Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Herz und Haltung: Partnersuche in politischen Zeiten

Nicht nur Sympathie zählt: Auch die politische Haltung wird zur Dating-Voraussetzung.
Nicht nur Sympathie zählt: Auch die politische Haltung wird zur Dating-Voraussetzung.

Dating und Liebe werden immer häufiger auch zur politischen Frage.

Egal ob Tinder, Bumble oder Hinge – Online-Dating wird zwar vielfältiger, aber auch komplizierter. Neben Hobbys, Beruf oder Lieblingsessen fragen viele Plattformen inzwischen nach der politischen Gesinnung des Herzblattjägers. Klingt logisch, erleichtert die Suche nach dem großen Glück aber nicht unbedingt.

Die Soziologen Ansgar Hudde und Shannon Taflinger von der Universität Köln haben in einer Studie beobachtet, dass politische Ansichten beim (Online-)Dating in den USA stark polarisieren und abweichende Meinungen häufig zum Ausschluss potenzieller Partner führen. Doch wirklich überraschend ist das nicht.

Die Wahlentscheidung als Liebeskiller

Man stelle sich nur ein Kennenlernfrühstück zwischen Demokratin und Republikaner vor. Noch bevor die Pancakes auf dem Tisch stehen, entwickelt sich eine Grundsatzdebatte über die Nachrichtenlage. Und während beide eigentlich nur herausfinden wollten, ob es ein zweites Date gibt, geht es schnell darum, wer die Diskussion gewinnt.

Diesen Schluss könnte man aus der Studie ziehen. Viele Demokraten wollen romantisch nichts mit Republikanern zu tun haben – und umgekehrt. Politisch Andersdenkende werden deutlich negativer bewertet, „und zwar ausnahmslos auf allen Dimensionen … von der Intelligenz über … Ehrlichkeit und Freundlichkeit“, wie Ansgar Hudde erklärt.

Doch wie verhält es sich in Deutschland? Hier sieht Hudde Parallelen zu den USA. Auch hier sortiert Amor Menschen teils aus politischen Gründen von vorneherein aus. Die Gesellschaft sei zwar weniger polarisiert als in Amerika, doch die politische „Gender Gap“ sei so groß wie nie zuvor: Junge Frauen wählen deutlich linker als ihr männliches Pendant. Das erschwert die Partnersuche.

Politik und Dating auch in Deutschland ein Paar

Auch hier wieder: wenig überraschend. Oder wie soll ein romantisches Date zwischen zwei politischen Lagern funktionieren? Während sie von links über Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit spricht, kontert er von rechts mit Tradition und Patriotismus. Ein klassisches „No Go“ – oder eine „Red Flag“, um im Datingkontext zu bleiben.

Nicht zuletzt zeigt die Kölner Studie: Politik und Dating hängen zusammen. Und das ist auch gut so. Die erste Frage beim Date sollte zwar nicht lauten: „Wen wählst du?“ – aber grundlegende Werte sollten passen, damit es am Ende nicht heißt: Beziehungsstatus kompliziert.

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