Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn im „Reichstag“ meditiert wird

Eine Kuppel wie beim Berliner Vorbild gab es auch, sie musste aber wieder entfernt werden: Schloss Sommerswalde in Brandenburg.
Eine Kuppel wie beim Berliner Vorbild gab es auch, sie musste aber wieder entfernt werden: Schloss Sommerswalde in Brandenburg.

Ein Schloss in Brandenburg entstand nach den Originalplänen des Berliner Parlamentsgebäudes

Nächste Woche geht es wieder los. Dann ist die parlamentarische Sommerpause vorbei, und die 630 Abgeordneten strömen tatendurstig nach Berlin, um im Reichstagsgebäude die erste Sitzungswoche zu bestreiten. Möglich, dass am nächsten Freitag nach all dem Disputieren und Lamentieren der eine oder andere Parlamentarier schon wieder erschöpft ist und nach einer Auszeit lechzt.

Für eine solche müssen sich Bundestagsabgeordnete nicht einmal groß umgewöhnen: Rund 40 Kilometer von Berlin-Mitte entfernt lockt ein Reichstagsnachbau zur Einkehr und Besinnung. In Schloss Sommerswalde kann man Meditationstechniken lernen, „die dir helfen, innerlich zu entspannen und neue Kraft zu tanken – um dann mit frischem Elan mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen“, wie es in einer Werbebroschüre heißt.

Denkmalpflegepreis erhalten

In dem 1890 errichteten Herrenhaus, dem die Originalpläne des Berliner Reichstagsgebäudes zugrunde liegen, entstand vor einigen Jahren das Mutterzentrum des Kadampa-Buddhismus in Deutschland. 2010 verlieh das Land Brandenburg dem Meditationszentrum als einem von vier Preisträgern den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis für die vorbildliche Sanierung der Schlossanlage und seiner Nebengebäude.

In dem unweit von Oranienburg gelegenen Gut spiegelt sich deutsche Geschichte: Zunächst Familiensitz der Berliner Familie Sommer, nach 1945 sowjetische Militärkommandantur, später Schule der DDR-Jugendorganisation FDJ. Seit 2008 hat hier die buddhistische Klosterschule ihren Sitz.

Der Bau trug einst eine Kuppel

Warum der Berliner Großbürger und ehemalige Leutnant Richard Sommer Ende des 19. Jahrhunderts einen bewussten Vergleich mit dem Reichstagsgebäude anstrebte, ist nicht ganz klar. Vielleicht Provokation oder Ironie? Der Bau trug wie sein Berliner Vorbild sogar einmal eine pompöse Kuppel. In den 20er Jahren musste diese aus statischen Gründen aber entfernt werden. Und ein neben dem Schloss errichteter Pferdestall mit Backsteinfassade erinnert architektonisch sehr an das Berliner „Rote Rathaus“.

Wer zufällig in der Nähe ist: Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 14. September, können Schloss Sommerswalde und seine Parkanlagen besichtigt werden.

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