Corona Weltweit
Von zweiter Welle überrollt
Wochenend-Lockdown in Israel
Nach einem starken Anstieg der Corona-Infektionen setzt die israelische Regierung erneut auf Lockdown-Maßnahmen: Geschäfte und Museen sind künftig an Wochenenden zu schließen. Geschlossen bleiben müssen außerdem Freiluftmärkte, Friseure, Büchereien und Touristenattraktionen. Ein rigider Lockdown hatte in Israel schon einmal gewirkt und dazu geführt, dass die erste Welle schnell abflachte und Mitte Mai die Anzahl der Neuinfektionen nur noch bei zehn bis 20 Neuinfizierten pro Tag lag.
Nach umfassenden Lockerungen schnellen die Zahlen seit Ende Mai erneut in die Höhe. Am Mittwoch wurden mehr als 1700 Neuinfizierte innerhalb von 24 Stunden gemeldet. In dem Neun-Millionen-Einwohner-Land wurden bislang rund 46.000 Corona-Infektionen registriert, 384 Infizierte starben. Die Folgen des ersten Lockdowns setzen der Wirtschaft des Landes schwer zu, die Arbeitslosigkeit liegt bei 21 Prozent.
Am Dienstagabend protestierten Tausende vor der Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Zentrum Jerusalems und forderten seinen Rücktritt. Mehrere Nächte in Folge protestierten außerdem in der vergangenen Woche verschiedene Gruppierungen von ultraorthodoxen Juden in Jerusalem und anderen Städten gegen die Corona-Maßnahmen. Auch die Sozialarbeiter des Landes streiken, mittlerweile in der zweiten Woche. Die Corona-Krise habe zu einer noch größeren Überlastung geführt, und so fordern sie mehr Bezahlung und mehr Beschäftigte im sozialen Sektor.
Erneute Beschränkungen in Teheran
Auch in der iranischen Hauptstadt Teheran sollen wegen des dramatischen Anstiegs der Fallzahlen schon an diesem Wochenende wieder Corona-Beschränkungen eingeführt werden. Unter anderem soll ab Samstag ein Drittel der Beamten von zu Hause aus arbeiten. Außerdem wurden Veranstaltungen und Versammlungen wieder verboten und die beliebten Cafés und Teehäuser wieder geschlossen.
Nach den Lockerungen Ende Mai wurden die Corona-Vorschriften und besonders die Maskenpflicht im Iran größtenteils nicht mehr ernst genommen. Zuletzt gab es binnen 24 Stunden mehr als 180 Corona-Tote und fast 2400 Neuinfizierte. Damit lag die Anzahl der registrierten Todesopfer am Freitag nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei 13.791, die der Infizierten bei 269.440.
Mehr als eine Million Corona-Fälle in Indien
In Indien sind inzwischen mehr als eine Million Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Über 25.000 mit dem Virus infizierte Menschen seien gestorben, teilte das indische Gesundheitsministerium am Freitag mit. Innerhalb von 24 Stunden seien zuletzt mehr als 30.000 Neuinfektionen hinzugekommen.
Indien hatte zunächst gehofft, die Pandemie mit einer strikten Ausgangssperre in den Griff zu kriegen. Doch als Dutzende Millionen Menschen deshalb ihren Job verloren hatten und fürchteten zu verhungern – und zudem noch die Fallzahlen im oft dicht besiedelten Land trotzdem weiter deutlich stiegen, änderte die Regierung ihre Strategie.
Kühllaster vor US-Krankenhäusern
In San Antonio, der Millionenstadt im Süden von Texas, parken neuerdings Kühllaster vor Krankenhäusern. Sie sollen die Toten aufbewahren, die zunächst nicht bestattet werden können, da die örtlichen Bestattungsunternehmen an ihre Grenzen gekommen sind. Es sind Szenen, die an New York erinnern, an die schockierenden Bilder vom März und April, als die Ostküstenmetropole zu den härtesten Corona-Krisenfällen der Welt gehörte.
Es gebe nun mal nur eine begrenzte Anzahl von Gräbern, in die man Leichen legen könne, sagte Ken Davis, Chefarzt am Christus Health South Texas, einer Klinikkette, im regionalen Fernsehsender KSAT. In Texas sind die Spitäler, wie auch in anderen Bundesstaaten im Süden und Westen der USA, seit Tagen einem akuten Stresstest ausgesetzt.
Mit rund 77.300 gemeldeten Fällen binnen 24 Stunden hat die Anzahl der Corona-Neuinfektionen in den USA einen neuen Höchststand erreicht. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich nach Informationen der Johns-Hopkins-Universität bislang mehr als 3,5 Millionen Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Rund 138.000 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus.
Einreiseverbot für Bürger aus Serbien
Bürger aus Serbien und Montenegro dürfen wegen zuletzt gestiegener Corona-Fallzahlen ab sofort nicht mehr in die EU einreisen. Wie der Rat der EU-Staaten am Donnerstag mitteilte, gilt nur noch für zwölf Länder eine Ausnahme der in der Corona-Pandemie eingeführten Einreisebeschränkungen. Als 13. Land steht weiterhin China auf der Liste – allerdings unter dem Vorbehalt, dass EU-Bürger dort auch wieder einreisen dürfen. In zwei Wochen wird die Liste, die für die EU-Staaten nicht bindend ist, erneut aktualisiert.
Thailand zahlt hohen Preis für Corona-Politik
Thailand gilt als eines der sichersten Länder weltweit, was das Ansteckungsrisiko durch das Coronavirus betrifft. Die Grenzen des Königreichs sind für Ausländer seit Monaten geschlossen. Seit sechs Wochen wurde denn auch keine einzige lokale Infektion nachgewiesen. Ein Erfolg, der einen hohen Preis hat: Eine Politik der Null-Prozent-Infektionen macht es unwahrscheinlich, dass die Grenzen in absehbarer Zukunft wieder geöffnet werden und sich Industrien erholen – allen voran der so wichtige Geldbringer Tourismus.