Fragen und Antworten
Was hat Trump mit TikTok vor?
Warum muss TikTok in den USA verkauft werden?
In den USA gibt es seit Jahren politische Bedenken gegen die beliebte Videoplattform. Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden brachte 2024 ein Gesetz auf den Weg, wonach die App verboten beziehungsweise aus den App-Stores verbannt würde, sollte der chinesische Mutterkonzern Bytedance sein US-Geschäft nicht verkaufen. Eine Frist von 270 Tagen wurde eingeräumt. Im Präsidentschaftswahlkampf entdeckte dann Bidens Kontrahent, der jetzige Amtsinhaber Donald Trump, entgegen früherer Bedenken seine Sympathien für TikTok: Er konnte damit jüngere Wähler gut ansprechen. An der Verpflichtung zum Verkauf hielt er fest, doch verlängerte er die festgesetzte Frist mehrfach – bis ihm jetzt offensichtlich ein Deal gelungen ist.
Welches Problem hat man in den USA denn mit der App?
Sie wird als Sicherheitsrisiko angesehen. Zentrales Argument ist, dass es sich im Grunde um eine chinesische Plattform handele. TikTok selbst nennt als weltweite Hauptsitze Los Angeles und Singapur. Der Mutterkonzern Bytedance hat zwar seinen offiziellen Firmensitz auf den karibischen Cayman-Inseln und ist mehrheitlich im Besitz westlicher Investoren. Doch die Zentrale in Peking und die Kontrolle weiterhin durch die chinesischen Gründer sprechen den Kritikern zufolge dafür, dass der handels- und weltpolitische Gegner China hier großen Einfluss hat. Daten US-amerikanischer Nutzer der App seien nicht vor unrechtmäßigem Zugriff geschützt; zudem könne die Kommunistische Partei mittelbar die Meinungsbildung in den USA manipulieren. Eindeutige Beweise für entsprechenden Missbrauch oder für Manipulationsversuche wurden bislang nicht vorgelegt.
Was macht TikTok überhaupt so bedeutsam?
Das 2012 gegründete Unternehmen Bytedance ist seit 2017 mit TikTok weltweit aktiv (das davon getrennte chinesische Pendant heißt Douyin). Nutzer können Kurzvideos anschauen, selbst erstellen und verbreiten. Herzstück ist der Algorithmus des Empfehlungssystems. Es sorgt dafür, dass den Nutzern permanent genau auf ihre Vorlieben zugeschnittene Inhalte geliefert werden. Das kommt augenscheinlich gut an: Global gibt es 1,6 Milliarden monatlich aktive Nutzer, 170 Millionen sind es in den USA. Die Einnahmen aus Werbung sind ein einträgliches Geschäft. Für die USA ist die Rede von einem geschätzten Umsatz 2024 von etwa 10 Milliarden Dollar.
Längst sind es auch nicht mehr nur die lustigen Tanzclips, für die TikTok bekannt wurde. Es gibt eine riesige Vielfalt an Inhalten zu Unterhaltung, Kreativität, Wissen oder Lifestyle. Die Plattform wird zudem zunehmend zur Nachrichtenquelle und spielt mithin eine immer größere Rolle in der politischen Kommunikation. So hält eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung für Deutschland fest, dass TikTok und Instagram für junge Menschen der wichtigste Raum für Kontakt mit der Politik ist. Dadurch kann die App auch zu einem Instrument der Kontrolle der medialen Öffentlichkeit und letztlich der Machtausübung werden. Von „Info-Nationalismus“ spricht der Digitalstrategieberater Jeffrey Towson angesichts von Trumps Bemühung um die App.
Wie sieht nun der Deal, den Trump mit China ausgehandelt haben will, konkret aus?
Die Details der geplanten Abspaltung scheinen auch nach einem Telefongespräch zwischen dem US-Präsidenten und seinem chinesischen Gegenüber Xi Jinping vergangenen Freitag immer noch nicht ganz geklärt. Bytedance hatte sich gegen einen Verkauf gewehrt, China müsste dem zustimmen. Trump deutete wiederholt an, interessierte Investoren an der Hand zu haben. Für den Betrieb von TikTok in den USA soll nun ein neues Unternehmen gegründet werden, das sich zu gut 80 Prozent in US-Besitz befinden soll. Als mögliche Investoren werden Trump-nahe Unternehmer wie Medienmogul Rupert Murdoch und sein Sohn Lachlan, Oracle-Chef Larry Ellison und Dell-Chef Michael Dell genannt. Bytedance soll unter 20 Prozent halten. Vom Tisch scheint die Option, dass die US-Regierung direkt auch Anteile übernimmt.
Der Softwarekonzern Oracle soll zudem für den Schutz der US-Nutzer und ihrer Daten sorgen. Oracle werde als Sicherheitsdienstleister die US-Version des Empfehlungssystems kontrollieren, hieß es aus Washington. Bytedance wird demnach seinen bisherigen Algorithmus zur Verfügung stellen. Er werde dann geprüft und für den Einsatz in den USA mit Daten amerikanischer Nutzer neu angelernt. Der Export solcher Technologie braucht eine Genehmigung der chinesischen Regierung. Ob Peking im Gegenzug von den USA Zugeständnisse – etwa bezüglich Zöllen – erhält, ist nicht bekannt.
Welche Folgen hat das alles für deutsche Nutzer?
Das ist schwer zu sagen, solange nicht bekannt ist, was genau mit der App in den USA passiert. Die Plattform hat in Deutschland Unternehmensangaben zufolge mehr als 20 Millionen Nutzer, die Zentrale des Ablegers ist in Berlin. Die Konzernstruktur ist verschachtelt, sodass kaum ersichtlich ist, welche Bereiche von TikTok und inwiefern global verbreitete Inhalte durch eine Abspaltung des US-Betriebs betroffen wären.
Verbotspläne gibt es hierzulande nicht, aber ebenfalls Sicherheitsbedenken. Wegen Datenschutzverstößen verhängte die EU-Aufsichtsbehörde zuletzt eine Strafe von 530 Millionen Euro. Mittlerweile werden Daten europäischer Nutzer laut TikTok „standardmäßig in einer speziellen europäischen Datenenklave gespeichert“, die sich derzeit in Rechenzentren in Europa und den Vereinigten Staaten befinde.