Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wehrdienst: Erst kommt der Anreiz, dann die Pflicht

Die Debatte um eine Wehrpflicht nimmt an Fahrt auf.
Die Debatte um eine Wehrpflicht nimmt an Fahrt auf.

Der Wehrbeauftragte schlägt vor, mehr Anreize für den freiwilligen Wehrdienst zu schaffen. Das ist der richtige Ansatz.

Nun hat zum ersten Mal der nationale Veteranentag stattgefunden. Er soll helfen, früheren Soldatinnen und Soldaten mehr gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen. Der Tag erinnert aber auch daran, was man bei der Truppe alles riskiert: seinen Körper, seine Gesundheit – womöglich sogar sein Leben. 50.000 bis 60.000 zusätzliche Männer und Frauen fehlen der Truppe, um verteidigungsfähig zu werden. Viele Fachleute glauben, dass langfristig kein Weg daran vorbeiführt, zur ausgesetzten Wehrpflicht zurückzukehren.

Starker Eingriff in die Freiheit

Sie mögen recht haben. Das ändert aber nichts daran, dass diese Maßnahme ein starker Eingriff in die Freiheit aller jungen Menschen wäre. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn es in der Debatte erstmal mehr um Freiwilligkeit geht. Der Wehrbeauftragte Henning Otte (CDU) hat vorgeschlagen, mehr Anreize für den Wehrdienst zu schaffen. Der Gedanke ist nicht neu – aber wurde bisher politisch nicht genug diskutiert. Konkret hat Otte angeregt, Wehrdienstleistenden etwa einen erleichterten Studienzugang oder zusätzliche Rentenpunkte zu gewähre. Das sind sinnvolle Ideen – auch weil sie langfristig angelegt sind. Denn die Anreize haben sonst eine Schattenseite. Wer allein eine kurzfristige Verlockung vor Augen hat, vergisst womöglich, worauf er sich beim Dienst mit Leib und Leben einlässt. Das darf nicht passieren – und scheint bei Ottes Vorschlägen bedacht worden zu sein.

x