Social Media
Wie TikTok seine Nutzer gegen ein drohendes US-Verbot mobilisiert
TikTok ist nicht nur ein Teenager in der ganzen Welt süchtig machendes Unterhaltungsmedium, sondern auch ein mächtiges Werkzeug. Wenn beispielsweise Videos mit einem bestimmten Song „viral“ gehen, also millionenfach angesehen werden, dann kann das Musikkarrieren befeuern. Und wenn die Nutzer im großen Stil mobilisiert werden, sollte man sich vorsehen.
Das erfährt gerade das US-Repräsentantenhaus. Die Abgeordneten haben einen Gesetzentwurf in Arbeit, der von Demokraten und Republikanern in seltener Einmütigkeit gemeinsam vorbereitet wurde und die beliebte Onlineplattform unter Druck setzt: Dem TikTok-Eigentümer Bytedance wird knapp sechs Monate Zeit gegeben, die Kontrolle über die App abzugeben. Ansonsten drohe ein Verbot in den USA.
Die Angst vor Pekings langem Arm
Den ersten Vorstoß in dieser Richtung unternahm schon Donald Trump vor einigen Jahren als US-Präsident. Er sprach abfällig von der „chinesischen App“ , der angedrohte und nie umgesetzte Bann war Teil seiner Wirtschaftsfehde mit dem fernöstlichen Konkurrenten. Denn hinter TikTok steckt ein Unternehmen mit Wurzeln in Peking, weshalb eine Zensur, Beeinflussung und ein Ausspähen der Nutzer letztlich durch die Kommunistische Partei befürchtet wurde. Die neue Initiative im Kongress wird nun auch mit der Sorge um die nationale Sicherheit begründet.
TikTok weist solche Bedenken stets zurück und betont, man sehe sich nicht als Tochter eines chinesischen Unternehmens. Bytedance sei zu 60 Prozent im Besitz westlicher Investoren. Der Firmensitz liege auf den Cayman-Inseln in der Karibik.
Im aktuellen Fall wurden auch die Nutzer in den Abwehrkampf eingespannt, immerhin 170 Millionen sind das in den USA. Sie wurden in der App aufgefordert, sich gegen die drohende Schließung auszusprechen. Praktischerweise konnten per Knopfdruck direkt Abgeordnete angerufen werden. Medien berichteten, teilweise standen in den Büros die Telefone nicht mehr still.
Eine Blamage für Trump
Welche Wucht eine TikTok-Protestaktion entfalten kann, davon kann Donald Trump ein Lied singen. Junge Social-Media-Nutzer trugen 2020 mit unzähligen Videos wohl dazu bei, dass Zehntausende sich kostenlose Tickets für eine Wahlkampfveranstaltung in Tusla sicherten – um dann nicht aufzutauchen, sodass viele Ränge leer bleiben mussten. Eine ziemliche Blamage für den damaligen Noch-Präsidenten und Kandidaten.
Da Trump immer für Überraschungen gut ist, sorgt er noch für eine bizarre Wendung in der neuerlichen Debatte. Er ist plötzlich gegen ein Verbot! Davon würde nur Facebook profitieren, argumentiert er. Das Unternehmen habe bei der letzten Wahl betrogen, behauptete er auf seiner eigenen Plattform Truth Social, ohne jeden Beweis. „Das sind die wahren Feinde des Volkes.“
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