Russland
Wladimir Putins diskrete Beziehung
Als Wladimir Putin sich 2003 die für ihn neu gebaute Villa am Präsidentensitz im nordwestrussischen Waldai-Mittelgebirge ansah, gefiel ihm die hochmoderne Innenausstattung nicht. Er wurde gefragt, wie er es denn gerne hätte. Nach einigem Nachdenken antwortete er: „Wie in Sankt Petersburg.“
Die Verantwortlichen waren der Ansicht, Putin habe gemeint: wie in der Eremitage, dem Kunstmuseum des früheren Zarenpalastes. Und tatsächlich scheint Putin sich in imperialer Pracht wohl zu fühlen. Das investigative Exilportal proekt.media hat nun Fotos aus dem Waldai-Palast, aber auch aus einem Penthouse in Sotschi veröffentlicht. Das soll Putin seiner Lebensgefährtin geschenkt haben, der mit mehreren olympischen Goldmedaillen dekorierten ehemaligen rhythmischen Sportgymnastin Alina Kabajewa. Die Bilder zeigen mit Edelhölzern vertäfelte Säle, „silberne“ und „goldene“ Wohnzimmer und einen Kronleuchter, der drei Etagen hoch hängt und laut dem Bericht mit Blattgold und echten Rubinen verziert ist. Selbst Sauna-Sessel sind vergoldet. Insgesamt soll die „ungekrönte Zarin“, so proekt.media, über Immobilien im Wert von 120 Millionen Dollar verfügen, die pro forma Verwandten Kabajewas oder Strohleuten aus Putins Gefolgschaft gehören.
Keine gemeinsamen Auftritte von Kabajewa und Putin
Offiziell ist die Beziehung zwischen Putin und Kabajewa tabu. Die Zeitung „Moskowski Korrespondent“, die 2008 über ihre bevorstehende Heirat geschrieben hatte, wurde sogar geschlossen. Auch nach der offiziellen Trennung Putins von seiner Frau Ljudmila 2013 gab es keine gemeinsamen öffentlichen Auftritte des inzwischen 70-Jährigen mit der 31 Jahre jüngeren Kabajewa. 2014 übernahm sie den Vorsitz im Aufsichtsrat von Russlands größter privater Medienholding NMG, die ebenfalls von Putins Gefolgsleuten kontrolliert wird.
Laut „Wall Street Journal“ brachte sie mindestens drei Kinder zur Welt, vermutlich ist Putin der Vater. Und Kabajewas fünf engste Assistentinnen, darunter zwei ihrer Cousinen, kaufen häufig Zugtickets ins Waldai, haben in der Nähe der Putinschen Residenz, aber auch in Sotschi Häuser und Wohnungen erstanden. Putin selbst soll in der Schwarzmeerstadt mehr als zwei Monate im Jahr verbringen; er ist in einem eigenen gepanzerten Eisenbahnzug zwischen Sotschi, Moskau und dem Waldai unterwegs. Auf dieser Schiene scheint sich auch sein diskretes Privatleben abzuspielen.