erhoben worden.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen den Musiker Xavier Naidoo („Dieser Weg“, „Sie sieht mich nicht“) Anklage wegen Volksverhetzung erhoben. Dies bestätigten Naidoos Rechtsanwälte Edgar Gärtner und Jana Eisenbeiß am Donnerstag schriftlich. Dem 52-Jährigen wirft die Anklagebehörde vor, im März 2021 über einen Telegram-Kanal den Holocaust leugnende und antisemitische Inhalte veröffentlicht zu haben: durch Verlinkung eines Videos sowie durch eine mit einem Text versehene Bilddatei.

Das teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit – ohne Naidoos Namen zu nennen. Doch Recherchen führten zu Xavier Naidoo, und dessen Rechtsbeistand reagierte: „Die von der Staatsanwaltschaft behaupteten Vorwürfe der Volksverhetzung und Holocaustleugnung sind falsch und werden ausdrücklich bestritten“. Gegen die Vorwürfe gebe es nicht nur beachtliche rechtliche Einwendungen, „sondern es gibt vor allem ganz erhebliche Einwendungen in tatsächlicher Hinsicht. Diese belegen die Unschuld unseres Mandanten“, hieß es in einer Mitteilung.

Das Entschuldigungsvideo

Das Ganze hat eine Vorgeschichte. 2022 hatte Naidoo – kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – ein Entschuldigungsvideo veröffentlicht. Naidoo gab damals an, sich jahrelang in Verschwörungserzählungen verrannt zu haben. „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue“, sagte der aus Mannheim stammende Musiker damals. Zuvor war er lange Zeit aufgefallen mit Aussagen, die ihm Antisemitismus- und Rassismus-Vorwürfe einbrachten. Er trat mit Reichsbürgern auf, verbreitete Theorien der QAnon-Bewegung und polarisierte mit Äußerungen zur Corona-Pandemie. Beobachter kritisierten diese Entschuldigung als zu unkonkret.

Dabei war Naidoos Song „Dieser Weg“ im WM-Jahr 2006, im deutschen Sommermärchen, noch so etwas wie die inoffizielle Hymne des Fußballfestes und der deutschen Nationalmannschaft. Bereits wenige Jahre später wurden Naidoo jedoch antisemitische und verschwörungstheoretische Textzeilen vorgeworfen. Radiosender spielten daraufhin keine Lieder des Künstlers mehr.

Diverse Strafanzeigen

Aus dem jetzigen Schreiben der Mannheimer Staatsanwaltschaft geht hervor, dass gegen Naidoo bereits im Juli 2023 wegen Volksverhetzung in vier Fällen, in einem Fall in Tateinheit mit Beleidigung, ebenfalls Anklage zum Landgericht Mannheim erhoben worden war. In dieser wird ihm zur Last gelegt, zwischen Anfang Dezember 2020 bis Ende April 2021 – ebenfalls über einen Telegram-Kanal – antisemitische und den Holocaust leugnende Inhalte veröffentlicht zu haben. Und zwar in Form von Texten, einer eigenen Audiobotschaft sowie durch Verlinkung einer fremden Audiobotschaft und eines Videos. Zudem soll der Musiker einen Menschen, der der Amadeu-Antonio-Stiftung zugehörig war, beleidigt und in diesem Zusammenhang Texte mit antisemitischem Inhalt veröffentlicht haben.

Den Ermittlungen hätten diverse Strafanzeigen, unter anderem der geschädigten Person, zugrunde gelegen, so die Staatsanwaltschaft. Die Stiftung mit Hauptsitz in Heidelberg ist als gemeinnützig anerkannt und ist nach Amadeu Antonio benannt, einem der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Hauptanliegen der Stiftung sind Projekte gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus.

Unschuldsvermutung gilt

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Sache wurden laut Staatsanwaltschaft beide Anklagen an der Großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim erhoben. Das Landgericht habe wegen der Anklage vom Juli 2023 jedoch noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden. „Mit der neuen Anklage wurde eine Verbindung mit dem bereits anhängigen Verfahren beantragt“, ließ die Staatsanwaltschaft jetzt wissen. Betont wird: Es gelte die Unschuldsvermutung.

Naidoos Rechtsanwälte äußerten sich am Donnerstag überzeugt, dass das Landgericht Mannheim beide Anklagen nicht zulassen, sondern die Eröffnung des Hauptverfahrens ablehnen werde. Naidoo lehne jegliches antisemitische, rassistische oder fremdenfeindliche Gedankengut ab. „Zu dieser Haltung und zu diesen Werten steht Herr Xavier Naidoo nach wie vor.“

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