Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Trumps Zölle: Düstere Aussichten für die Weltwirtschaft

Donald Trump präsentiert seine Zollpläne.
Donald Trump präsentiert seine Zollpläne.

Unbeirrt von allen Warnungen setzt Donald Trump seine Zoll-Obsession um. Die Ziele des Präsidenten sind widersprüchlich, die weltweiten Auswirkungen fatal.

Das Zeitalter der Globalisierung endete mit einer Posse. „Unser Land ist 50 Jahre lang abgezockt worden“, beklagte sich Donald Trump theatralisch im Rosengarten des Weißen Hauses, um den „Befreiungstag“ von der ökonomischen Knechtung auszurufen. Schwankend im Wind hielt er eine Tafel mit winzigen Prozentzahlen hoch, die man kaum lesen konnte. Bei dem ehemaligen Reality-TV-Star zählt vor allem die Inszenierung. Die Details, mit denen er mal eben die weltweite Handelsordnung in die Tonne tritt, sind Nebensache.

Viele Fragen bleiben offen

Auch nach der Lektüre des Kleingedruckten bleiben viele Fragen zu den beispiellosen Zöllen offen, die der Präsident vor laufenden Kameras zum Ende dieser Woche in Kraft setzte. Doch so viel ist klar: Statt auf freien Handel setzt Amerika künftig auf knallharten Protektionismus, und diese dramatische Kehrtwende hat das Zeug, die Weltwirtschaft in schwerste Turbulenzen zu stürzen. Die Europäische Union, China, Japan und Südkorea gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der USA. Deren Exporte werden kurzerhand um 20 bis 54 Prozent verteuert. Die Betroffenen werden sich wehren. Man braucht wenig Fantasie, um die Verwüstungen eines Handelskriegs zu erahnen.

Das sind düstere Aussichten. Doch Trump ist bei Zöllen ein beratungsresistenter Überzeugungstäter. Er hält die Aufschläge für ein Wundermittel, das die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz schützt, sagenhafte Billionen-Beträge für Steuersenkungen in die Staatskasse spült und einen mächtigen Hebel für politische Verhandlungen mit anderen Ländern liefert. Dass sich diese drei Ziele schon denklogisch widersprechen, will der „Dealmaker“ nicht wahrhaben.

20 Prozent Zoll für angeblich unfaire Staaten

Konträre Absichten verfolgen auch die beiden Zoll-Modelle, die seine Berater entwickelt haben: eine generelle Einfuhrsteuer, die Staatseinnahmen generiert - oder länderspezifische Abgaben, die Raum für Gegengeschäfte bieten. Trump kombiniert nun beide Ansätze und wählt den Worst Case: Mit einem Mindestzoll von zehn Prozent sollen fast alle Länder (außer Russland, Kanada und Mexiko) belegt werden. Für Länder, die die USA angeblich besonders unfair behandeln, gelten individuelle Sätze - bei der EU sind das 20 Prozent.

Wie das Weiße Haus die Höhe der konkreten Strafabgabe ermittelt hat, ist sein Geheimnis. In die Berechnung sind angeblich Einfuhrzölle, Mehrwertsteuer und Handelshemmnisse eingeflossen. Gut möglich, dass auch das Datum dazu addiert wurde. Das macht rationale Verhandlungen extrem schwierig. Zudem will sich Washington selbst bei Entgegenkommen keinesfalls von dem zehnprozentigen Basiszoll abbringen lassen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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EU-Exportwirtschaft besonders betroffen

Europa wird von Trumps Zoll-Obsession mit doppelter Härte getroffen. Ein Fünftel aller Exporte des alten Kontinents von Pharmazieprodukten über Industriemaschinen bis zu Champagner fließt in die USA. Unabhängig von den neuen Grenz-Abgaben treten dort schon an diesem Donnerstag die 25-prozentigen Autozölle in Kraft. Obwohl BMW, Mercedes und Volkswagen einige Modelle in den USA fertigen, können sie denen angesichts der internationalen Lieferketten kaum entgehen.

Eine solche Strangulierung seiner Exportwirtschaft kann sich Europa unmöglich gefallen lassen. Trump wird in den nächsten Wochen daheim erheblichen Gegenwind erfahren. Seit Tagen befinden sich die Aktienmärkte auf Achterbahnfahrt. Auch erste republikanische Senatoren mucken auf. Bald dürften die Preise für die Verbraucher kräftig steigen. Brüssel muss diesen Druck durch ebenso gezielte wie schmerzhafte Vergeltungsmaßnahmen massiv erhöhen und so seine Verhandlungsposition stärken. Trump respektiert alleine starke Gegner. Er wird (wenn überhaupt) nur nachgeben, wenn der politische Preis für ihn zu hoch wird.

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