Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Vereinte Nationen: Umbau dringend geboten

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat einen der schwierigsten Jobs, die die internationale Diplomatie zu bieten hat.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat einen der schwierigsten Jobs, die die internationale Diplomatie zu bieten hat.

Auch 75 Jahre nach ihrer Gründung werden die Vereinten Nationen dringend gebraucht. Um handlungsfähiger zu werden, muss die Weltorganisation aber reformiert werden. Reformbedarf gibt es vor allem im UN-Sicherheitsrat als dem zentralen Gremium.

Der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen prägte einen der meistzitierten Sätze der Diplomatie. Die Vereinten Nationen seien nicht geschaffen worden, „um die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren“. Auch 75 Jahre nach der Gründung der Vereinten Nationen gilt der vom Schweden Dag Hammarskjöld formulierte Auftrag. Trotz ihrer Unzulänglichkeiten bleiben die UN der einzige globale Bund, in dem die 193 Mitgliedstaaten zu nahezu allen Herausforderungen Beschlüsse fassen können: vom Klimawandel über Covid-19, Armut, Rüstung und bewaffnete Konflikte bis hin zu den Flüchtlingsbewegungen.

Die UN haben Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt

Seit 1945 haben die UN ein Netz völkerrechtlicher Verträge zu Friedensförderung, wirtschaftlicher Entwicklung und Menschenrechten aufgespannt; zudem haben ihre humanitären Helfer mehrere Hundert Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt.

Um die Handlungsfähigkeit der UN in einem Zeitalter der globalen Krisen sicherzustellen, müssen sich aber mehr Mitgliedsländer als bisher konstruktiv engagieren. Und die in die Jahre gekommenen UN brauchen dringend einen Umbau, zumal im Machtzentrum, dem Sicherheitsrat.

Deutschland und Frankreich geben mit ihrer „Allianz für den Multilateralismus“ die Richtung vor. Das Netzwerk mit seinen unterschiedlichen Ländern von Österreich, der Schweiz und Luxemburg bis Afghanistan, Kolumbien und Tunesien hat zwar noch keine großen Erfolge verbucht. Aber allein die Tatsache, dass sich Dutzende Staaten zu einer engen internationalen Kooperation bekennen, ist beachtenswert.

Der Sicherheitsrat spiegelt die Lage von 1945 wider

Besser wäre es, wenn alle UN-Mitglieder an einem Strang ziehen, zumindest bei den großen Krisen. Das tun sie nicht. Das liegt auch an dem Machtgefälle in den UN, zumal im Sicherheitsrat. Noch spiegelt der Rat die internationale Ordnung aus dem Gründungsjahr der Organisation, 1945, wider: Die fünf Vetomächte, USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien geben den Ton an. Absteigende Mächte wie Großbritannien und Frankreich geraten aber immer mehr in unangenehme Erklärungsnot: Wieso sitzen sie noch im privilegierten New Yorker Fünfer-Club?

Die USA, China und Russland hingegen verfolgen riskante Alleingänge; sie vereint die Verachtung einer regelbasierten internationalen Ordnung. Die Egotrips der Großmächte gefährden die UN umso mehr, als die Drei im Sicherheitsrat alle Initiativen blockieren können. Davon machen sie immer wieder eiskalt Gebrauch, wie etwa die Russen im Syrien-Krieg. Oder sie versuchen, die anderen Mitglieder auf Linie zu zwingen, wie die US-Amerikaner im Atomstreit mit dem Iran.

Deutschlands politisches Gewicht ist immer größer geworden

Deshalb sollten Deutschland und andere Mitstreiter bei der Forderung nach einer Modernisierung des Sicherheitsrates nicht lockerlassen. Dabei kann Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne auch ein wenig forscher eine Reform verlangen, als sie das bei der Jubiläumsveranstaltung der Weltorganisation tat.

Die Bundesrepublik gehört seit Jahren zu den größten Beitragszahlern an die UN, treibt unermüdlich die internationale Kooperation voran und hat immer mehr an politischem Gewicht und Vertrauen gewonnen. Der stärkste EU-Staat ist ein natürlicher Kandidat für einen ständigen Sitz in einem erweiterten Sicherheitsrat.

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