US-Wahlkampf „Was zum Teufel tun sie da?“ – Trump kritisiert Lockdowns in Europa

Donald Trump bei seinem Wahlkampauftritt in Hickory, North Carolina.
Donald Trump bei seinem Wahlkampauftritt in Hickory, North Carolina.

US-Präsident Donald Trump hat Kritik an den „drakonischen Lockdowns“ in Europa geübt und solche Maßnahmen für die USA trotz stark steigender Infektionszahlen ausgeschlossen. Bei Wahlkampfauftritten am Sonntag griff er erneut den demokratischen Kontrahenten Joe Biden an.

„Schauen Sie sich an, was in Europa passiert ist“, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Hickory im Bundesstaat North Carolina. „Die Menschen begehren auf, sie wollen und können das nicht mehr tun.“ Trump fügte hinzu: „Europa hat drakonische Lockdowns verhängt, und trotzdem explodieren ihre Fallzahlen, die Zahl ihrer Toten nimmt stark zu, und ihre Wirtschaften sind - seien wir ehrlich, Sie sehen, was passiert – sie sind in Trümmern.“ Er fügte hinzu, natürlich wünschten die USA Europa nur Gutes.

Bereits bei einem Auftritt in Washington hat Trump trotz deutlich steigender Infektionszahlen einen Lockdown in der Corona-Pandemie wie in Europa ausgeschlossen. „Ich liefere das große amerikanische Comeback und wir haben keine Lockdowns“, sagte er in Washington im umkämpften Bundesstaat Michigan. Europa habe die Infektionszahlen trotz Lockdown nicht in den Griff bekommen, sagte der US-Präsident. „Jetzt müssen sie alles noch einmal machen. Was zum Teufel tun sie da? Ich glaube, ich gehe rüber und erkläre es ihnen.“

Trump: „Biden-Lockdown bedeutet keine Zukunft“

Der Republikaner warf seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden vor, im Fall seines Sieges bei der Präsidentenwahl am Dienstag einen Lockdown in den USA verhängen und „Amerika in einen Gefängnisstaat“ verwandeln zu wollen. Der Biden-Lockdown würde zu unzähligen Toten führen und eine ganze Generation an Träumen auslöschen, sagte Trump: „Der Biden-Lockdown würde bedeuten: keine Schule, keine Abschlüsse, keine Hochzeiten, keine Thanksgiving, keine Ostern, kein Weihnachten, kein 4. Juli und keine Zukunft.“ Trump stellte in Aussicht, dass es „eine Frage von Wochen“ sei, bis es eine Impfung gegen das Coronavirus gebe.

Erneut griff Trump Biden scharf an. Der Präsident warf seinem Kontrahenten vor, korrupt zu sein. Ohne Belege behauptete er erneut, die Biden-Familie habe Millionen Dollar von China bekommen. „Wenn Biden gewinnt, gewinnt China. Wenn wir gewinnen, gewinnt Amerika.“ Trump stellte bei dem Auftritt in Washington – dem ersten von fünf am Sonntag geplanten – auch Bidens geistige und körperliche Fähigkeit für das Präsidentenamt in Frage.

Biden attackiert Trump bei Twitter

Dagegen lobte Trump erneut sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, das eine Mehrheit der Amerikaner seit Monaten negativ bewertet. Biden hat keinen Lockdown angekündigt, sondern versprochen, auf den Rat der Wissenschaftler zu hören. Er schrieb am Sonntag auf Twitter: „Donald Trump hat den Versuch aufgegeben, das Virus unter Kontrolle zu bringen.“

In Deutschland hatte kurz vor Trumps Ansprache ein vierwöchiger Teil-Lockdown begonnen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Nach Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) überschritten die USA am Freitag erstmals die Marke von 99.000 registrierten Neuinfektionen. Mit ihren 330 Millionen Einwohnern sind die Vereinigten Staaten etwa vier Mal so groß wie Deutschland, hatten am vergangenen Freitag aber rund fünf Mal so viele Neuansteckungen. Nach den JHU-Statistiken hat die Pandemie in den USA bisher mehr als 230.000 Menschen das Leben gekostet – mehr als 20-mal so viele wie in der Bundesrepublik.

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